Brühl Vochem
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Gebietscharakter und Ausgangslage

Die Stadt Brühl gehört dem Rhein-Erft-Kreis an und hat ca. 46.000 EinwohnerInnen. Der Stadtteil Brühl-Vochem liegt an der nördlichen Stadtgrenze zur Nachbarstadt Hürth. Er besteht aus einem alten Dorfkern und den Wohnsiedlungen, die nach dem zweiten Weltkrieg als Eigenheime und Mehrfamilienhäuser errichtet wurden.

Zur Geschichte:
1876 beginnt in Brühl die Braunkohleförderung und Brikettfabrikation. Hiervon profitiert auch Vochem durch den Zuzug vieler Arbeitskräfte, die sich rund um die neuen Gruben und Fabriken ansiedeln. Der Kern der Ortschaft entwickelt sich hauptsächlich an zwei Straßenzügen: Entlang der Hauptstraße, welche heute durch die Bahntrasse Köln-Euskirchen unterbrochen wird, und entlang der Kierberger Straße - Weiler Straße. Neben zahlreichen „Kotten“ der „einfachen Leute“ entstanden auch stattliche Herrschaftshäuser. 1897 feierte man als weitere Neuerung die Eröffnung der durch die Stadt führenden Vorgebirgsbahn, die auch in Vochem eine Station erhielt.

Gebietstypische Nachkriegsbebauung (Quelle: Stadtteilbüro Brühl-Vochem) Gebietstypische Nachkriegsbebauung (Quelle: Stadtteilbüro Brühl-Vochem)

Das Programmgebiet wird westlich und östlich durch die in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Bahnlinien umgrenzt. Insgesamt leben und wohnen hier auf einer Fläche von rund 100 ha etwa 3.800 Vochemer Bürgerinnen und Bürger. Der Stadtteil Vochem insgesamt hat rund 5.200 EinwohnerIinnen (Stand 2007).

Brühl-Vochem ist vor allem durch die städtebauliche Entwicklung nach dem zweiten Weltkrieg geprägt. Neben zweigeschossigen Siedlungshäusern wurden seit 1950 vermehrt Mietwohnungen für Vertriebene und Flüchtlinge errichtet. Im Zuge eines Demonstrativprogramms entsteht der Thüringer Platz – die räumliche Mitte der neuen Wohnsiedlung, welche das Einkaufszentrum für den Stadtteil darstellt. Die Gebausie (Gemeinnützige Bau- und Siedlungsgesellschaft) unterhält im Untersuchungsgebiet 865 Wohnungen, rund ein Drittel ihres gesamten Wohnungsbestandes in Brühl. In den 1960er und 1970er Jahren entstanden in direkter Nachbarschaft zu den Geschosswohnungsbauten weitläufige Einfamilienreihenhaussiedlungen mit Wohnhäusern unterschiedlicher Größe und unterschiedlichen Bautyps.

Besondere Problemlagen im Vergleich zur Gesamtstadt zeigen sich aufgrund des hohen Anteils sozialen Wohnungsbaus und einer damit einhergehenden einseitigen Belegungspolitik vor allem rund um den Thüringer Platz und im Bereich nördlich der Grundschule Vochem. Hier leben vor allem einkommensschwache Haushalte (der Anteil der SGB II-BezieherInnen liegt im Programmgebiet ca. zweieinhalbmal so hoch wie in der Gesamtstadt.) sowie hohe Anteile BürgerInnen nicht deutscher Herkunft (ca. 23 % – im Vergleich zu 12 % in der Gesamtstadt).

Neben den bestehenden Wohnqualitäten ist Brühl-Vochem gekennzeichnet durch Erneuerungsbedarfe in baulichen, sozialen und ökonomischen Bereichen.

Nahversorgungszentrum Thüringer Platz (Quelle: DSK GmbH)
Nahversorgungszentrum Thüringer Platz (Quelle: DSK GmbH)

Das Integrierte Handlungskonzept benennt insbesondere folgende Tendenzen und Problemlagen:

  • Der Geschosswohnungsbestand zeichnet sich in weiten Teilen durch einen erhöhten Modernisierungsbedarf aus.
  • Auch das öffentliche und private Wohnumfeld ist an vielen Stellen ‚in die Jahre gekommen‘ und wenig attraktiv.
  • Der Schulhof der Grundschule Vochem ist gekennzeichnet durch fehlende Spielangebote und mangelnde Aufenthaltsqualitäten.
  • Das Einkaufszentrum ‚Thüringer Platz‘ mit wichtiger Nahversorgungsfunktion steht aufgrund von Leerständen und eingeschränktem Branchenmix vor Entwicklungsproblemen.
  • Die Verkehrsbänder des Bahnverkehrs behindern eine intensivere Verknüpfung mit den angrenzenden Bereichen des Stadtteils.
  • Soziale Probleme – u.a. mit Kindern und Jugendlichen – nehmen zu.
  • Die Integrationsprobleme einzelner Bevölkerungsgruppen wachsen.

