Duisburg Marxloh
Meilensteine
Ansprechpartner


Gebietscharakter und Ausgangslage
Begegnungsstätte in der Moschee Begegnungsstätte in der Moschee

Marxloh ist ein klassischer ehemaliger "Arbeiterstadtteil", wenn auch nahezu mit dem Erscheinungsbild einer Kleinstadt. Durch die umgebende Schwerindustrie wirtschaftlich erfolgreich, galt Marxloh noch in den siebziger Jahren als "Einkaufszentrum des Duisburger Nordens".

Kennzeichen der Siedlungsstruktur sind die Geschäftshäuser im Zentrum Marxlohs (um das sog. „Pollmannkreuz“) und eine überwiegend drei- bis viergeschossige Bebauung mit vielen Gründerzeitgebäuden. Siedlungsteile des ehemaligen Werkswohnungsbaus prägen einige Straßenzüge in den Randbereichen. Im Bereich des östlich gelegenen "Jubiläumshains" bestimmt eine aufgelockerte Bebauung das Bild.

Mit 46,2 % der Gesamtfläche überwiegt die gewerblich-industrielle Nutzung. Der Anteil der Grün- und Wohnflächen im Stadtteil liegt nur bei 15,4 % bzw. 9,3 %. Marxloh ist zweiseitig von Werksgeländen der Schwerindustrie umschlossen und so – obwohl nur wenige hundert Meter entfernt – vom Rhein abgeschnitten. Außerdem wird der Stadtteil durch die Duisburger Stadtautobahn A 59 sichtbar geteilt.

Problematisch für Marxloh bleiben die hohen Umweltbelastungen durch die Emissionen der angrenzenden Produktionsstätten.

Durch den Bedeutungsverlust als Einzelhandelsstandort und die Rationalisierungsmaßnahmen in den umliegenden Montanbetrieben gingen allein in den 90er Jahren über 6.000 Arbeitsplätze verloren. Dies hatte eine starke Abwanderung junger Arbeitskräfte, zunehmende Kaufkraftverluste und einen verstärkten Wandel in der Bevölkerungsstruktur zur Folge. Auf einer Fläche von ca. 760 ha leben heute ca. 17.300 Einwohner. Der Anteil der Migranten an der Bevölkerung liegt bei knapp 60 %.

Potenziale und Handlungsansätze

Nur durch die frühzeitigen Bemühungen der Stadt Duisburg um eine Erneuerung des Stadtteils konnten die heute erreichten Ergebnisse, der Fundus an langjährigen Erfahrungen und ein vertrautes Miteinander der Akteure entstehen. Besonderheit in Marxloh war die Auswahl als "URBAN-Stadtteil", wodurch die Stadtteilarbeit in der Zeit von 1995 bis 1999 eine bedeutsame Unterstützung insbesondere in finanzieller Hinsicht erfuhr.

Einer der wichtigsten Zugänge zur Erneuerung des Stadtteils war die Lokale Ökonomie. Ein wenn auch unzulänglicher Ausgleich der Arbeitsplatzverluste konnte dabei durch die vermehrt in Marxloh ansässigen von Migranten geführten Betriebe erzielt werden. Die zugewanderten Marxloher, ihre Unternehmen und ihre Selbstorganisationen haben sich zu wichtigen Partnern im Stadtteilerneuerungsprozess entwickelt.

Die Lokale Ökonomie und hier insbesondere die „Hochzeitsmeile“, ein deutschlandweit bekanntes Cluster von Geschäften mit Hochzeits- und Abendmoden, zieht mittlerweile Einkäufer aus dem gesamten Ruhrgebiet und dem nahen Ausland nach Marxloh.

Erhebliche Besucherströme werden auch durch die Moschee mit integrierter Begegnungsstätte nach Marxloh gelenkt. Seit der Eröffnung im Herbst 2008 wurden 150.000 Besucher gezählt. Dieses touristische Potenzial soll verstärkt für die wirtschaftliche Entwicklung genutzt werden und das Image des Ortsteils positiv prägen.

Organisation und Lokale Partner
Kooperation im Stadtteil (Quelle: EG DU, 2003) Kooperation im Stadtteil (Quelle: EG DU, 2003)

Die Steuerung der Erneuerungsaktivitäten erfolgt in Duisburg seit 1999 zentral durch die EG DU Entwicklungsgesellschaft Duisburg mbH, eine eigenständige, zu 50 % städtische Tochtergesellschaft (50 %ige Gesellschafterin ist seit 2009 die Bürgerstiftung Duisburg gAG). Sie führt die Arbeit der bisher im Stadtteil tätigen Entwicklungsgesellschaft Duisburg-Marxloh (EGM) sowie in Teilen des ehemaligen Stadtteilprojektes Marxloh weiter. Ein Stadtteilbüro bildet die Anlaufstelle vor Ort und koordiniert insbesondere die Beteiligungsmaßnahmen.

