Netzwerke

Der Schlüsselbegriff der Sozialen Stadt ist ‚integriertes Handeln‘. Dieses erfordert oft neue Arbeitsformen und -strukturen und stellt besondere Anforderungen an alle Beteiligten, welche ebenen- und fachübergreifend zusammenarbeiten müssen. Zudem erfordert die notwendige Mittelakquise sehr gute Kenntnisse der Förderlandschaft und der entsprechenden Regularien, die so nicht zwangsläufig in jeder Kommune vorhanden sind.

Leistungsfähige, vertrauensvolle Kooperationen erhalten damit eine immer höhere Bedeutung für eine erfolgreiche Entwicklung, Umsetzung und Finanzierung integrierter Stadt(teil)erneuerung.

Vor diesem Hintergrund kommt nicht nur der Vernetzung auf Stadtteil- und kommunaler Ebene, sondern auch stadtübergreifenden Netzwerken in der Sozialen Stadt eine besondere Bedeutung zu. Sie bieten Plattformen für den Erfahrungsaustausch der beteiligten Akteure und ermöglichen so ein gegenseitiges Lernen von den Erfahrungen und Strategien aus anderen Programmstadtteilen. Zudem sind sie Sprachrohr ihrer Mitglieder in der Öffentlichkeit und können als Multiplikatoren die Belange der Programmakteure gegenüber der Öffentlichkeit wie auch der Landes- und Bundespolitik kommunizieren, aber umgekehrt auch Informationen in ihrem Mitgliederkreis streuen.

Neben Netzwerken, die explizit mit der Sozialen Stadt verknüpft sind, existieren weitere Plattformen, die sich unterschiedlichsten Themen der Stadtentwicklung widmen und somit auch wertvolle Unterstützung in bestimmten Handlungsfeldern der Sozialen Stadt bieten können.

Im Folgenden wird am Beispiel einiger Netzwerke erläutert, welchen Nutzen eine Vernetzung der Akteure integrierter Stadt(teil)erneuerung bietet:

 
 
Städtenetz Soziale Stadt NRW
Im Städtenetz Soziale Stadt NRW sind derzeit 36 Kommunen vertreten (darunter auch einige, deren Förderung bereits ausgelaufen ist). Diese sind:

Mitgliedsstädte

Ehemalige Mitgliedsstädte

 
Organisation

Die Initiative zur Gründung entstand 1994 aufgrund einer Reihe von praktischen Fragen zur Konzeption und Umsetzung integrierter Handlungsprogramme in den Städten. Seit 1999 bestehen formelle Kooperationsbeziehungen zwischen den Städten.

Darüber hinaus sind Institutionen aus dem Bereich von Wissenschaft und Beratung sowie intermediäre Einrichtungen, als bundesweit tätige Einrichtung auch das DIFU, ständige Teilnehmer.

Das Städtenetz ist angebunden an den Städtetag NRW. Ebenso steht das Netzwerk in regelmäßigem Kontakt zu den Landesministerien, speziell dem federführenden Bauministerium sowie zu den Bezirksregierungen in NRW. Eine im April 2003 unterzeichnete Kooperationsvereinbarung zwischen dem damaligen MSWKS und dem Städtenetz bildet die Basis der gemeinsamen Arbeit.

Zwei Sprecher vertreten das Netzwerk nach außen. Dies sind Stefan Schwarz, Fachbereichsleiter Stadterneuerung und Bodenmanagement, Stadt Essen und Carsten Tum, Stadtentwicklungsdezernent der Stadt Duisburg. Ein Beirat, der aus Vertretern der Städte gebildet wird, regelt die grundsätzlichen Fragen der Zusammenarbeit, der Mittelverwendung sowie des Arbeitsprogramms.

 
Finanzierung
Die Geschäftsstelle hat ihren Sitz in Essen. Mit Kostenbeiträgen der Kommunen sowie einer Landesförderung werden die Kosten der Geschäftsstelle (Essen) sowie konkreter gemeinsamer Projekte abgedeckt.

