B.E.S.T. – Bürger-Engagement im Stadtteil

Gut 1.500 Bürger/-innen - auch viele Kinder und Jugendliche -, Stadtteilmitarbeiter/-innen, Wissenschaftler/-innen und Fachleute von Initiativen, Verbänden und Vereinen waren am 8. April 2005 zur B.E.S.T und damit zu einem bunten Tagesangebot an Diskussionsforen, Workshops und Darbietungen sowie zur großen Preisverleihung für die Gewinner des Imagewettbewerbs der Sozialen Stadt NRW gekommen.

Die turbulente Messe
rund um das „Bürger-Engagement im Stadtteil“ mit insgesamt 50 Infoständen, 15 Ausstellungen, 19 Filmen und 21 Musik-, Tanz- und Theateraufführungen machte eindrucksvoll sichtbar, dass sich Nordrhein-Westfalen in den bisherigen zwölf Jahren der Programmumsetzung der „Sozialen Stadt“ zu einer vielseitigen Ideenschmiede für Lösungsansätze im Rahmen integrierter Stadtteilkonzepte entwickelt hat.

Zu vielseitigen Gesprächen
luden die Themen Zusammenleben im Quartier, Image und Gestaltung des Wohnumfelds, Bildung, Gesundheit und Sicherheit, Integration und Sprachförderung, Wohnungsbau und Stadterneuerung, Kultur im Stadtteil, Beschäftigung und lokale Ökonomie ein.

Eine Vielzahl von Projekten und Arbeitgruppen aus Stadtteilen in NRW präsentierten sich mit Ausstellungen und Vorführungen und nutzten die Möglichkeit, sich über ihre Ziele und Praxiserfahrungen auszutauschen. Den ganzen Tag wurden Filme und Projektdokumentationen aus den Stadtteilen gezeigt.

Mitmachen!
Durch die gemeinsame Erstellung einer Messezeitung konnten die Teilnehmenden ihre Anregungen und Diskussions-ergebnisse festhalten und am Abend öffentlich präsentieren. Praktische Kreativ-Workshops zum Mitmachen rundeten das Programm ab.

Zum wissenschaftlichen Diskurs
über das Konzept und die bislang zwölfjährige Praxis des Programms Soziale Stadt lud am Nachmittag das Forum für Praxis und Wissenschaft ein. Mit Expertenvorträgen und anschließender Diskussion zwischen Wissenschaftler/-innen, städtischen Planer/-innen und betroffenen Bewohnergruppen wurden insbesondere die Themenbereiche Stadtteilimage und Innensicht der Bewohner/ -innen, Auswirkung sozialstaatlicher Reformen auf die Stadtteile, Integration und interkulturelles Zusammenleben sowie sozialräumliche Ungleichheiten in NRW erörtert.

Applaus und Anerkennung für preiswürdige Projekte
Anlässlich des Imagewettbewerbs der Sozialen Stadt NRW, ausgelobt durch die Landesregierung, wurden von dem damaligen Ministerpräsidenten Peer Steinbrück und dem damaligen Minister für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport, Michael Vesper, mehrere Projekte für ihr besonderes bürgerschaftliches Engagement und die gelungene Umsetzung kreativer und ungewöhnlicher Ideen im Stadtteil gewürdigt. Die Preisgelder waren mit insgesamt 45.000 Euro dotiert.

Den ersten Preis erhielt das Projekt „Gülhane Elise“ in Duisburg-Marxloh mit der Anlage eines Rosengartens zwischen einer christlichen Kirche und der neuen Moschee als symbolischen wie auch konkreten Ort der Begegnung. Weiterhin ausgezeichnet wurden die „Aktion Lichterwege“ sowie das „Fenster nach nebenan“ in Wuppertal-Ostersbaum, das Film-Projekt „East-End“ in Aachen-Ost, der Verkehrsverein „Zollverein Touristik“ in Essen-Katernberg, der Skulpturenpark „Industrie-Natur-Kunst“ in Gelsenkirchen-Bismarck, das Straßenprojekt „Nova Via“ in Gelsenkirchen-Südost und das „Haus für Familien im Stadtteil“ in Dortmund-Scharnhorst.