 

Chronologie der Erneuerung
Lokale Ökonomie: Hochzeits- und Abendmoden Lokale Ökonomie: Hochzeits- und Abendmoden

Im Rahmen des Integrierten Handlungsprogramms wurden eine Vielzahl von Projekten entwickelt und erhebliche Veränderungen und Erfolge im Stadtteil erzielt. Einige ausgewählte Projekte waren/sind:

  • Stadterneuerung:
    Neugestaltung des August-Bebel-Platzes, Umbau der Weseler Straße, Umbau des Bunkers Johannismarkt, Umbau denkmalgeschützter Siedlungshäuser als Kindergarten und Wohneinrichtung für Jugendliche in der Schwartzkopfstraße, Ortsteilzentrum Schwelgern mit Cafe, Seminarräumen und Sportlehrgangsstätte
  • Wohnen, Wohnumfeld, Ökologie:
    Nahezu 500 Fassadengestaltungen, Sonderprogramm Pollmannkreuz, gewerbliches Fassadenprogramm, Neubaugebiet Bertramstraße, Umgestaltung und Neubau von Spielplätzen und Parkanlagen, Schulhofumgestaltungen Verbesserung der Umweltsituation durch Bau der Umgehungsstraße und Verkehrsentlastung des Wohnbereichs, Gestaltung der Fußwegeverbindung "Wolfsbahntrasse" als Skulpturenweg (u.a. „Skulptur des Dialogs”), Programm "500 Bäume für Marxloh", Umsetzung des "Hausbrandfonds" (Heizungsumstellung)
  • Beschäftigung und Qualifizierung:
    Ausbau des Warbruckshofs als Beschäftigungs- und Qualifizierungszentrum; zahlreiche Maßnahmen im gewerblichen und sozialen Bereich, seit dem 1.1.1999 unter Federführung der GfB (Gemeinnützige Gesellschaft für Beschäftigungsförderung mbH), Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekte z. T. in Kooperation mit dem kath. Bildungsträger Werkkiste u. a. bei Projekten im Rahmen von E&C, Stärken vor Ort SvO, Jump+ etc.
  • Sozialstruktur und soziale Infrastruktur:
    Umbau der Jugendeinrichtungen "Jugend- und Kulturzentrum Kiebitz" und "Regionalzentrum Nord", zusätzliche Dienstleistungen: u. a. Schulsozialarbeit, Spielmobil, Bildungsmaßnahmen (Schulabschlusskurse, Sprachförderung in Kindergärten), Gründung der Elterninitiative "Elif". Denkmalgerechte Wiederherstellung der ev. Kirche als Kultureinrichtung für den Stadtteil, Neubau der Begegnungsstätte in der Moschee, Checkpoint Marxloh im „Medienbunker Johannismarkt“
  • Kulturelle und interkulturelle Arbeit:
    Zusammenarbeit mit Kultur- und Moscheevereinen, Kirchengemeinden. Vernetzung der Kulturinstitutionen im Stadtteil, Kulturveranstaltungen und -Projekte wie die jährliche Veranstaltungsreihe „Kultur in Marxloh“, zweisprachige Jugendzeitung „ibibik“, integratives Theater im Kiebitz, Veranstaltungen zum interkulturellen Dialog (z. B. Ausstellung „Weltethos“), Veranstaltungen im Rahmen der „Duisburger Akzente“, u. a. Ausstellung „Heiraten a la turca“
  • Lokale Ökonomie:
    Betrieb eines Büros für Wirtschaftsentwicklung, Unterstützung bei der Gründung des türkischen Unternehmerverbandes TIAD, Marxloh-CD-ROM mit Informationen zum Ortsteil, Entwicklung und Vermarktung des neu erschlossenen Gewerbegebietes Willy-Brandt-Ring. Zusammenschluss von Mietern, Gewerbetreibenden und Hauseigentümern zur Revitalisierung der Kaiser-Wilhelm-Straße unter dem Motto "Kaiser-Wilhelm-Straße International" und „Internationales Handelszentrum IHZ“, Projekte wie „AiS Ausbilden im Stadtteil“ und „LÖM Lokale Ökonomie Marxloh“, „Kreativ Quartier“ im Rahmen der Kuturhauptstadt Ruhr 2010 mit verschiedenen Projekten
  • Öffentlichkeitsarbeit und Bewohnerbeteiligung:
    Informationsveranstaltungen, Stadtteilrundfahrten/ -gänge, Bürgerinformation, erweiterte Bürgerbeteiligung bei Planungsprozessen, insbesondere Kinderbeteiligung, jährliche Stadtteilveranstaltungen (z. B. Stadtteilfest "Marxloh lädt ein ...", Stadionfest, Weihnachtsbasar der Vereine) 2001, 2003 und 2005 wurden Projekte mit dem Robert-Jungk-Preis ausgezeichnet, 2005 erhielt die Initiaitve „Gül Hane Elise“ den Preis Soziale Stadt

