Brakel Bökendorfer Grund
Meilensteine
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Gebietscharakter und Ausgangslage
Ansicht der Wohnanlage Ansicht der Wohnanlage "Lange Wanne" aus dem Jahr 1965

Der „Bökendorfer Grund“ ging noch unter dem Namen „Lange Wanne“ als Programmstadtteil der Sozialen Stadt NRW an den Start. Die Wohnanlage befindet sich im Nordosten der Kernstadt Brakel und ist räumlich von dieser isoliert.

Ursprünglich standen dort – für eine ländliche Stadt untypisch – drei achtgeschossige Hochhäuser, zwei sechsgeschossige Hochhäuser und daneben 20 dreigeschossige Wohnblöcke. Die als Zweckbau im Stil der 1960er Jahre errichtete Wohnanlage der belgischen NATO-Garnison, die Kaserne „Wachtmeester Maenhout“, bestand ursprünglich aus insgesamt 276 Wohneinheiten. Wohnungsnahe Freizeitmöglichkeiten und Infrastruktur, vor allem für Jugendliche, fehlten.

Der Programmstadtteil Bökendorfer Grund Der Programmstadtteil Bökendorfer Grund

Im Rahmen der Konversion wurde der NATO-Standort 1994 aufgegeben und die Wohnanlage leergezogen. Der Essener Bauherr verkaufte die Gebäude an eine norddeutsche Immobiliengesellschaft. Entgegen getroffener Abstimmungen mit der Stadt wurden die freigewordenen Wohnungen im Anschluss überwiegend an Aussiedlerfamilien vermietet, die seit mehreren Jahren u.a. in Notwohnungen in den neuen Bundesländern gelebt hatten. Hinzu kamen Aussiedlerinnen und Aussiedler, die von der Stadt auf Grund des Landesaufnahmegesetzes untergebracht werden mussten. Allein in den Jahren 1988 – 2005 bewältigte die Stadt Brakel so die Aufnahme von rund 2.500 Aus- und Übersiedler/-innen.

Durch die Neubürger, die mehrheitlich in der Kernstadt und zudem massiv in der Wohnanlage „Lange Wanne“ ihre neue Bleibe fanden, ergaben sich mancherlei Probleme. In der Spitze wohnten rd. 1.200 Personen, überwiegend Russlanddeutsche, in den ursprünglich 276 Wohneinheiten (die Kernstadt Brakel hat rd. 10.000 Einwohnern). Zusammen mit einer großen Gruppe ausländischer Mitbürgerinnen und Mitbürger (mehrheitlich Türken) prägten die Migrantinnen und Migranten das Stadtbild stark. „Alt-Brakeler“ berichte(te)n immer wieder von Unsicherheitsgefühlen, wenn sie z.B. in Gruppen auftretenden jugendlichen Zuwanderern gegenüberstanden bzw. gegenüberstehen.

Um in der ehemaligen Soldatensiedlung keinen sozialen Brennpunkt entstehen zu lassen, waren besondere Anstrengungen – auch unter Beteiligung der Eigentümerin der Wohnungen – nötig. Es galt, Akzeptanzprobleme zu beseitigen, für ein gegenseitiges Kennenlernen zu werben und Vorurteile abzubauen.

Der zweite zu entwickelnde Bereich des Stadtteils ist der ehemals militärisch genutzte Kasernenbereich. Eigentümerin ist die Immosana in Köln. Hier wurden bereits verschiedene Nutzungen in die Wege geleitet (s. Chronologie). Für verschiedene ehemalige Mannschaftsunterkünfte sowie Werkstatt-/Fahrzeughallen gibt es noch keine weitere Verwendung. Eine Nutzung des im südlichen Bereich der Kaserne gelegenen Fahrzeugabstellplatzes (mit ca. 3.000 qm versiegelter Asphaltfläche) sowie der daran angrenzenden Sportflächen (einschließlich Sporthalle) war jahrelang Gesprächsthema zwischen Stadt und der Immosana.

