Dormagen Horrem
Meilensteine
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Gebietscharakter und Ausgangslage

Die Stadt Dormagen ist mit über 60.000 Einwohnern eine der großen kreisangehörigen Gemeinden im Rhein-Kreis Neuss. Der Ortsteil Horrem war bis in die 1950er Jahre dörflich geprägt. Der Bau des Bahnhofs an der östlich vorbeiführenden Bahnstrecke Köln-Neuss war ein historisch wichtiger Impuls für die Besiedlung in den 1960/70er Jahren.

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In kurzer Zeit wurden über 2.000 Wohnungen errichtet. Ein neues Quartier war entstanden und ist heute der größte zusammenhängende Mietwohnungsbestand der Stadt. Im Zuge der kommunalen Neugliederung 1975 sollte Horrem mit dem vorhandenen Bahnhof zum gesamtstädtischen Zentrum fortentwickelt werden. Die Pläne wurden nie realisiert.

Dafür wurde - praktisch ohne Schallschutzmaßnahme – die Autobahn A57 unmittelbar an der Westgrenze des neu entstandenen Quartiers vorbei geführt. Dies führte neben der erheblichen und über die Jahre zunehmenden Lärmbelastung (A57/DB) zur vollständigen stadträumlichen Abschottung dieses Quartiers nach außen! Es gibt nur drei (auch fußläufige) Zugänge. (Eingang Heesenstraße.jpg)

Notwendige private und öffentliche Investitionen blieben in Horrem aus. Versorgungsinfrastrukturen gerieten zunehmend unter Druck. Zur stadträumlichen Abschottung kam jetzt die sozialräumliche Abschottung. Was in den 1960er und 70er Jahren als moderner Wohnraum für Facharbeiter der örtlichen Großchemie begann, trifft auf die Beurteilungsmaßstäbe der Gesellschaft von heute. Ergebnis: Arme, Alte und Ausländer.

Potenziale und Handlungsansätze
Übergänge Übergänge

97% des Wohnungsbestandes in Horrem teilen sich zwei größere Gesellschaften. Die Stadt selbst verfügt über keine eigenen Wohnungen im Quartier.

Stadt und Wohnungswirtschaft haben sich darauf verständigt, die Probleme des Quartiers gemeinsam anzupacken. Die Wohnungsunternehmen investieren nachhaltig in ihre Bestände, die Kommune in den öffentlichen Raum und Infrastruktur. In intensiver Zusammenarbeit mit vielen lokalen Initiativen und Verbänden sowie der Bewohnerschaft wurde folgender Lösungsansatz entwickelt:

Alter Ortskern Alter Ortskern

  • Quartiersprofil schärfen / Adresse schaffen
    Die stadträumliche Qualität des Quartiers ist von großer Bedeutung für das Wohlempfinden seiner Bewohner insgesamt und beeinflusst letztlich neben Kostenerwägungen maßgeblich die Entscheidung für oder gegen Horrem als Wohn- und Lebensstandort.
  • Architektur und Wohnungen modernisieren
    Wer wohnt morgen in Horrem? Dormagen liegt im Ballungsraum Rheinschiene-Mitte, die Stadtgrenzen schließen sich unmittelbar an die Metropolen Köln und Düsseldorf an. Es gibt in dieser Region einen anhaltenden Bedarf an (bezahlbarem) Mietraum. Hier werden für Dorma¬gen und insbesondere für Horrem Entwicklungschancen gesehen. Stichwort Wohn-Matrix: Sie gibt Antworten auf mögliche künftige Zielgruppen. Die Umsetzung erfolgt durch die Kooperationspartner der Wohnungswirtschaft.
  • Sicherheit erhöhen
    Sich selbstbestimmt und sicher im Alltag zu bewegen, wird mehr und mehr zu einem elementaren Bedürfnis und wichtigem Faktor von Lebensqualität, insbesondere bei einer stark alternden Bewohnerschaft. Nahmobilität, Rückeroberung des öffentlichen Raumes, Angsträume und "Sicherheit durch Licht" sind die Stichworte.
  • Gemeinschaft und Integration fördern
    Unbestritten sind auch die Auswirkungen des demografischen Wandels in Horrem, bei dem eine alternde einheimische Bevölkerung auf junge ausländische Zuwanderer trifft. Stichworte sind gesellschaftliche Teilhabe, Identifikation und emotionale Bindung, Bildung, kulturelle Gemeinschaft. Der LernOrt: Ein ‚neues‘ Bildungszentrum für die Jüngsten soll zugleich Motor für das Quartier sein.
  • Historischen Kern beleben
    Horrem besitzt einen kleinen Ortskern in günstiger Lage zum Bahnhof. Das dortige Bürgerhaus, Gastronomie und Einzelhandel müssen Entwicklungsmöglichkeiten erhalten, die Kundenströme anziehen und die Tragfähigkeit nachhaltig gewährleisten. Stichwort Dorfanger: Ein neuer Platz soll den öffentlichen Raum im Ortskern beleben.
  • Betroffene zu Beteiligten machen
    Der Erfolg der Veränderung hängt sowohl von der Qualität des Ergebnisses als auch von der Akzeptanz der Betroffenen ab. Es gibt ein reges und traditionsreiches Vereinsleben in Horrem. Stichwort: ‚Initiative Horrem‘. Sie begleitet als legitimierter Zusammenschluss örtlicher Vereine, Institutionen sowie des Handels aktiv den Erneuerungsprozess.

