Dorsten Hervest
Meilensteine
Ansprechpartner
Gebietscharakter und Ausgangslage
Luftbild - Räumliche Abgrenzung Luftbild - Räumliche Abgrenzung

Hervest ist einer von insgesamt elf Dorstener Stadtteilen mit urbanen, aber auch dörflichen Strukturen. Das auf der nördlichen Lippeseite gelegene Nebenzentrum Hervest ist einer der drei großen Stadtteile und erstreckt sich entlang der Lippe vom zentralen Verkehrsknotenpunkt „Gemeindedreieck“ über die denkmalgeschützte Zechensiedlung bis zum ländlichen Dorf Hervest am östlichen Stadtrand. Zwischen dem ehemals durch die Zechenanlage geprägten westlichen Stadtteilbereich und den traditionellen Dorfstrukturen mit einem alten Ortskern am östlichen Rand der Gemarkung liegen ausgedehnte Wohngebiete aus den 1960er- bis 1980er-Jahren.

Die Stadtteilentwicklung von Hervest ist eng verbunden mit der Entwicklung der Zechenanlage "Fürst Leopold / Wulfen". Ab 1912 wurde gegenüber der Zeche eine Bergarbeitersiedlung mit Wohnungen, kleinen Ladenlokalen und dem von einer Torhaus-Galerie umbauten Brunnenplatz gebaut.

Brunnenplatz (Quelle: Hans Blossey, Stadt Dorsten) Brunnenplatz (Quelle: Hans Blossey, Stadt Dorsten)

Östlich der Zechensiedlung schließen sich überwiegend Reihenhäuser und vereinzelt Geschosswohnungsbau aus der Zeit von 1950 bis 1980 an. In diesem Bereich findet sich auch die in sich geschlossene Ellerbruchsiedlung mit hochverdichtetem Geschosswohnungsbau. Zum östlichen Randbereich geht die Wohnbebauung von Hervest-Dorsten zu gut durchgrünten Ein- und Zweifamilienhäusern des ländlich geprägten alten Kerns von Dorf Hervest über.

Mit Schließung der Schachtanlage im Jahr 2001 startete ein Veränderungsprozess, der sich schon länger auch im Stadtteil zeigt. Zum Zeitpunkt der Konzepterstellung für das Programm Soziale Stadt im Jahr 2008 beschrieben Akteure zunehmend eine depressive Stimmung, Innovationen blieben aus und bestehende Strukturen bröckelten: Das Geschäftszentrum im Stadtteil leide unter geringer Kaufkraft und fehlender Attraktivität, private Wohnungsbestände würden nicht ausreichend instand gehalten und öffentliche Investitionen seien nur in kleinem Umfang möglich. Die Zahl der versicherungspflichtig Beschäftigten ist stark zurückgegangen.

Im Kernbereich von Hervest herrschen vorwiegend die unteren und mittleren Einkommensgruppen mit vielen Arbeiterhaushalten vor. Der Anteil der Arbeitslosengeld-II-Empfänger ist um 50 % höher als im gesamtstädtischen Durchschnitt. Auch ist der Anteil der Kinder, die von Transferleistungen abhängig sind, deutlich höher als in der Gesamtstadt. Mit einem Ausländeranteil von 7,4 % (Gesamtstadt: 4,4 %, Stand 6/2010) liegt Hervest nahezu gleichauf mit der Altstadt (7,8 %) an der Spitze. Hinsichtlich der Altersstruktur liegt Hervest mit einem Anteil von knapp 11 % bei den unter 21-Jährigen im Mittelfeld aller Dorstener Stadtteile.

Luftbild Ellerbruchsiedlung Luftbild Ellerbruchsiedlung

Seit 2001 sind in Dorsten deutliche Einwohnerverluste zu beschreiben: Zum 31.12.2009 zählte die Gesamtstadt nur noch 78.254 von den zuvor 82.340 Einwohnern (Hervest: 13.037 Einwohner). Die Entwicklung in Hervest entspricht dem allgemeinen Trend mit steigenden Zahlen an Einwohnern über 60 Jahre. Diese demografische Entwicklung schlägt sich auch in der zukünftigen Infrastrukturausstattung nieder. Derzeit befinden sich im Projektgebiet Hervest noch zwei Grundschulen und sechs Kindertagesstätten. Die Hauptschule wurde wegen zurückgegangener Schülerzahlen kürzlich geschlossen und abgerissen. Das Jugendprojekt Förderturm befindet sich im Umbruch und wartet dringend auf das neue Jugendzentrum, welches im Rahmen der Sozialen Stadt gerade geplant wird.

Das derzeitige Nahversorgungsangebot erstreckt sich auf einen Haupteinkaufs- und Dienstleistungsbereich sowie einen kleineren Nahversorgungsstandort. Öffentliche Grünanlagen und Wegeverbindungen befinden sich vielfach in einem veralteten Zustand. Strukturelle Instandhaltungen oder Umgestaltungen hat es lange nicht gegeben. Spielplätze sind mancherorts zugewachsen, Fuß- und Radwege sind verwachsen und wenig transparent.

