Dinslaken Lohberg
Meilensteine
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Gebietscharakter und Ausgangslage
Luftbild Dinslaken Lohberg Luftbild Dinslaken Lohberg

Die unter Denkmalschutz stehende Zechensiedlung Dinslaken Lohberg entstand um 1910 nach dem Vorbild der englischen Gartenstadtbewegung direkt an das Bergwerk Lohberg / Osterfeld 1/2 (Zeche Lohberg) angrenzend. Sie ist eine grüne und großzügig angelegte Siedlung auf etwa 70 ha mit vielfältigen Häusertypen und schönen Innenhöfen. Der größte Teil des Bestandes befindet sich im Besitz eines Wohnungsunternehmens - der Evonik Wohnen GmbH, wodurch der einheitliche Charakter der Häuser bis heute erhalten werden konnte. Als Bergarbeiterkolonie war Lohberg immer ein Ort, an dem Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen lebten - das ist bis heute charakteristisch: Von den rund 6.000 Einwohnerinnen und Einwohnern hat fast die Hälfte einen Migrationshintergrund. Lohberg ist zudem durch seine großen und grünen Innenhöfe ein sehr familienfreundlicher Stadtteil.

Gartenstadt Lohberg Gartenstadt Lohberg

Zu Beginn des Stadtteilprojektes war in Lohberg ein deutlicher Abwärtstrend festzustellen. Dieser machte sich unter anderem durch einen relativ hohen Wohnungsleerstand und das Ausdünnen der Infrastruktur bemerkbar. Die sozialen Probleme des Stadtteils und seine Benachteiligung im Vergleich zur Gesamtstadt verdeutlicht der Sozialbericht der Stadt Dinslaken: Ein Viertel aller Sozialhilfeempfänger der Stadt Dinslaken lebt in Lohberg. Belastend für die Stadtteilbewohner ist zudem die hohe Arbeitslosigkeit.

Innerhalb der Projektlaufzeit konnten hier schon erste Erfolge erzielt werden: Nach dem neuesten Sozialbericht von 2009 sank die Jugendarbeitslosigkeit während der Projektlaufzeit in Lohberg trotz Zechenschließung um ca. 3 %.

Am 31.12.2005 wurde die Zeche Lohberg - ca. 40,5 ha Fläche im Osten von Lohberg - geschlossen. Schon im Vorfeld hat die Projektgemeinschaft Stadt Dinslaken und RAG Montan Immobilien GmbH (RAG MI) erste Studien zu den Nachnutzungsmöglichkeiten erarbeitet. Eine Nutzungsmischung aus Wohnen, Arbeiten und Erholung füllt die Fläche mit ihren elf denkmalgeschützten Gebäuden mit neuem Leben. Die Verknüpfung der Fläche mit dem Stadtteil vermeidet eine isolierte Entwicklung.

Potenziale und Handlungsansätze
Kinder im Stadtteil Kinder im Stadtteil

Lohberg ist in zweierlei Hinsicht etwas Besonderes: zum einen durch den besonderen städtebaulichen Charakter der Bergarbeiterkolonie, zum anderen durch seine Lebendigkeit und Vielfalt sowie seine engagierte Bürgerschaft. Diese Qualitäten spiegeln sich auch in den Kernelementen des Handlungskonzeptes wider, das in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren entwickelt wurde:

  • Beteiligungsorientierung und Vernetzung
    Alle Aktivitäten und Projekte werden mit den Akteuren vor Ort entwickelt. Ziel ist der Aufbau von selbsttragenden Strukturen und die Verbesserung der sozialen Situation der Stadtteilbevölkerung.
  • Verbesserung der Bildungs- und Integrationschancen
    Mit einem umfangreichen Sprachförderprogramm werden in den Kindertageseinrichtungen und Schulen die deutsche Sprache und die Muttersprache bei Migrantenkindern gefördert. Die Sprachförderung wird aus kommunalen– .Landes- und Mitteln des Programms Delfin des Landes NRW finanziert.
  • Imagearbeit und Stärkung der Stadtteilidentität
    Durch Veranstaltungen und eine umfassenden Öffentlichkeitsarbeit werden die Besonderheiten, der Charme und die Stärken des Stadtteils nach innen und außen vermittelt.
  • Unterstützung des Austausches
    Wesentliche Ziele des Stadtteilmanagements sind ein gutes Miteinander und der Dialog aller Gruppen, unabhängig von Herkunft oder Sozialstatus.

