Bielefeld Sennestadt
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Gebietscharakter und Ausgangslage

Die Sennestadt wurde südöstlich von Bielefeld, jenseits des Teutoburger Waldes auf den Flächen der damaligen Gemeinde Senne II, als Reaktion auf den akuten Wohnungsmangel der Nachkriegszeit und die erforderliche Ansiedlung von Flüchtlingen errichtet. Unter dem Architekten und Stadtplaner Hans Bernhard Reichow ab 1954 im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbes geplant und ab 1957 errichtet, galt sie schon bald als internationale Modellstadt moderner Architektur und zeitgenössischen Städtebaus der 1950er und 1960er Jahre. Bis heute steht die Weiterentwicklung der Sennestadt in einem Spannungsverhältnis zwischen dem Erhalt des städtebaulichen Konzeptes und der Öffnung für neue Anforderungen.

Das Stadterneuerungsgebiet umfasst den Siedlungskern der Sennestadt und hat eine Größe von 340 ha. Die Einwohnerzahl liegt im Jahr 2010 bei 14.200.

Das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept Sennestadt (INSEK Stadtumbau Sennestadt) zeigt sowohl im demografischen als auch im wirtschaftlichen Bereich erhöhten Handlungsbedarf, räumlich konzentriert im Siedlungskern der Sennestadt. Eine Analyse von verschiedenen sozioökonomischen Indikatoren ergab für die Sennestadt im Bielefelder Vergleich einen Befund mit überdurchschnittlich hohen Werten in Bezug auf Überalterung, Einwohneranteil mit Migrationshintergrund, Arbeitslosigkeit und geringen Einkommen. Die Sennestadt wird demnach zunehmend durch soziale, ethnische und demografische Segregationstendenzen geprägt.

Abrenzung des Stadtumbaugebietes Sennestadt (Klick zum vergrößern) Abrenzung des Stadtumbaugebietes Sennestadt (Klick zum vergrößern)

In Verbindung mit teilweise nicht mehr zeitgemäßen Wohnungsgrundrissen und alternden Baustrukturen (insbesondere in der Südstadt und in den Randbereichen) und nicht zuletzt wegen der weiten Entfernung zur Innenstadt Bielefelds verliert die Sennestadt zunehmend an Attraktivität, Image und Einwohnern. Der Bevölkerungsrückgang war vor allem in den letzten Jahren überdurchschnittlich hoch. Insbesondere im Bereich der Südstadt gab es von 1994 bis 2005 zum Teil über 10 % Bevölkerungsverluste - ein auch im gesamtstädtischen Vergleich hoher Wert. Erste öffentliche Infrastruktureinrichtungen müssen aufgrund der Einwohnerverluste bereits geschlossen werden.

Zentrum (Klick zum vergrößern) Zentrum (Klick zum vergrößern)

Einen besonderen Handlungsschwerpunkt bildet das ausgedehnte Stadtteilzentrum, das mit seinem kleinteiligen Ladenbesatz in Gebäuden der 1950er und 1960er Jahre seine Funktion verloren hat. Eine hohe Fluktuation von Ladenmietern, Ladenleerständen und Downgrading sind die Folge. Die im Stadtteilzentrum feststellbaren Funktionsverluste betreffen ebenso die kleinen Nebenzentren und Flächenangebote an der Rheinallee, der Elbeallee und in der Südstadt. Die Funktion des Stadtbezirkszentrums kann in der Sennestadt nur noch in Teilen gewährleistet werden.

Potenziale und Handlungsansätze

Die Sennestadt, zum Zeitpunkt ihrer Entstehung ein beispielhaftes modernes und qualitätvolles Wohn- und Siedlungsmodell, kann fünfzig Jahre nach dem Bezug der ersten Wohnung in der Sennestadt wieder zum Prototyp für die anstehenden Maßnahmen der Stadterneuerung werden und damit eine Wirkung über die Stadt Bielefeld hinaus entfalten. Dies erfordert eine modellhafte Weiterentwicklung der städtebaulichen Strukturen und des architektonischen Bestandes unter heutigen und zukünftigen sozialen, funktionalen und ökologischen Anforderungen.


