Bielefeld Sieker-Mitte
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Gebietscharakter und Ausgangslage

Der Stadtteil Sieker-Mitte liegt östlich der Bielefelder Innenstadt und ist den Stadtbezirken Mitte und Stieghorst zugeordnet. Innerhalb des Programmgebietes mit einer Fläche von rund 197 ha leben ca. 6.400 Einwohnerinnen und Einwohner.

Städtebaulich weist der Stadtteil eine ungeordnete, heterogene Bebauungs- und Nutzungsstruktur auf. Innerhalb des Stadtteilgebietes liegen verschiedene Konversionsstandorte.

Identifikationsstiftende räumliche, städtebauliche, landschaftsbezogene oder funktionale Merkmale haben sich für diesen Stadtteil bisher kaum entwickelt.

Der Stadtteil wird durch einen hohen Anteil an Mietwohnungsbau der 1950er, 1960er und 1970er Jahre geprägt. Die Wohngebiete der 1950er und 1960er Jahre östlich der Otto-Brenner-Straße weisen in Teilbereichen Mängel an den Wohnhäusern und im Wohnumfeld auf. Dazu zählen insbesondere substanzielle Mängel, unzeitgemäße Wohnungsgrundrisse und fehlende Barrierefreiheit.

Abgrenzung Soziale Stadt Sieker-Mitte (Klick zum vergrößern) Abgrenzung Soziale Stadt Sieker-Mitte (Klick zum vergrößern)

An der Stralsunder Straße/Greifswalder Straße besteht eine der größten Großwohnsiedlungen der Stadt Bielefeld. Diese Großwohnsiedlung wurde in den 1970er Jahren errichtet und entspricht den Vorstellungen der 1960er und 1970er Jahre: Urbanität durch Dichte. Die Großwohnsiedlung wurde im östlichen Teil nicht vollendet. Die Flächen stellen sich heute als Brachflächen, mit leerstehenden Gebäuden und wenig Aufenthaltsqualität dar.

Die gewerblichen Nutzungsstrukturen innerhalb des Gebietes befinden sich ebenfalls im Wandel. Das Arbeitsplatzangebot im Stadtteil ist gering. Zudem lässt sich eine hohe Arbeitslosigkeit im Stadtteil feststellen.

Großwohnsiedlung Großwohnsiedlung

Die Bevölkerung im Stadtteil Sieker unterliegt einer starken Dynamik bezogen auf soziale, ethnische und demografische Veränderungen. Insgesamt ist eine Konzentration ökonomisch oder ethnisch benachteiligter Haushalte festzustellen. Der statistische Bezirk Sieker weist im Stadtgebiet die höchsten Anteile von Bewohnern mit Migrationshintergrund auf (2005: 52,1% / 2008: 54,0%). Ein sehr hoher Anteil von Menschen im Stadtteil ist erhöhten Armutsrisiken ausgesetzt. Bereits heute ist die Zusammensetzung und Herkunft der Bewohnerinnen und Bewohner insbesondere der Großwohnsiedlung ein Ausdruck für die sozialen Missstände und die damit verbundene Benachteiligung des Stadtteils. Diese Indikatoren weisen auf einen besonderen Entwicklungsbedarf im Stadtteil Sieker hin.

Potenziale und Handlungsansätze
Chancen (Klick zum vergrößern) Chancen (Klick zum vergrößern)

Vor dem Hintergrund der demografischen und wirtschaftlichen Veränderungen muss eine Stadterneuerungsstrategie darauf abzielen, den Stadtteil zu stabilisieren und aufzuwerten sowie die Anpassung an neue Bedarfe zu fokussieren. Für den Stadtteil ist es wichtig, Attraktivität und soziale sowie ökonomische Bindungskraft zu entwickeln.

Die Ziele orientieren sich dabei an den festgestellten Bedarfen und Potenzialen des Stadtteils:

  • Ziel im sozialen Handlungsfeld ist die Weiterentwicklung der bestehenden Infrastrukturausstattung. Hierbei sind benachteiligte Lebenslagen mit (Langzeit)Arbeitslosigkeit, Einkommensarmut, Migrationshintergrund eine wesentliche Rahmenbedingung der Stadtteilerneuerung.
  • Ein erhebliches Entwicklungspotenzial resultiert aus den noch erkennbaren historischen Bau- und Siedlungsstrukturen, die noch heute – trotz der weitgehenden Überformung des Raumes – ein Bild des „alten, ländlichen Sieker“ vermitteln können.
  • Der Stadtteil hat ein großes, bisher kaum genutztes Freiraumpotenzial. Es besteht die Chance, ein neues grünes Grundgerüst zu entwickeln und dieses im Zusammenspiel mit der bestehenden Bebauung zu einer Stadtlandschaft weiterzuentwickeln. Dabei kommt den vorhandenen Brachflächen und dem Wegenetz eine besondere Bedeutung als Verbindung durch die Stadtlandschaft zu.
  • Die weiterzuentwickelnde Ausstattung des Stadtteiles mit verschiedenen „Versorgungsmitten“ und einer „kulturellen Mitte“ gilt es im Rahmen der integrierten Stadtteilerneuerung zu Identifikationspunkten des Stadtteiles zu qualifizieren.