 
Zielsetzung und Aufgaben
Das Städtenetz Soziale Stadt NRW leistet einen interdisziplinären Wissens- und Informationsaustausch, gibt Impulse für die Projektarbeit und -förderung vor Ort. So bietet es den kurzen Draht zwischen all denen, die an ähnlichen Fragestellungen arbeiten:

  • Stadtteilkoordinatoren
  • kommunale Verwaltungen und ihre Kooperationspartner in den Stadtteilen
  • renommierte Institutionen aus dem Bereich von Wissenschaft und Beratung

Auf vielfältige Weise finden Zusammenarbeit und Austausch statt – so entsteht eine große Informationsdichte in offener Gesprächsatmosphäre:

  • regelmäßige Treffen und Sitzungen
  • Intranetplattform www.staedtenetz-nrw.de
  • eigene Publikationen
  • Durchführung von gemeinsamen Vorhaben (z. B. Seminare, Fortbildungsveranstaltungen, Workshops, Tagungen, Studienfahrten und andere Veranstaltungen).
  • Messe B.E.S.T. – Bürger-Engagement im Stadtteil
    Foto: Kindergruppe auf der BühneAls besonderes Dankeschön des Städtenetzes Soziale Stadt NRW für das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern in den Stadtteilen veranstaltete das Netzwerk am 8. April 2005 im Wissenschaftspark Gelsenkirchen die Messe B.E.S.T. [mehr]

     

  • Veranstaltung StadtteilLeben - active cities in NRW and Europe in 2011 [mehr]

 
Im Vordergrund steht die Absicht, die Suche nach sinnvollen Lösungen für Aufgaben der "Sozialen Stadt" für kommunale Mitarbeiter und Stadtteilmanager zu vereinfachen, Wissen zu bündeln und zu transferieren. Häufig geht es dabei um folgende Themen:

  • Bürgerbeteiligung und -aktivierung
  • Herstellung lokaler Öffentlichkeit
  • Einbindung der Institutionen in den Stadtteil
  • Förderung der lokalen Ökonomie
  • Gender Mainstreaming
  • Beschäftigung und Qualifizierung
  • Schule, Kultur und interkulturelles Zusammenleben
  • Organisation, Finanzierung und Management von Stadtteilprojekten
  • Wohnungs- und Städtebau
  • Prävention in den Bereichen Sicherheit und Gesundheit
  • Stadtteilmarketing und Imageaufwertung
  • Methoden und Instrumentarien zur effektiven Verknüpfung unterschiedlicher Sachebenen

Das Städtenetz Soziale Stadt NRW trägt wesentlich dazu bei, dem Thema ‚Integrierte Stadtteilentwicklung / Soziale Stadt‘ mehr Öffentlichkeit zu verschaffen, nicht zuletzt, um eine aktive Unterstützung aus der Politik zu erhalten. Derzeit bietet das Städtenetz auch Beratungsleistungen für Kommunen, die sich um eine Neuaufnahme in das Programm bewerben wollen.

 
Evaluation
Zusätzlich wird die Arbeit in den Stadtteilen durch systematische Analysen, Zielfindung und Evaluation weiter optimiert und professionalisiert. In praxisbezogener Forschungsarbeit entsteht dabei eine Fülle gebietsbezogener Kenntnisse und Informationen, die gleichermaßen im lokalen Bezug wie in überregionaler Betrachtung eingesetzt werden können.

Das Städtenetz Soziale Stadt ist auch Auftraggeber für die landesweite Evaluierung in der Sozialen Stadt, die derzeit in weiteren Bausteinen noch fortgeführt wird.

Ansprechpartner

 
 
URBACT II RegGov / NRW Fit für Europa
Das thematische Netzwerk ‚Regional Governance of Sustainable Integrated Neighbourhood Renewal‘ (RegGov) ist eines von derzeit 28 durch die EU geförderten thematischen URBACT II-Netzwerken. Das URBACT II-Programm zielt auf den europaweiten Austausch von Erfahrungen in  der integrierten Stadterneuerung.

Das RegGov-Netzwerk (mit der Stadt Duisburg als so genanntem ‚Lead Partner’) hat das Ziel, allen regionalen und lokalen Akteuren Wissen und Ansätze zur Entwicklung und Umsetzung integrierter und nachhaltiger Strategien zur Stadtteilerneuerung bereitzustellen. Zudem wird mit dem Projekt eine enge horizontale und vertikale Kooperation angestrebt, die für eine erfolgreiche, langfristige und nachhaltige Stadtteilerneuerung notwendig ist.
Im RegGov-Netzwerk arbeiten derzeit neun Städte zusammen:

  • Athen-Halandri, Griechenland
  • Budapest-Köbanya, Ungarn
  • Duisburg, Deutschland
  • Nijmegen, Niederlande
  • Nyíregyháza, Ungarn
  • Ruda Śląska, Polen
  • Satu Mare, Rumänien
  • Siracusa, Italien
  • Södertälje, Schweden