  • Wohnumfeldverbesserung
    Mit der Umgestaltung der Freizeitanlage, der Schulhöfe und des Marktplatzes sowie der Umsetzung des Fassadenprogramms wurde die Siedlung nach und nach städtebaulich attraktiver gestaltet. Für die Bewohnerinnen und Bewohner entstand so viel Raum im Stadtteil für Freizeitaktivitäten und Veranstaltungen.
     

    Schulhof vorher und nachher

  • Verbesserung der ökonomischen Situation und Beschäftigungschancen
    Insbesondere im Hinblick auf die Zechenschließung arbeitet seit 2004 das Stadtteilbüro im Rahmen des Handlungsfeldes Lokale Ökonomie an Projekten und Maßnahmen, die eine Abwanderung von Unternehmen verhindern und die Nahversorgung der Bevölkerung sowie das Ansehen Lohbergs als Wirtschafts- und Einkaufsstandort verbessern können.
  • Umnutzung der Fläche der ehemaligen Zeche Lohberg
    Die Zeche Lohberg wurde 2005 geschlossen. Das brachliegende Gelände, in der Vergangenheit ein „verbotener“ Ort, wird im Rahmen der Umnutzung in die Stadt integriert. Die Umnutzung sieht drei Nutzungscluster mit Wohnen, Dienstleistungen und Gewerbe vor. Der Motor der Entwicklung ist das Kreativ.Quartier im Herzen der Zeche. Das Nebeneinander von Kreativwirtschaft und klassischem Gewerbe sowie Wohnen und Erholung ist die Besonderheit des Standortes. Die Entwicklungsstrategie des Geländes wird von der Projektgemeinschaft Stadt Dinslaken, RAG MI mit der Bevölkerung und potenziellen Nutzern entwickelt.

Organisation und Lokale Partner

Die zentralen ausführenden Stellen des Erneuerungsprozesses in Lohberg sind das Stadtteilbüro und das Projektbüro der Stadt Dinslaken. Das Projektbüro schafft mit der Antragstellung bei der Bezirksregierung Düsseldorf die fördertechnische Voraussetzung für die Projekte in der Stadtteilerneuerung. Es koordiniert die geplanten Projekte mit den jeweiligen Fachämtern und/oder dem Träger des Stadtteilbüros, dem Forum Lohberg. Auch die Steuerung innerhalb der Verwaltung gehört zu den per Kooperationsvertrag geregelten Aufgaben des Projektbüros.

Die politischen Gremien wie der Projektbeirat Lohberg und Ausschüsse fällen die Grundsatzentscheidungen und stimmen über bauliche Einzelprojekte ab.

Das Forum Lohberg ist aus einer seit langer Zeit aktiven Stadtteilgruppe hervorgegangen. So kann das Forum auf ein gewachsenes Miteinander und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit der Vereine, sozialen Träger, Stadtteileinrichtungen, Moscheen und Kirchen sowie Einzelpersonen zurückgreifen und deren Ressourcen für das Stadtteilprojekt nutzen. Der Vorstand des Forums Lohberg setzt sich aus Deutschen und Migranten zusammen und ist ehrenamtlich tätig. Das Forum organisiert Projekte mit und bindet dabei auch die Lohberger Bewohnerinnen und Bewohner ein.

Thematische Arbeitgruppen und Runde Tische sind weitere wichtige Informations- und Beratungsgremien auf Stadtteilebene. Hier arbeiten alle Träger und Organisationen (Vereine, Verbände, Schulen, Kindergärten, Wohnungsgenossenschaft, Polizei u. a.) zusammen.

Die Entwicklung des Zechengeländes erfolgt als kooperatives Verfahren zwischen RAG MI und der Stadt Dinslaken in Form einer im Dezember 2008 gegründeten Projektgemeinschaft. Die Förderung des bürgerlichen Engagements in der Zechenentwicklung erfolgt über eine enge Zusammenarbeit mit dem Forum Lohberg, So werden projektbezogen Bürgerinnen und Bürger in Form von Ideenwerkstätten und Präsentationen mit Diskussionsrunden beteiligt.

 

Chronologie der Erneuerung

Kernprojekt 1: Der Umbau des ehemaligen Ledigenheims – neues Herzstück des Stadtteils - ist abgeschlossen und neue Arbeitsplätze wurden hier geschaffen. Das Gebäude in Trägerschaft der gemeinnützigen Stiftung Ledigenheim Dinslaken-Lohberg präsentiert sich als zentraler Ort in Lohberg mit vielfältigen Nutzungen. Es gibt eine Sparkassenzweigstelle ebenso wie eine Friseurin oder das LUZi, ein Zusammenschluss von Frauen, die gemeinsam im Ledigenheim wirtschaften. Auch Dienstleister und Gewerbetreibende haben ihre Büros im Ledigenheim.