Organisation und Lokale Partner

In den Prozess der Vorbereitung, Erarbeitung und Umsetzung des integrierten Handlungskonzeptes für den Stadtteil Sieker-Mitte wurden von Anbeginn maßgebliche Akteure aus Verwaltung, Politik, Stadtteilmanagement, Institutionen im Stadtteil, Projektträger und Bürger eingebunden. Ziel war es die unterschiedlichen Erfahrungen und Sichtweisen mit den unterschiedlichen Interessen und Erwartungen zu verknüpfen. Der Stadterneuerungsprozess wird in enger Abstimmung mit der örtlichen Stadtteilkonferenz durchgeführt.

Die Verantwortung für die Umsetzung des integrierten städtebaulichen Handlungskonzepts liegt bei der Stadt Bielefeld im Fachbereich Gesamträumliche Planung und Stadtentwicklung. Aufgrund einer Vielzahl von sozialen Problemlagen wird ressortübergreifend eng mit dem Sozialdezernat zusammengearbeitet. Für die Arbeit im Stadtteil vor Ort wurde ein Stadtteilbüro eingerichtet. Es finden regelmäßige Abstimmungsgespräche („Jour fixe“) zwischen Stadtteilmanagement, Sozialdezernat und Bauamt statt.

 

Chronologie der Erneuerung – Meilensteine und Projektbeispiele
Nov 2005
Beschluss des Umwelt- und Stadtentwicklungsausschusses sowie des Rates der Stadt Bielefeld zur Erarbeitung eines integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts zum Stadtumbau Bielefeld
Mai/Juni 2007
Beschluss über den Entwurf des integrierten Handlungskonzeptes Sieker-Mitte (INSEK Sieker-Mitte) und Beauftragung der Verwaltung mit der Vorbereitung einer Organisations-, Prozess- und Beteiligungsstruktur zur Durchführung eines integrierten Stadterneuerungsprozesses

Anerkennung des INSEK Sieker-Mitte durch die INTERMAG (Interministerielle Arbeitsgruppe des Landes NRW)

Apr 2008
Beschluss des Rates der Stadt Bielefeld über das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept Stadtumbau Bielefeld (ISEK Stadtumbau)
Okt 2009
Fertigstellung 1. Bauabschnitt Erneuerung der „Alten Gärtnerei“; Eröffnung Stadtteilbüro
Jan 2010
Umsetzung der Modellmaßnahmen „Weiterentwicklung von Tageseinrichtungen für Kinder“ und „Stadtteilmütter“
März/Apr 2010
Beteiligungsverfahren gem. § 171e Abs. 4 BauGB mit einer öffentlichen Informationsveranstaltung/Planungswerkstatt
Juli 2010
Erster Spatenstich für das „Kultur- und Kommunikationszentrum Sieker“
Okt 2010
Richtfest Erneuerung der „Alten Gärtnerei“ für die Nachnutzung Jugendzentrum
Sept/Okt 2010
Beschluss des integrierten Handlungskonzeptes Soziale Stadt „Sieker-Mitte“ (INSEK Sieker-Mitte) nach § 171e BauGB zur Festlegung eines Gebietes zur Durchführung von städtebaulichen Maßnahmen der Sozialen Stadt
Nov 2010
Eröffnung des neu gestalteten Spielplatzes „Delgenkamp“
Perspektiven

Mit den umgesetzten bzw. in Umsetzung befindlichen Maßnahmen wie z. B. Erneuerung der „Alten Gärtnerei“, Einrichtung einer Quartiersbetreuung, Kultur- und Kommunikationszentrum am „Ort der Vielfalt“ und Neugestaltung bestehender Spielplätze wurden bis 2010 bereits wichtige Impulsprojekte umgesetzt. Im nächsten Schritt sollen insbesondere weitere investive Maßnahmen, wie die sich bereits in Bearbeitung befindliche städtebaulich-freiraumplanerische Rahmenkonzeption, umgesetzt werden.

Im Stadtteil werden bereits modellhafte soziale Maßnahmen wie z. B. die Weiterentwicklung der Tageseinrichtungen für Kinder, Stadtteilmütter etc. durchgeführt.

Die weitere Arbeit im Stadtteil zielt insbesondere auf die bessere Vernetzung der Akteure im Stadtteil und auf den Aufbau nachhaltiger selbsttragender Strukturen ab.

 

Materialien zum Download

Integriertes Handlungskonzept Sieker-Miete (PDF 7,7 MB)



 Ansprechpartner

Stadt Bielefeld
Bauamt – Gesamträumliche Planung und Stadtentwicklung –
August-Bebel-Str. 92, 33602 Bielefeld

Herr Bodo Temmen
Tel.: (0521) 51-3209
Fax: (0521) 51-6383
E-Mail: bodo.temmen@bielefeld.de

Herr Sven Dodenhoff
Tel.: (0521) 51-3217
Fax: (0521) 51-6383
E-Mail: sven.dodenhoff@bielefeld.de

Stand: November 2010
Autorin: Elvan Korkmaz, Stadt Bielefeld

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