Potenziale und Handlungsansätze
Neue Fassadengestaltung Neue Fassadengestaltung

Die Wohnanlage ging am 31.12.1996 von einer norddeutschen Immobiliengesellschaft in das Eigentum der Wohnbau Bonn GmbH über. Wie sich in den folgenden Jahren herausstellte, war dies ein Glücksfall für die Bewohnerschaft und für die Stadt Brakel.

Die neue Eigentümerin sah konkreten Handlungsbedarf, als mehr und mehr Bewohnerinnen und Bewohner aus unterschiedlichen Gründen begannen, die Siedlung zu verlassen: teils weil sie Wohneigentum erworben oder errichtet hatten, teils um in anderen, günstigeren Mietwohnungen oder außerhalb des (fast) rein „russisch-deutsch“ bewohnten Quartiers unterzukommen.

Straßen werden umbenannt Straßen werden umbenannt

Um weitere Fortzüge zu vermeiden und neue Bewohnerinnen und Bewohner zu gewinnen galt es, die einfachen Zweckbauten der Wohnanlage städtebaulich zu überplanen, neu zu gestalten, den Wohnwert zu erhöhen und damit insgesamt eine positive Außendarstellung zu erzielen.

Parallel gab die Stadt Brakel dem Quartier einen neuen Namen: Nach einem Ideenwettbewerb wurde der Wohnbereich in »Bökendorfer Grund« und die Straßennamen in „Lindenhof“ und „Zum Holzer Feld“ umbenannt.

Im Zuge des im September 2008 bei der LEG Stadtentwicklung in Auftrag gegebenen „Integrierten Handlungskonzeptes Brakel – Bökendorfer Grund“ wurden Maßnahmen konzipiert, um den bisher nicht umstrukturierten Bereich innerhalb des ehemaligen Kasernengeländes nutzen zu können.

Zunächst sollen

  • eine Grünanlage auf dem ehemaligen Fahrzeugabstellplatz sowie dem ehemaligen Sportplatz,
  • eine Aufwertung des Erscheinungsbildes der Gebäude durch Umgestaltung von Fassaden und Dächern,
  • der Rückbau der Verkehrsflächen durch Umgestaltung, Entsiegelung und Begrünung sowie
  • eine Verlängerung des Einsatzes der Streetworkerin/des Streetworkers bis zum Jahr 2013

in die Wege geleitet bzw. umgesetzt werden.

Organisation und Lokale Partner
Organisationsstruktur der Sozialen Stadt in Brakel Organisationsstruktur der Sozialen Stadt in Brakel

Verantwortlich für die Umsetzung der Stadterneuerungsmaßnahmen in der Wohnsiedlung Bökendorfer Grund ist einerseits die Eigentümerin der Wohnanlage, die Wohnbau Bonn GmbH und auf der anderen Seite die Stadt Brakel.

Daneben fand bzw. finden auch weiterhin Abstimmungen mit dem aus dem sogenannten Arbeitskreis „Lange Wanne“ hervorgegangenen, lokalen Akteursnetzwerk statt. Die am Netzwerk beteiligten Akteure können aus der nebenstehenden Grafik ersehen werden. Anfangs saßen auch das Jugendgemeinschaftswerk, die Arbeiterwohlfahrt und das Kolping-Berufsbildungswerk mit am Tisch.

Weitergeführt wird das Netzwerk heute als Ordnungspartnerschaft, in der vor allem das Jugend- und Ordnungsamt, Polizei, Jugendheime, Schulen, Caritas, Wohnbau und die katholische Kirchengemeinde kooperieren.

 

Chronologie der Erneuerung – Meilensteine und Projektbeispiele
Jun 1994
Zum 30.06. zieht im Rahmen der Konversion das 43. Belgische Artilleriebatallion ab: „Opdracht volbracht“.