Der Saal des Ledigenheims wird ebenfalls sehr vielfältig genutzt: Hochzeiten, Theater, Kabarett oder auch Jazzveranstaltungen finden hier statt. Ein arabisches Restaurant erfreut sich großer Beliebtheit bei Lohbergern, aber auch anderen Dinslakenern oder Menschen aus der Region.

Kernprojekt 2: Für die Nachnutzung des Zechengeländes konnten frühzeitig Perspektiven entwickelt werden. Das Anfang 2010 eröffnete Kreativ.Quartier Lohberg hat bereits erste neue Arbeitsplätze im Bereich der Kreativwirtschaft angesiedelt. Die bunte Mischung von Malern über Fotografen bis hin zur Taschendesignerin in einem historischen Ambiente zeichnet dieses Quartier aus. Es bildet den Motor der Gesamtentwicklung, der nachhaltige und innovative Impulse für den Standort ausstrahlt.

Meilensteine und Projektbeispiele
1998
Gründung der Stadtteilgruppe: Zusammenschluss aller Institutionen, Vereine, Einrichtungen aus dem Stadtteil
1999
Ratsbeschluss zum "Integrierten Handlungskonzept Lohberg"

Aufnahme Lohbergs in das integrierte Handlungsprogramm für Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf NRW

2000
Gründung des Forums Lohberg e.V. und Übernahme der Trägerschaft des Stadtteilbüros

Eröffnung des Stadtteilbüros

2001
Beginn der Sprachförderung

Durchführung zahlreicher Stadtteilaktivitäten: Silvesterfeier, Theater, Musikveranstaltungen, Frauenabend, Stadtteilzeitung u.v.m.

Projektentwicklung Ledigenheim "Zentrum für Dienstleistung, Gewerbe und Stadtteilkultur"

2002
Bestandsaufnahmen der Lohberger Ladenlokale, Informationen über Branchen und die üblichen Stammdaten, wie Inhaber, Größe, Anzahl der Beschäftigten etc.

Weiterentwicklung des Sprachförderkonzeptes und Beginn zahlreicher Maßnahmen

2003
Erstellung einer neuen Gestaltungssatzung für Lohberg durch die Stadt Dinslaken und der Fachhochschule Köln in Kooperation mit dem Forum Lohberg

Entwicklung eines Imagekonzepts und einer Imagebroschüre aus dem Stadtteil heraus

Durchführung zahlreicher Feste und Veranstaltungen, wie beispielsweise ein multikultureller Nikolausmarkt, Opferfest, Kino-Mobil in Lohberg

2004
Umgestaltung der Schulhöfe sowie der Freizeitanlage unter Einbeziehung von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen

Beginn der Bauarbeiten im Ledigenheim

Beginn mit der Beratung und Dienstleistungen zur Förderung der Lokalen Ökonomie durch das „Büro für Lokale Ökonomie“ im Stadtteilbüro

Aufnahme in das Bundesprogramm „Lokales Kapital für soziale Zwecke“ für den Programmzeitraum 2004 bis 2007

Beginn der Umsetzung des Fassadenprogramms in Orientierung an der Gestaltungssatzung

Untersuchung der Auswirkungen der Zechenschließung Lohberg auf die Stadt Dinslaken und die Region

2005
Umgestaltung des Johannesplatzes; der Platz ist zentral gelegen und von Geschäften umgeben ist, bietet Platz für den Wochenmarkt und Veranstaltungen und ist ein beliebter Treffpunkt der Lohberger Gründung des Unternehmer-Netzwerks „Lohberg vor Ort“

Gründung eines Vereins für ein Unternehmerinnenzentrum im Ledigenheim: LUZi e. V.

„100 Jahre Lohberg“: verschiedene Veranstaltungen

„Lohbergs Geschichte erleben“: Entwicklung von 12 historischen Schautafeln, Einrichtung eines Geschichtsarbeitskreises, Konzeptentwicklung für einen Stadtteilrundgang u. a.