Potenziale und Handlungsansätze

Gleichwohl verfügt der Stadtteil auch über Potenziale und Chancen, die es stärker herauszuarbeiten gilt. Insbesondere das hohe Engagement der einzelnen Akteure vor Ort, die sich schon viele Jahre mit der Aufwertung des Stadtteils befassen, und das Engagement der Gebausie bieten eine gute Voraussetzung für einen gemeinsamen Prozess der Stadtteilentwicklung.

Die Stadt Brühl und die Akteure vor Ort haben ihre vielfältigen Aktivitäten seit der Aufnahme in das Förderprogramm Soziale Stadt im Jahr 2009 weiter intensiviert. Zentrale Handlungsfelder der integrierten Stadterneuerung, die an den Potenzialen des Stadtteils – z.B. einem insgesamt attraktiven Wohnstandort mit einem hohen Anteil an Grün- und Erholungsflächen und einer zufriedenstellenden sozialen Infrastruktur – anknüpfen, sind:

  • Aufwertung des Nahversorgungszentrums ‚Thüringer Platz‘: Neugestaltung des Platzes einschließlich der anliegenden Gebäudezeilen ergänzend zu den Aktivitäten der Förderung der lokalen Ökonomie
  • Neugestaltung der Spielplatz- und Schulhofflächen Grundschule Vochem: Umfangreiche Maßnahmen, um Aufenthalts- und Spielangebote aufzuwerten
  • Modernisierung der Geschosswohnungsbestände und Neugestaltung des privaten Wohnumfeldes durch die Gebausie
  • Förderung der Integrationsanstrengungen insbesondere in den Bereichen Sprache, Bildung, Erziehung, Gesundheit und Kultur
  • Verbesserung des Stadtteilimages: intensive Öffentlichkeitsarbeit (Medien, Flyer/Veröffentlichungen), Stadtteilfest, Infostände

Organisation und Lokale Partner

Die „Vernetzung von Aktivitäten und Akteuren“ stellt eine tragende Handlungsmaxime für die Erneuerung des Soziale Stadt Gebietes Brühl-Vochem dar. Sie kann nur gelingen, wenn alle an der Umsetzung des integrierten Handlungskonzeptes beteiligten Akteure in die Diskussion und Entscheidung über die jeweiligen Projekte und Maßnahmen zur Stabilisierung und Aufwertung des Stadtteils eingebunden werden.

Inhaltliche Entscheidungen werden in der Projektgruppe Brühl-Vochem diskutiert und vorbereitet. Aufgaben der Projektgruppe, die sich ca. neunmal im Jahr trifft, sind u. a.:

  • Entscheidungen zu Projekten und Maßnahmen vorzubereiten (Beauftragungen von Maßnahmen, Zeitpunkte und Ablauf der Durchführung, Bestätigung von Antragsunterlagen)
  • Abstimmung notwendiger Verfahrensschritte (Information, Abstimmung und Beschlussvorbereitungen für die Ausschüsse und den Stadtrat)
  • Förderung und Überwachung des Ablaufs der integrierten Handlungsinitiative (Stand der Gesamtmaßnahme und der Einzelprojekte)

Der Stadtteilbeirat trifft sich viermal im Jahr. Zu den Aufgaben des Stadtteilbeirats gehört u. a.:

  • Entwicklung und Abstimmung von Projektkonzepten
  • Mitwirkung an der Fortschreibung des IHK
  • Informationsaustausch und Koordinierung von Maßnahmen, synergetische Vernetzungen unterstützen
  • Mitwirkung an der Erfolgskontrolle
  • Beratung und Empfehlung zur Vergabe von Mitteln aus dem Verfügungsfonds

Mit der Gesamtkoordination ist die DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH, Bonn, beauftragt. Das Stadtteilbüro vor Ort ist mit einer Vollzeitkraft für das Stadtteilmanagement besetzt.

