Integrierte Enwicklungskonzepte

Gebietsbezogene integrierte Entwicklungskonzepte, auch Integrierte Handlungskonzepte genannt, stellen die nach BauGB und der Förderrichtlinien Stadterneuerung Nordrhein-Westfalen geforderte Grundlage zur Durchführung einer Gesamtmaßnahme Soziale Stadt NRW dar.

 
Grundsätzliche Definition
Ein integriertes Handlungskonzept ist ein mehrjähriges strategisches Entwicklungskonzept für einen funktional zusammenhängenden Stadtbereich, das auf der Basis einer Bestandsanalyse eine Gesamtstrategie sowie Umsetzungsziele benennt. Diese Strategie kann sich in mehrere Handlungsfelder aufgliedern und ist mit entsprechenden Maßnahmen zu unterfüttern. Die konkrete Umsetzung wird über einen Maßnahmen-, Kosten-, Finanzierungs- und Zeitplan dargestellt. In einem Integrierten Handlungskonzept werden alle für die Stadteilerneuerung relevanten Handlungsfelder einbezogen. Neben möglichen städtebaulichen Fragestellungen, Aspekten der Verkehrsführung oder notwendigen Gebäudemodernisierungen sind zum Beispiel auch die Lokale Ökonomie, Fragen der Gemeinwesenarbeit sowie der Bildungsinfrastruktur zu beleuchten.


Planungs- und Umsetzungskonzept, Kosten- und Finanzierungsübersicht, Zeitplan
Ein wesentlicher Bestandteil eines Integrierten Handlungskonzeptes ist ein sogenanntes Planungs- und Umsetzungskonzept inkl. einer Zeitplanung, das zielorientierte Lösungsansätze zur Erneuerung des jeweiligen Gebietes beschreibt. Ein Entwicklungskonzept soll dabei auch Aussagen treffen, welche Funktion das potenzielle Programmgebiet innerhalb einer Stadt mittelfristig (innerhalb von ca. 15 bis 20 Jahren) einnehmen kann. Es soll also die Frage beantworten, ob etwa eine Aufwertung hin zu einer grundlegenden Verbesserung der Lebenssituation oder aber eine soziale Stabilisierung in Verbindung mit der Sicherung von preisgünstigem Wohnraum stattfinden soll. Ein weiterer wichtiger Bestandteil eines Entwicklungskonzeptes ist die Kosten- und Finanzierungsübersicht, die darstellt, was die geplanten Maßnahmen voraussichtlich kosten werden und mit welchen Mitteln die Realisierung finanziert werden soll. Hierbei sind nicht nur die mit Städtebaufördermitteln finanzierten Maßnahmen darzustellen. Neben Maßnahmen, die mit weiteren Förderangeboten des Landes, des Bundes oder der EU finanziert werden, sollten auch Maßnahmen der Kommune und öffentlicher Träger der Wohlfahrtshilfe sowie privater Akteure dargestellt werden: Welche Mittel investiert die Kommune in den Rückbau einer Straße im Quartier, welche Angebote des Migrationsdienstes sind für die Programmziele relevant oder welches Wohnungsunternehmen investiert gerade in die Modernisierung seiner Wohnungsbestände im Stadtteil?


Erarbeitung unter Beteiligung gebietsbezogener Akteure
In Bezug auf die Beteiligung bedeutet der integrierte Ansatz, dass alle relevanten Akteure in den Planungs- und Umsetzungsprozess mit einzubinden sind. Hierdurch soll nicht nur eine Interessenwahrung gewährleistet werden, sondern auch eine Aktivierung zur Mitgestaltung des Stadtentwicklungsprozesses erwirkt werden. Das heißt, dass die Akteure nicht nur den Prozess der Konzeptentwicklung aktiv begleiten, sondern sich auch in der Umsetzung, evtl. sogar mit eigenen (finanzielle) Ressourcen, engagieren sollen.


Auf Fortschreibung ausgelegt
Die Entwicklungs- oder Handlungskonzepte werden prozessorientiert auf eine kontinuierliche Fortentwicklung angelegt, um auch in zeitlicher Hinsicht integriert zu handeln. Somit kann auf neue Entwicklungen reagiert werden. Durch die Erarbeitung eines Integrierten Handlungskonzeptes wird für alle beteiligten Akteure ein Rahmen geschaffen, der nachhaltige Interessenabstimmung und Planungssicherheit bietet.


Grundlage zur Förderung und Mittelvergabe
Vom Fördermittelgeber werden Entwicklungskonzepte eingefordert, um auf dieser Grundlage die Förder- und Realisierungsfähigkeit einer geplanten Soziale Stadt-Maßnahme insgesamt zu beurteilen. Sie bilden die Grundlage der Beratung der Intermag ‚Soziale Stadt‘, die städtebauliche Gesamtmaßnahmen für eine Förderung mit Mitteln der Sozialen Stadt und der NRW Ziel 2 Förderung empfiehlt.  Die kommunalpolitisch beschlossenen Entwicklungskonzepte bilden die Grundlage für den sogenannten Grundförderantrag, der den Rahmen der Städtebauförderung für den gesamten Umsetzungszeitraum bestimmt.

Im Überblick sind die wesentlichen Anforderungen an die Erarbeitung eines Integrierten Handlungskonzeptes wie folgt zu beschreiben:

  • Prozesshaftes Verfahren – auf Fortschreibung angelegt
  • Förderung auf Zeit (in der Regel für fünf bis sieben Jahre)
  • Konsensuale Erarbeitung – Einbezug aller relevanten Akteure
  • Ganzheitlicher, integrierter Planungsansatz – Einbezug aller relevanten Themen, interdisziplinäre Arbeitsweise, räumliche Staffelung (Ableitung der gebietsbezogenen Aussagen von einer gesamtstädtischen Perspektive), Einbeziehung aller Planungen und Maßnahmen auch des privaten Sektors
  • Konkreter Gebietsbezug – Gebietsabgrenzung
  • Leitbildformulierung, Zielbestimmung
  • Definition von Handlungsfeldern
  • Ableitung eines Maßnahmenkonzepts
  • Fokussierter Mitteleinsatz – Bündelung unterschiedlicher Finanzierungsquellen


Integrierte Handlungskonzepte in der Stadtentwicklung – Leitfaden für Planerinnen und Planer
Als Hilfestellung für Städte und Gemeinden hat das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen einen Leitfaden zur Erstellung integrierter Handlungskonzepte herausgegeben. Die Broschüre 'Integrierte Handlungskonzepte in der Stadtentwicklung – Leitfaden für Planerinnen und Planer' (PDF 10,5 MB) gibt Empfehlungen, Hinweise und Begründungen, definiert die wesentlichen Schritte zur Erstellung eines integrierten Handlungskonzepts und verweist auf gute Beispiele.

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