Die freie Wohnanlage an der NATO-Kaserne wird nach und nach zur neuen Heimat für Aussiedler.

31. Dez 1996
Die Wohnbau Bonn GmbH wird Eigentümerin der Wohnanlage »Lange Wanne« (heute: „Bökendorfer Grund“).
1997
Im ehemaligen belgischen Kindergarten entsteht mit dem „Ökumenischen Emmaus-Kindergarten“ eine neue Kindertageseinrichtung – insbesondere für die Kinder des „Bökendorfer Grundes“.
26. Juni 2000
Sprengung der Hochhäuser Sprengung der Hochhäuser
Drei achtgeschossige Hochhäuser mit 96 Wohneinheiten werden gesprengt.
Sept/ Okt 2000
Zwei Planungsworkshops unter Beteiligung der Einwohnerschaft finden in der Stadthalle statt.
Dez 2000
Der Bau- und Planungsausschuss beschließt den Rahmenplan.
März/ Apr 2001
Beginn der Wohnumfeldverbesserungen im Rahmen der „Sozialen Stadt“ in Kooperation mit der Wohnbau Bonn GmbH.
Mai 2001
Umbenennung der Siedlung in „Bökendorfer Grund“ und gleichzeitige Straßenumbenennungen: Lindenhof, Zum Holzer Feld im Rahmen eines Straßenfestes am 18. Mai.
2001
Die nach Sprengung freigewordenen Flächen werden als Parzellen für Einfamilienhäuser ausgewiesen und in der Folge nach und nach bebaut.

Gleichzeitig Beginn der Sanierung der vorhandenen Wohnbebauung einschließlich Fassadenerneuerung.

2002
Ein Kreisverkehr zur räumlichen Anbindung der Wohnsiedlung wird eingerichtet.
2003
Eine „Anlauf-/Freizeit-/Sportfläche“ für Jugendliche wird geplant, die an der bestehenden Jugendfreizeitstätte am Rande der Gebietskulisse Bökendorfer Grund errichtet werden soll.

Der Ökumenische Emmaus-Kindergarten und die daneben liegende ehemalige belgische Schule, die vorübergehend ein „Kunstforum“ beherbergt, werden durch eine neue Straße (statt Wirtschaftsweg) erschlossen.

26. Nov 2004
Innenminister Fritz Behrens besucht die Jugendfreizeitstätte und lobt die Erfolge gemeinsamer Bemühungen im Umgang der Menschen in Brakel mit dem Zuzug einer großen Zahl von Zuwanderern als vorbildlich für andere Kommunen.
1.Okt 2005
Eine Streetworkerin zur aufsuchenden Betreuung benachteiligter und chancenarmer Jugendlicher, insbesondere Aussiedler/-innen und türkische Migrant/-innen wird für eine Projektzeit von 2 Jahren eingestellt.
27.Jan 2006
Landesbauminister Oliver Wittke weilt zu einem Informationstermin über die Projekte der Sozialen Stadt in Brakel und lobt die „mustergültige Stadtentwicklung“.
19. März 2006
Das „Kino Brakel“ (vormals belgisches Kino) – nachgenutzt durch einen Kinobetreiber aus Bad Driburg - hat Premiere mit dem Film „Walk The Line“.
Juni 2006
Die Jugendfreizeitstätte Die Jugendfreizeitstätte
Am 01. Juni wird die Anlaufstelle an der Jugendfreizeitstätte offiziell eingeweiht; für die Jugendlichen stehen somit weitere Angebote zur Verfügung: Pavillon, Boule-/Bocciafeld, Freiluft-Tischtennis, Streetball-Anlage.
2007
Das Streetwork-Projekt wird für weitere 2 Jahre in das Landesprogramm Soziale Stadt aufgenommen.
2008
Die Annenschule Brakel (Gemeinschaftsgrundschule) wird mit Beginn des Schuljahres 2008/2009 für drei Jahre zur „MUS-E-Schule“; gefördert von der Yehudin Menuhin-Stiftung Deutschland, der Sozialen Stadt NRW sowie mit Mitteln verschiedener Sponsoren.