Seine Aufgaben beinhalten u. a.:

  • Anlaufstelle vor Ort: Schnittstelle zwischen Rathaus und Stadtteil
  • Projektinitiierung bzw. Qualifizierung von Projekten entsprechend den Handlungsfeldern des integrierten Handlungskonzeptes
  • Verfahren zur Bürgerbeteiligung
  • Moderation und Begleitung von Arbeitsgruppen
  • Bündelung von Ressourcen
  • Vernetzung bestehender Strukturen
  • Beratung, Information als niedrigschwellige Anlaufstelle
  • Organisation von Veranstaltungen auf Quartiersebene
  • quartiersbezogene Öffentlichkeitsarbeit
  • Mitwirkung bei Evaluation und Controlling

 

Chronologie der Erneuerung – Meilensteine und Projektbeispiele
Aug 2007 – Mär 2008
Die DSK GmbH und die Stadt Brühl erarbeiten das Integrierte Handlungskonzept
seit Aug 2007
Prozessbegleitend finden Sitzungen der Projektgruppe statt.
Nov 2007
Erster Workshop zum Integrierten Handlungskonzept
Jan 2008
Zweiter Workshop zum Integrierten Handlungskonzept
Mär 2008
Der Rat der Stadt Brühl beschließt das Integrierte Handlungskonzept und beantragt die Aufnahme in das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt.
Jan 2009
Aufnahme von Brühl-Vochem ins Bund-Länder-Programm Soziale Stadt
Jun 2009
Auftaktveranstaltung Soziale Stadt Brühl-Vochem
Aug 2009
Eröffnung des Stadtteilbüros Brühl-Vochem mit der Installierung des Stadtteilmanagements
Aug 2009
Planungswerkstatt Planungswerkstatt
Planungswerkstatt zur Umgestaltung des Thüringer Platzes
Aug 2009
Stadtteilfest „Vochem ist Kult!“ unter Beteiligung der Vochemer und Brühler Aktiven mit attraktivem Bühnenprogramm lokaler und überregionaler Künstler
Sept 2009
Beteiligungsaktionen in Einrichtungen und auf dem Wochenmarkt zur Umgestaltung des Thüringer Platzes
Okt 2009
Tag der offenen Tür im Stadtteilbüro Brühl-Vochem
Nov 2009
Konstituierende Sitzung des Stadtteilbeirats
Dez 2009
Netzwerktreffen der sozialen Einrichtungen des Stadtteils
Dez 2009
Erste Bewilligungen für Projekte aus dem Verfügungsfonds.
Perspektiven
JeKI-Auftritt zum Elterntag am 16.12.09 (Quelle: Stadtteilbüro Brühl-Vochem) JeKI-Auftritt zum Elterntag am 16.12.09 (Quelle: Stadtteilbüro Brühl-Vochem)

Wichtigster Schwerpunkt in den nächsten Jahren ist die Umsetzung des Maßnahmenkataloges des Integrierten Handlungskonzeptes. Für das Förderjahr 2009 bzw. die Folgejahre wurde u. a. für folgende Projekte eine Förderung beantragt:

  • Öffentlichkeitsarbeit: Stadtteilfest, Stadtteilzeitung
  • Planung und Umgestaltung des Thüringer Platzes
  • Neugestaltung des Schulhofs der Grundschule Vochem inkl. Kinderspielplatz St.-Albert-Straße und Ballspielplatz Matthäusstraße
  • Bildungsförderung und Armutsprävention
  • Sprachförderung für Mütter mit Migrationshintergrund
  • Jedem Kind ein Instrument (JeKI)
  • Fortbildung „Kulturelle Vielfalt im Elementarbereich“
  • Förderung Finanzkompetenz junger Familien
  • Integrative Minigruppenarbeit für Eltern
  • Verfügungsfonds.

 

Materialien zum Download

Integriertes Handlungskonzept (PDF 3,2 MB)

Lageplan zum Programmgebiet (PDF 1,7 MB)

Stadt Brühl (Externer Link)

DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (Externer Link)

Gebausie - Gesellschaft für Bauen und Wohnen GmbH der Stadt Brühl (Externer Link)



 Ansprechpartner

Steuerung und Koordination

Rainer Kalscheuer
DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH
Gebietsleiter

Hochstadenring 50
53119 Bonn
Fon: 0228-555237-10
Fax: 0228-555237-91
Rainer.Kalscheuer@dsk-gmbh.de


Projektleitung Stadt Brühl

Markus Lamberty
Fachbereichsleitung Planen und Bauen
Rathaus Uhlstraße 3
50321 Brühl
Fon: 02232-795050
Fax: 02232-795190
E-Mail: mlamberty@bruehl.de

Stadtteilmanagement

Sabine Jacobs
DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG
Stadtteilbüro Brühl-Vochem
(mit Projektende per 31.12.2015 geschlossen)
Kontakt: E-Mail: sabine.jacobs@dsk-gmbh.de

Stand: März 2010
Verfasserin: Luise Bruns, DSK GmbH

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