Gebietstypen

Die Problematik benachteiligter Stadtteile beschränkt sich nicht (mehr) auf bestimmte Gebietstypen. Allerdings lassen sich einige Grundzüge oder Gebietscharakteristika benennen, die gehäuft auftreten:


Gemischte Wohn- und Arbeiterquartiere entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Zuge der Industrialisierung. Meist liegen sie in räumlicher Nähe großer Industriebetriebe (wie z. B. Essen Altendorf). Weitere Merkmale sind häufig:

  • Innenstadtnahe Lage
  •  mangelhafte Infrastruktureinrichtungen
  • dichte Bebauung
  • geringer Freiflächenanteil

Hierzu zählen auch Siedlungen des Zechen- und Werkswohnungsbaus, denen ein einheitliches Bebauungskonzept zu Grunde liegt. Diesem Gebietscharakter entspricht z. B. die Zechensiedlung Lohberg in Dinslaken.
 

Monofunktionale große Wohnsiedlungen entstanden zumeist in den späten 1960er bzw. frühen 1970er Jahren als Versuch, das bestehende Wohnungsdefizit zu beseitigen. Die staatliche Förderung des Sozialen Wohnungsbaus sollte einem Großteil der Bevölkerung preisgünstiges und modernes Wohnen ermöglichen. Weitere Merkmale sind:

  • Lage innerstädtisch oder auf der ‚Grünen Wiese‘
  • Monofunktionalität Wohnen – kaum Infrastruktureinrichtungen und Arbeitsplätze
  • Häufig mangelhafte Freiraumgestaltung

Typische Beispiele sind die Siedlungen Dortmund-Clarenberg und Köln-Chorweiler.
 
 
Wohnsiedlungen der 1930er, 1950er und 1960er Jahre: Dies sind Wohnsiedlungen, die in der unmittelbaren Nachkriegszeit schnell und in einfacher Qualität zur Milderung der Wohnungsnot errichtet wurden. Sie zeichnen sich oft durch nicht mehr zeitgemäße Wohnungsgrundrisse aus. Die üppigen Grünräume zwischen den Gebäuden sind zu reinen Abstandsflächen verkommen. Dieser Siedlungstypus findet sich nahezu überall in Nordrhein-Westfalen, so dass auch zunehmend kleinere Kommunen Gebiete dieses Typus für das Programm anmelden. Beispiele sind Gebiete in Baesweiler oder Brühl.

Merkmale dieser Gebiete sind häufig

  • kleinteilige Bebauung in Zeilenbauweise
  • überalterter Bestand mit energetischen Sanierungsbedarf
  • nicht mehr zeitgemäße Wohnungsgrundrisse


 
Und natürlich gibt es auch ‚Mischformen‘, also städtische Räume mit unterschiedlichen Bebauungsstrukturen. Hierzu zählen u. a. Gebiete, in denen ehemalige Blockstrukturen nach Kriegsschäden und/oder Teilsanierung großflächig neu bebaut oder erweitert wurden. Teilweise haben hier provisorische Einfachsiedlungen der unmittelbaren Nachkriegszeit die Jahrzehnte überdauert. Diese Quartiere weisen oft Teilbereiche mit besonderen Problemen auf, anhand derer sie tendenziell einem der beiden oben genannten Gebietstypen zugeordnet werden können. Ein Beispiel hierfür ist der Stadtteil Düren Süd-Ost.

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