Erste Ansätze im Wohnungsbestand

Bei einzelnen Wohnungsunternehmen gibt es bereits konkrete Maßnahmen, um die Wohnungsbestände attraktiver zu gestalten. Die laufenden Instandsetzungs- und Modernisierungsarbeiten in den Beständen sind bei differenzierten Ausgangslagen in den Teilgebieten der Sennestadt unterschiedlich erfolgreich. In Teilgebieten besteht im Wohnumfeld und bei der Gebäudesubstanz deutlicher Handlungsbedarf, z. T. auch mit Rückbauüberlegungen.


Integriertes Vorgehen – erweiterter Fokus

Die Bandbreite der Themen und die Vielzahl von Stadtteilakteuren macht jedoch eine integrierte Vorgehensweise für die Zukunft der Sennestadt zwingend erforderlich. Es gilt, im gemeinsamen Handeln von Stadt und Stadtteilakteuren weitere Maßnahmen zu aktivieren und diese in ein abgestimmtes Gesamtkonzept einzuordnen.

Die Aufmerksamkeit der Akteure muss sich auch auf die konkreten Umbau- und Rückbauerfordernisse richten, die im öffentlichen Interesse liegen und zu einer nachhaltigen Anpassung der Sennestadt an die veränderten demografischen und wirtschaftsstrukturellen Verhältnisse führen. Dazu zählen als Maßnahmen die städtebauliche Neuordnung, Wieder- und Zwischennutzung von Brachflächen bzw. mindergenutzten Flächen und Gebäuden.


Leitbild: Stadtlandschaft

Ein wichtiges Themenfeld in der Sennestadt ist das der „Anpassung“, welches die behutsame Überleitung des Reichowschen Konzepts in das 21. Jahrhundert anvisiert. Diese spiegelt sich in der Sennestadt insbesondere an den Verbesserungen der Nutzungs- und Gestaltungsqualität der öffentlichen Räume (insbesondere innerhalb des grünen Rückgrates der Sennestadt), des Wohnumfelds und der privaten Wege- und Freiflächen. Dieses ist aufgrund der besonderen Bedeutung des Themenfeldes „Stadtlandschaft“ mit einer erhöhten Aufmerksamkeit zu bearbeiten. Die Qualität der öffentlichen Grünräume bestimmt maßgeblich das Selbstbild der Sennestädter Bevölkerung von ihrem Stadtteil. Hier anzusetzen bietet die Chance, schnell einen umfassenden Erneuerungsprozess in der Sennestadt mit öffentlicher Aufmerksamkeit einleiten und eine breite Akzeptanz bei der Bevölkerung für die notwendigen Veränderungen in der Sennestadt erzielen zu können.

Organisation und Lokale Partner

In den Prozess der Vorbereitung, Erarbeitung und Umsetzung des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes für den Stadtteil Sennestadt wurden bereits sehr früh maßgebliche Akteure aus Institutionen im Stadtteil, Wohnungswirtschaft, Verwaltung, Politik, Stadtteilmanagement sowie weitere Projektträger und Bürger eingebunden. Ziel war es insbesondere im Rahmen des Leitbildprozesses, unter Beteiligung der Akteure die verschiedenen Erfahrungen und Sichtweisen kennenzulernen und zu einem neuen gemeinsamen Leitbild zusammenzuführen.

Im Zuge des Stadterneuerungsprozesses wurden in der Sennestadt verschiedene Steuerungsgremien bzw. Arbeitsgruppen gebildet. Zentrales Gremium des Stadterneuerungsprozesses ist der Steuerungskreis, der – besetzt mit Vertretern aus Wohnungswirtschaft, Sennestadtverein, Sennestadt GmbH, Bezirksvertretung, Verwaltung und Stadtteilmanagement – den Stadterneuerungsprozess begleitet und wichtige Stadterneuerungsmaßnahmen vorbereitet.