Organisation und Lokale Partner
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Da das Quartier Horrem nur durch den abgestimmten Einsatz von Investitionen der privaten Wohnungswirtschaft und öffentlicher Investitionen in die Infrastruktur zukunftssicher gestaltet werden kann, hatte zunächst der Aufbau stabiler und partnerschaftlicher Arbeitsbeziehungen zwischen der Stadt und der Wohnungswirtschaft höchste Priorität.

Die konzeptionelle Vorgabe -bürgergestütztes Projekt- wird nicht durch ein von außen ‚künstlich‘ in das Quartier implementiertes Management, sondern vielmehr ein Anknüpfen an die vor Ort gegebenen Strukturen bürgerschaftlichen Engagements erfüllt. Alle Beteiligten halten dies für den erfolgversprechenderen Weg hin zum Aufbau einer sich zumindest in Teilen selbst tragenden Quartiersarbeit. Zunächst für die Dauer des Projektes wurde die ‚Initiative Horrem’ gebildet und von allen örtlichen Vereinen und Initiativen als Vertretungsorgan legitimiert.

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Eine Besonderheit stellen die Quartierssprecher dar. Für das in Teilquartiere gegliederte Gebiet wurden frühzeitig Vertreter geworben. Sie fungieren als Ansprechpartner und Bindeglied zu den Bewohnern der einzelnen Teilquartiere und sind in allen entscheidenden Planungs- und Arbeitsgremien vertreten.

 

Chronologie der Erneuerung – Meilensteine und Projektbeispiele
Februar 2008
Aufnahme der Kooperation Stadt – Wohnungswirtschaft. Erstes Grundlagenpapier „Mietwohnungsbau in Horrem“ wird erarbeitet.
Mai 2010
Stadt und Wohnungswirtschaft analysieren das Quartier
Dezember 2011
Aufteilung des Quartiers in acht Teilquartiere und Quartierssprecher
August 2012
Gründung der ‚Initiative Horrem‘
April 2013
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Veröffentlichung des Integrierten Handlungskonzeptes
Januar 2014
Startschuss 1. Schlüsselprojekt ‚Dorfanger‘
Juni 2014
Gründung eines lokalen Beirates für Horrem
Oktober 2014
Aufnahme des Quartiers in das Programm Soziale Stadt
Perspektiven

Die Stadt Dormagen setzt mit gezielten Investitionen in einzelne Bereiche wie Bildung, Sicherheit und Aufenthaltsqualität wichtige Impulse, die vielfach höhere Investitionen der privaten Wohnungswirtschaft generieren und/oder flankieren. Vor dem Hintergrund enger finanzieller öffentlicher Ressourcen macht es Sinn, die Projekte zu identifizieren, die die größte Wirkung und Ausstrahlung in das Quartier und in die Gesamtstadt versprechen:

  • Beispiel Dorfanger
    Komplette Umgestaltung des zentralen öffentlichen Platzes des Quartiers zur Belebung des öffentlichen Raumes und Stärkung der lokalen Infrastruktur
  • Beispiel Bahnhofsumfeld
    Neugestaltung der Bahnhofsunterführung und des Vorplatzes zur besseren Integration in die Gesamtstadt
  • Beispiel LernOrt
    Zusammenlegung von Grundschule, Kita, OGS, ergänzt um ein Eltern-Kind-Zentrum zur Intensivierung des Bildungsauftrages mit gezielten Integrations- und Inklusionsmaßnahmen
  • Beispiel Sicherheit
    Beleuchtungskonzept für das Gesamtquartier mit besonderem Fokus auf die Beseitigung von gefühlten Angsträumen

 

Materialien zum Download

Dormagen - Soziale Stadt (Externer Link)



 Ansprechpartner

Detlev Falke
Bürger- und Ratsangelegenheiten
Jugend, Soziales, Wohnen und Schule
Paul-Wierich-Platz 1
41539 Dormagen
Tel.: 02133 257217
Fax: 02133 257239
E-Mail: detlev.falke@stadt-dormagen.de

Jürgen Schmitz
Jugend, Soziales, Wohnen und Schule
Paul-Wierich-Platz 1
41539 Dormagen
Tel.: 02133 257227
Fax: 02133 257239
E-Mail: juergen.schmitz@stadt-dormagen.de


Stand: Januar 2015

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