Veräußerung der in Verwaltungs- und Unterkunftsgebäuden der Kaserne durch Immosana eingerichteten Seniorenpflegeeinrichtung „Altenheim St. Maternus“. Seitdem dient es als Seniorenzentrum „Meritus“ pflegebedürftigen Menschen. Zudem befinden sich im Kasernenbereich ein Fitness-Center, ein Sanitär-/Heizungsbaubetrieb, ein Heimtextiliengeschäft (mit Friseurin), ein Kfz-Reparaturbetrieb sowie mit der FAA eine Bildungseinrichtung.

2008/2009
Mit der LEG Stadtentwicklung GmbH & Co.KG wurde ein „Integriertes Handlungskonzept Brakel – Bökendorfer Grund“ entwickelt und im Januar 2009 dem Ministerium für Bauen und Verkehr NRW vorgelegt.
2009
Dem Antrag auf Fortführung des Streetwork-Projektes ist zunächst bis September 2011 entsprochen worden.

Im Rahmen der „Sozialen Stadt“ wird als Stadterneuerungsprojekt im Bereich der ehemaligen Kasernenanlage die Anlage einer Sport- und Freizeitfläche in die Wege geleitet. Mit einer Fertigstellung ist 2011 zu rechnen.

Perspektiven

Die Fortführung des Streetwork-Projekts bis einschließlich September 2011 bietet die Chance, den eingeschlagenen Weg zum Abbau von Benachteiligungen von Jugendlichen weiter zu gehen und für sie positive Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen.

Gemeinsam mit der städtischen Jugendfreizeitstätte und im Rahmen der Ordnungspartnerschaft zwischen Ordnungsamt, Jugendamt, Sozialamt, Polizei, Jugendheimen, Schulen, Caritas und Wohnbau werden präventive Konzepte zur Persönlichkeitsstärkung, zur Gewalt- und Drogenproblematik, zur Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit u.ä. entwickelt und mit verschiedenen Kooperationspartnern umgesetzt. So sollen „Problemjugendliche“ neue Perspektiven entwickeln und Schulschwänzen vorgebeugt werden. Das Herumlungern in größeren Gruppen soll kanalisiert und die Jugendlichen verstärkt in die offene Jugendarbeit der Jugendfreizeitstätte eingebunden werden.

Die Schaffung der neuen Sport- und Freizeitflächen auf dem Areal der ehemaligen Kaserne (mit Entsiegelung einer ca. 3.000 qm großen Kfz-Abstellfläche, der Umgestaltung des verwilderten Sportgeländes und der Sporthalle) wird einen neuen Impuls setzen für das Miteinander der Generationen und den Freizeitwert für das Quartier (und darüber hinaus für die gesamte Stadt) erhöhen. Daneben ergeben sich durch die erwartet zusätzlichen Sportangebote neue Ansatzpunkte, um Kinder und Jugendliche „von der Straße zu holen“ und besondere Aktionen, wie etwa Nachtsport, anzubieten und den Zugang zu bislang nicht praktizierten Sportarten wie Inline-Hockey – in Kooperation mit dem Turnverein Brakel – zu ermöglichen und damit die Einbindung in Vereine zu fördern.

 

Materialien zum Download

Rahmenplan Bökendorfer Grund (JPG 120 KB)

Schwarzplan Bökendorfer Grund (JPG 417 KB)



 Ansprechpartner

Koordination

Norbert Loermann
Fachbereichsleiter Bürgerservice
Am Markt 12
33034 Brakel

Fon: +49 (0)5272/360-204
Fax: +49 (0)5272/360-44204

E-Mail : n.loermann@brakel.de
Website: www.brakel.de

Stand: Juni 2010
Reinhard Riepe, Stadt Brakel

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