Meilensteine und Projektbeispiele
1985
Beginn der Umsetzung des "Stadterneuerungsprogramms Marxloh"
1991
"Sonderprogramm zur Stadtentwicklung Hamborn/ Marxloh" (im Rahmen des Programms "Duisburg 2000")
1993
"Modell für ein ressortübergreifendes Handeln zur Verbesserung der Wohn- und Arbeitssituation in Marxloh"
Ende 1993
Aufnahme des Stadtteils in das Landesprogramm für Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf
1994
Gründung des "Projekts Marxloh" bestehend aus der Entwicklungsgesellschaft Duisburg-Marxloh (EGM) als Sanierungsträger und dem Stadtteilprojekt Marxloh als Beschäftigungs- und Qualifizierungsträger; Einrichtung eines Bürgerbüros im Stadtteil
1995
Aufnahme des Stadtteils Marxloh in das europäische Förderprogramm URBAN (für einen Zeitraum von fünf Jahren)
1999
Gründung der EG DU Entwicklungsgesellschaft Duisburg mbH (EGM und Teile des Stadtteilprojektes Marxloh gingen hierin auf)

IBA-Abschlussveranstaltung

2001
Schwelgern lebt – Eröffnung des Kiosk im Schwelgernpark durch die Bürgerinitiative „Freunde des Schwelgernparks“
2002
Start des Projektes „Die Kaiser-Wilhelm-Straße ist international“ mit den Folgeprojekten „Internationales Handelszentrum IHZ“ und aktuell „LÖM – Lokale Ökonomie Marxloh“
2004
Beginn der Projekte „Begegnungsstätte in der Moschee“ und „Gül Hane Elise – Ein Rosengarten für Marxloh“

Eröffnung der denkmalgerecht erneuerten Kreuzeskirche als Gebets- und Kulturraum

2006
Eröffnung der Open Air-Bühne „Piazza“ in der Kaiser-Wilhelm-Straße
2008
Eröffnung der „Begegnungsstätte unter der Kuppel“ (Moschee)

Eröffnung der Räumlichkeiten im Medienbunker Marxloh

2010
Fertigstellung der Multisportanlage Schwelgernpark
Perspektiven
Ideenwerkstatt Kaiser-Wilhelm-Straße Ideenwerkstatt Kaiser-Wilhelm-Straße

Die im Jahr 2003 in Betrieb genommene neue Kokerei hat eine große Bedeutung für die Menschen in Marxloh. Sie steht für moderne Technologie, für das Fortbestehen von Arbeitsplätzen und für einen deutlichen Rückgang der Schadstoffemissionen. Die durchgeführten Stadterneuerungsmaßnahmen, wie z.B. der Umbau der Weseler Straße und die Sanierung der altehrwürdigen Gebäude am Pollmannkreuz tragen weithin sichtbar zu einem attraktiven Stadtbild bei. Es lohnt sich wieder, in Marxloh zu investieren – eine A, die vielerorts zu erkennen ist.

Neben Neu- und Umbaumaßnahmen, zahlreichen Fassadengestaltungen und neuen Geschäftseröffnungen sind vor allem die vielen bürgerschaftlich getragenen Erneuerungsaktivitäten unübersehbar. Die Menschen in Marxloh – Deutsche und Nichtdeutsche – schließen sich zusammen, um an der Realisierung gemeinsamer Interessen zu arbeiten. Von besonderer Bedeutung hierbei sind die von der EG DU begleiteten Projekte zum Umbau des Schwelgern-Parks, der Kaiser-Wilhelm-Straße und die Begegnungsstätte in der Moschee.

Im Rahmen der Verstetigungsdiskussion im Stadtteil ist für das Frühjahr 2010 eine Konferenz mit Vertretern aller relevanten Akteure geplant. Hier sollen für den Folgeprozess Ziele festgelegt und Wege der bürgerschaftlich getragenen Umsetzung diskutiert werden.

 



 Ansprechpartner

Koordination Soziale Stadt

Brigitte Grandt
EG DU Entwicklungsgesellschaft
Duisburg mbH
Willy-Brandt-Ring 44
47169 Duisburg

Telefon: +49 (0)203 99429-10
Telefax: +49 (0)203 99429-11

E-Mail
bgrandt@eg-du.de
Website:
www.eg-du.de

EG DU-Stadtteilbüro Marxloh

Beate Gerhards
Willy-Brandt-Ring 44
47169 Duisburg

Telefon: +49 (0)203 994 9-50
Telefax: +49 (0)203 99429-56

E-Mail:
bgerhards@eg-du.de

Stand: März 2010
Brigitte Grandt, Hartmut Eichholz, EG DU Entwicklungsgesellschaft Duisburg mbH

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