Im Rahmen des RegGov-Netzwerks entwickelt jede der vertretenen Städte unter Beteiligung der lokalen Akteure einen integrierten lokalen Aktionsplan für mindestens einen benachteiligten Stadtteil. Dabei stehen die einzelnen Städte vor sehr unterschiedlichen Herausforderungen und haben auch entsprechende Erwartungen an das Netzwerk. Daher wurde die Arbeit im RegGov-Netzwerk gegliedert: in thematische Seminare mit Fragestellungen, die für alle Städte gleichermaßen interessant sind, und in ‚Cluster‘, in denen jeweils vier bis sechs Städte zu speziellen, für sie aktuell relevanten Fragestellungen arbeiten.

Zudem ist das RegGov-Netzwerk in verschiedene horizontale und vertikale Strukturen eingebettet, so dass alle relevanten Ebenen in die Programmentwicklung und Umsetzung einbezogen sind. Beispielsweise sind die nationalen Ministerien, die Städte, aber auch lokale Partnerschaften von privaten Akteuren und lokalen Entscheidungsträgern, die über sogenannte ‚Local Support Groups‘ (Mitgestaltungsgremien) in das Netzwerk einbezogen.

Damit möglichst viele nordrhein-westfälische Programmstädte vom europaweiten Erfahrungsaustausch des URBACT II RegGov-Netzwerks profitieren, haben die Stadt Duisburg und das Bauministerium des ‚NRW Fit für Europa’ aufgelegt und dazu eine Koordinierungsstelle in Duisburg  eingerichtet. . Das Städtenetz beteiligt sich finanziell und unterstützt dieses Programm durch Mitwirkung in Gremien und Veranstaltungen. Dabei sollen durch eine breite Lern- und Austauschplattform Arbeitsinhalte und Ergebnisse des europäischen RegGov-Netzwerks für die nordrhein-westfälischen Städte nutzbar gemacht werden.

Denn von der Nutzung europäischer Finanzmittel sowie einer guten Vernetzung und aktiven Teilnahme an Diskussionsprozessen auf europäischer Ebene können Land und Kommunen gleichermaßen profitieren. Jeder Blick über den eigenen Tellerrand eröffnet neue Perspektiven und damit die Chance auf Innovation.

Aufgabe der Koordinierungsstelle ‚NRW Fit für Europa‘ ist die Unterstützung der Städte bei der Nutzung der Chancen, die sich aus der europäischen Kohäsionspolitik ergeben. Dies geschieht auf mehreren Ebenen: Zunächst soll die Anbindung der Städte an europäische Netzwerke optimiert werden. Die Städte sollen in den europäischen Diskurs eingebunden und für ein konstruktives Engagement qualifiziert werden. In diesem Zusammenhang werden Materialien für die Praxis aufbereitet und Workshops durchgeführt.

Ebenso wichtig wie die Information und Unterstützung der Städte ist die Profilierung Nordrhein-Westfalens auf europäischer Ebene. Denn das Land verfügt über jahrelange Erfahrungen in der integrierten Stadtentwicklung. Deshalb ist es auch ein Ziel, mit der Netzwerkarbeit und englischsprachigen Informationen die nordrhein-westfälische Erfahrungen und gute Praxisbeispiele in Europa bekannt zu machen. Die Arbeit des RegGov-Netzwerks hilft nicht nur Städten bei der Implementierung ihrer Handlungsansätze integrierter Stadtentwicklung.  In der Debatte um die Ausgestaltung zukünftiger Förderinstrumente und die Mittelverteilung gibt ebenso Nordrhein-Westfalens eine Stimme.

Weitere Informationen und Ansprechpartner

 
 
Weitere Netzwerke
Über die beschriebenen Kooperationen hinaus existiert eine Vielzahl weiterer Netzwerke. Sie bieten ihren Mitgliedern fachlichen Austausch sowie Hilfestellungen zu spezifischen Fragestellungen und Themenfeldern der Stadtentwicklung und -erneuerung. Dazu zählen etwa:

  • Arbeitsgemeinschaften Historische Stadt- und Ortskerne in NRW
  • Forum Baulandmanagement NRW
  • Innovationsagentur Stadtumbau NRW
  • Netzwerk Innenstadt NRW
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