Einen Sonderpreis des Ministerpräsidenten über 5.000 Euro erhielten das Multimediaprojekt „Süd-West-ORIENTierung“ von kreativen Jugendlichen aller Nationalitäten und das internationale Migrantinnenforum „Café Global“ in Bergheim Süd-West.

B.E.S.T. - Forum für Praxis und Wissenschaft
Zum Informationsaustausch zwischen Praktiker/-innen und Forscher/-innen der Stadtentwicklungs-planung in NRW und betroffenen Laien aus den Stadtteilen wurde am Nachmittag das Forum für Praxis und Wissenschaft eröffnet. Um gemeinsam Empfehlungen für die Zukunft herauszuarbeiten, wurden zu den besprochenen Inhalten Arbeitgruppen gebildet.

Dr. Reinhard Aehnelt trug Forschungsergebnisse zum Thema „Stadtteilimage und Innensicht der Bewohnerinnen und Bewohner“ vor. In der an-schließenden Diskussion der Arbeitsgruppe um Herrn Dr. Aehnelt wurde u.a. die Frage thema-tisiert, welche Akteure das Image eines Stadtteils aktiv verändern können und welcher Maßnahmen es bedarf, um hier positive Akzente zu setzen. Zudem wurde die Wichtigkeit einer Früherkennung von Imageverlusten betont, z.B. durch die Beobachtung von entsprechenden Anzeichen der Unzufriedenheit im Stadtteil.

Dr. Warnfried Dettling sprach über sozial aktive Bürgerschaft und die Auswirkungen sozial-staatlicher Reformen. Die Arbeitsgruppe des Publizisten wies darauf hin, dass es für die zukünftige Entwicklung der Sozialen Stadt notwendig sei, engagierrte Bürger/-innen aus den Stadtteilen als „Motoren“ an wichtigen Knoten-punkten der innerstädtischen Dynamik in den Mittelpunkt zu stellen. Auch für Unternehmen mit sozialem Engagement gelte eine solche Schlüsselfunktion.

Prof. Dr. Ursula Boos-Nünning referierte zur These „Die Zukunft der Städte ist multi-ethnisch und interkulturell“. In der Arbeitsgruppe um Frau Prof. Dr. Boos-Nünning wurde festgehalten, dass es wichtig sei, Migrant/-innen in Zukunft verstärkt in gesellschaftliche Schlüsselpositionen zu bringen. Generell solle der Theorie des interkulturellen Zusammenlebens stärker als bisher die praktische Umsetzung durch geeignete Projekte in den Stadtteilen folgen.

Dr. Peter Strohmeier hielt einen Vortrag über soziale und räumliche Ungleichheiten in NRW. Er appellierte an die Teilnehmer/-innen des Forums, den Dialog insbesondere mit der Wirtschafts-förderung, Unternehmen, Bürgermeister/-innen und Politiker/-innen fortzuführen. Der Schwerpunkt der Handlungsfelder müsse auf Bildung und Integration gelegt werden. Dazu könnten Bildungskonferenzen in den Stadtteilen ein geeignetes Mittel sein.

Viel Bewegung in den Stadteilen (Fotograf: Jürgen Diemer)
Reger Austausch an den Stadtteilständen (Fotograf: Jürgen Diemer)
Eine Skulptur wird gemeinsam erstellt (Fotograf: Jürgen Diemer)
Bürger/-innen treffen Expert/-innen
  
Preisverleihung des Imagewettbewerbes (Fotograf: Jürgen Diemer)
Bürger/-innen feiern Bürger/-innen
 
Informationsaustausch
 
 
 
 
 
 
 
 
Diskussionsgruppe um Dr. Aehnelt (Fotograf: Jürgen Diemer)
Dr. Dettling mit Diskussionsgruppe (Fotograf: Jürgen Diemer)
Prof. Dr. Boos-Nünning mit Diskussionsgruppe (Fotograf: Jürgen Diemer)
Prof. Dr. Strohmeier mit Diskussionsgruppe (Fotograf: Jürgen Diemer)

 

Autorin: Stadt Essen, Geschäftsstelle Städtenetz Soziale Stadt NRW
Stand: August 2007

 

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