Die Verantwortung für die Umsetzung des integrierten städtebaulichen Handlungskonzepts liegt bei der Stadt Bielefeld im Fachbereich Gesamträumliche Planung und Stadtentwicklung. Für die Arbeit im Stadtteil vor Ort wurde im Herbst 2008 ein Stadtteilbüro eingerichtet.

 

Chronologie der Erneuerung – Meilensteine und Projektbeispiele
Nov 2005
Beschluss des Umwelt- und Stadtentwicklungsausschusses sowie des Rates der Stadt Bielefeld zur Erarbeitung eines integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes zum Stadtumbau Bielefeld
Juni 2007
Konstituierung des Steuerungskreises
Nov 2007
Beginn des kooperativen Leitbildprozesses mit thematischen Workshops
Apr 2008
Beschluss des Rates der Stadt Bielefeld über das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept Stadtumbau Bielefeld (ISEK Stadtumbau)

Aktionstag „Stadtumbau“ im Stadtteil

Okt 2008
Eröffnung des Stadtteilbüros im Sennestadt-Pavillon
Okt/Nov 2008
Beschluss über den Entwurf des integrierten Handlungskonzeptes Sennestadt (INSEK Stadtumbau Sennestadt) und Beauftragung der Verwaltung mit der Vorbereitung einer Organisations-, Prozess- und Beteiligungsstruktur zur Durchführung eines integrierten Stadterneuerungsprozesses
Feb/März 2009
Beteiligungsverfahren gem. § 171b Abs. 3 und § 171e Abs. 4 BauGB mit einer öffentlichen Informationsveranstaltung
Jan 2010
Baubeginn Sennestadtteich
Seit 2010
Einrichtung eines Verfügungsfonds
März/Apr 2010
Freiraumplanerischer Wettbewerb „Park- und Spiellandschaft Sennestadt“
Sept 2010
Beschluss des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept Stadtumbau Sennestadt (INSEK Stadtumbau Sennestadt) und Beschluss nach § 171 b Abs. 1 und § 171 e Abs. 3 Baugesetzbuch zur Festlegung des Stadtumbaugebiets und Gebiets zur Durchführung von städtebaulichen Maßnahmen der Sozialen Stadt
Perspektiven

Die aktuelle Arbeitsphase ist darauf ausgerichtet, die im INSEK aufgeführten Maßnahmen zeitnah so umzusetzen, dass die damit verfolgten Ziele erfüllt und verstetigt werden können.

In besonderem Maße tragen durch die Aktivierung der Einwohnerinnen und Einwohner die Imagekampagne und der Verfügungsfonds hierzu bei.

Auch andere Maßnahmen sind in der Sennestadt bereits angelaufen, insbesondere befinden sich nun investive Projekte in der Umsetzung. Hierzu zählen:

  • „Erlebniswelt Sennestadtteich“ – Attraktivierung der Wasserfläche Sennestadtteich
  • Neuentwicklung des Grünzugs Bullerbach als „Grünes Rückgrat“
  • Entwicklung der dezentralen Quartierszentren

Im nächsten Schritt sind die Projekte rund um Vernetzung und Kooperationen von lokalen Akteuren anvisiert, die es ermöglichen sollen, bestehende Potenziale in der Sennestadt auszuschöpfen und auf dieser Grundlage neue tragfähige Strukturen zu entwickeln.

 

Materialien zum Download

Integriertes Handlungskonzept Sennestadt (PDF 14,8 MB)



 Ansprechpartner

Stadt Bielefeld
Bauamt – Gesamträumliche Planung und Stadtentwicklung –
August-Bebel-Str. 92, 33602 Bielefeld

Herr Bodo Temmen
Tel.: (0521) 51-3209
Fax: (0521) 51-6383
E-Mail: bodo.temmen@bielefeld.de

Herr Sven Dodenhoff
Tel.: (0521) 51-3217
Fax: (0521) 51-6383
E-Mail: sven.dodenhoff@bielefeld.de

Stand: November 2010
Autorin: Elvan Korkmaz, Stadt Bielefeld

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