Fertigstellung der Räumlichkeiten für ein Gemeinschaftsprojekt – Gewaltprävention und Integration durch Sport - der Hauptschule Glückauf und des Box und Sportvereins

2006
Fertigstellung von Teilen des Ledigenheims

Durchführung vieler, auch multikultureller Veranstaltungen

Durchführung einer Umfrage zum Thema "Freizeitverhalten der Lohberger Jugendlichen"

Einsetzen eines ehrenamtlichen Konfliktmanagers im Konfliktbereich Jugendliche und Nachbarschaften

Einrichtung einer Miniclub- Gruppe in einem der Lohberger Kindergärten

Durchführung einer Elternumfrage zum Thema Sprachförderung

Schülerwettbewerb „Ideen für die Zeche Lohberg“

2007
Sicherstellung der Bürgerbeteiligung an der Neuplanung des ehemaligen Zechengeländes mit Ideenwerkstätten und Workshops

Einrichtung von zwei Miniclubs in Lohberg

Durchführung von LOS-Projekten

2008
Entwurfswerkstatt für einen Strukturplan für die Zeche Lohberg: „Perspektiven für Dinslaken Lohberg“

Beginn der Modellprojekte „Lokale Ökonomie“ und „Konfliktmanagement“(2008/2009)

2009
Auftaktveranstaltung Kreativ.Quartier Lohberg

Rahmenplanung Zeche Lohberg

Erste Mieter im Kreativ.Quartier Lohberg

Bürgerbeteiligung in Form eines Ideenworkshop zur Rahmenplanung

Beginn des Modellprojektes „Seniorenwirtschaft“

2010
Local Hero Woche No.1 Dinslaken mit Eröffnung des Kreativ.Quartier Lohberg

10jähriges Jubiläum des Forum Lohberg und der Sozialen Stadt Lohberg

Extraschicht „Nacht der Industriekultur“; Zeche Lohberg ist Drehscheibe

Entwicklung eines Konzeptes zur Verstetigung der Stadtteilarbeit

Perspektiven

Vier Schwerpunktthemen bestimmen die Arbeit in den nächsten Jahren:

  • Durch die Neunutzung des Ledigenheims werden Handlungsfelder wie Infrastruktur, Arbeitsmarkt und Städtebau ebenfalls beeinflusst. Die Stiftung Ledigenheim Dinslaken-Lohberg arbeitet derzeit daran, die Räume in einer ausgewogenen Mischung an öffentliche Einrichtungen, Vereine, Gewerbetreibende, Dienstleistungsfirmen und Wohnungssuchende zu vermieten.
  • Die Stärkung der Lokalen Ökonomie ist ein wichtiger Baustein im Aufwertungsprozess des Stadtteils. Durch die Zusammenarbeit zwischen wirtschaftsrelevanten Akteuren sollen eigenverantwortlich getragene Strukturen im Stadtteil aufgebaut werden. Ziele sind,
    • die ansässigen Betriebe zu stabilisieren und bei ihrer Entwicklung zu begleiten,
    • Arbeitsplätze zu sichern und mittelfristig neue zu schaffen,
    • ein stadtteilgerechtes Waren- und Dienstleistungsangebot zu etablieren und
    • Synergien zwischen der Stadtteilentwicklung und der Entwicklung auf dem Zechengelände herzustellen

Fußballspiel zwischen türkischen Jugendlichen und der Dinslakener Polizei Fußballspiel zwischen türkischen Jugendlichen und der Dinslakener Polizei

  • Der Integrationsrat der Stadt Dinslaken und die Stadt Dinslaken erstellen zurzeit ein Integrationskonzept. Eine enge Kooperation zwischen dem Forum Lohberg und dem Integrationsrat der Stadt Dinslaken soll Fortschritte im Handlungsfeld Integration ermöglichen.

  • Die Umnutzung der Zeche Lohberg sieht in den nächsten Monaten die weitere Planung der Nutzungen auf dem Gelände vor. In einem weiteren engen kooperativen Verfahren zwischen Bürgern, Nutzern und Planern werden die Entwicklungsstrategie und die Ideen weiter umgesetzt. Das Kreativ.Quartier Lohberg wird weiter wachsen.

 

Materialien zum Download

Newsletter der Stiftung Ledigenheim Dinslaken-Lohberg 3/2005 (PDF 2,6 MB)

Folder Sprachförderung (PDF 312 KB)

Imagebroschüre (PDF 2,2 MB)



 Ansprechpartner

Koordination

Holger Mrosek
Projektleiter
Stadt Dinslaken
Wilhelm-Lantermann-Straße 65
46535 Dinslaken

Fon: +49 (0) 20 64 / 66 215
Fax: +49 (0) 20 64 / 66 404

E-Mail: holger.mrosek@dinslaken.de


Stand: Mai 2010
Lale Arslanbenzer, Stadtteilbüro Lohberg

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