Potenziale und Handlungsansätze

Die Stärken von Hervest liegen in seiner Naturnähe – Kanal und Lippe mit ihren ausgedehnten Auen sowie der Hervester Bruch sind ökologisch wertvolle und erlebnisreiche Naturräume in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung. Die denkmalgeschützte und in den 1980er Jahren restaurierte Zechensiedlung hat einen einmaligen Charme und trägt erheblich zu den positiven Aspekten bei. Die bereits laufende Entwicklung der Zechenfläche und der angrenzenden Industriebrachen bietet Hervest ein enormes Potenzial für die Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Generierung zusätzlicher Umsätze.

Zechensiedlung (Quellen: Hans Blossey, Stadt Dorsten (links); Stadt Dorsten (rechts) Zechensiedlung (Quellen: Hans Blossey, Stadt Dorsten (links); Stadt Dorsten (rechts)

 
Denkmalgeschützte Zechensiedlung Dorsten Hervest

Das integrierte Handlungskonzept von 2008 benennt folgende Schwerpunkte:

  • Entwicklung der stadtteilnahen Zechenfläche durch einen privaten Investor mit Reaktivierung der historischen Gebäude (Kultur, Dienstleistung) sowie der Schaffung zusätzlicher Einzelhandelsflächen in räumlicher Nähe zum Einzelhandelsstandort
  • Erschließung weiterer brachliegender Industrieflächen zu Gewerbegebieten
  • Verbesserung von Einzelhandel und Dienstleistung durch Maßnahmen der Lokalen Ökonomie und durch Aktivierung privater Investitionen
  • Strukturelle Maßnahmen in der Geschosswohnungssiedlung „Ellerbruch“ und weiteren Siedlungen durch Hof- und Fassadenprogramm sowie durch die Aktivierung privater Investitionen
  • Aufwertung zentraler Plätze und Fuß-Radwege
  • Verbesserung und ökologische Aufwertung der Verbindung der Wohnbereiche mit der Lippe-Aue
  • Intensivierung der Vernetzung zwischen den Einrichtungen für Soziales, Bildung, Sport und Kultur in Verbindung mit Anreizen zur Ausdehnung des bürgerschaftlichen En-gagements
  • Ausweitung und Intensivierung der sozialen Angebote im Stadtteil z. B. für Senioren und Migranten aber auch in den Bereichen Kinderförderung und Bildung. Verbesserung der Angebote für den Übergang Schule-Beruf und für Ausbildung und Beschäftigung

Organisation und Lokale Partner

Die Federführung für das Handlungskonzept liegt beim technischen Dezernat der Stadt Dorsten, insbesondere beim Umwelt- und Planungsamt. Mit dem Projekt wurde im Dezember 2009 begonnen. Als ein erster konkreter Schritt wurde im April 2010 das Stadtteilbüro im Projektgebiet eröffnet. Die Hauptaufgabe des Stadtteilmanagements besteht in der Kommunikation des Projekts im Stadtteil sowie der Koordinierung der sozialen Projekte. Für die Koordinierung der baulich-investiven Projekte wird das Stadtteilbüro im Herbst 2010 um ein technisches Projektmanagement ergänzt.

Ein wesentliches übergeordnetes Ziel ist es, möglichst viele Akteure im Stadtteil in das Projekt einzubinden und sie untereinander zu vernetzen. Dazu gehören alle Einrichtungen aus den Bereichen der Sozialarbeit und Bildung genauso wie Wohnungsunternehmen, Unternehmen und Verwaltungsbereichen. Neben der Beteiligung an der Umsetzung des Programms geht es dabei auch um die Generierung zusätzlicher Investitionen, Erneuerungen und Ressourcen.

Auch die Bewohner sollen zur aktiven Mitarbeit eingeladen und aktiviert werden. Dies geschieht über eine sehr offensive Informationsarbeit, über Veranstaltungen und Arbeitsgruppen aber auch über Kooperationen mit Bürgern, die schon in etablierten Formen aktiv sind, z.B. in Vereinen oder Kirchengemeinden.

 

Chronologie der Erneuerung – Meilensteine und Projektbeispiele
Feb 2008
Beschluss über die Erstellung eines Handlungskonzeptes
März - Aug 2008
Erstellung des Handlungskonzeptes mit umfangreichen Analysen, Bürgerforen und Befragungen in einer Wohnsiedlung bei Jugendlichen und Unternehmen. Eine umfassende Stadtteilanalyse und zahlreiche Projektskizzen werden als Handlungsansätze entsprechend der in der Analyse festgestellten Entwicklungsbedarfe erarbeitet.
Mai 2008
Breite Bewohner- und Akteursbeteiligung im Rahmen einer Stadtteilwerkstatt
Aug 2008
Beschluss des Integrierten Handlungskonzeptes durch den Rat der Stadt Dorsten
Jan 2009
Aufnahme in das Bund-Länder-Förderprogramm „Soziale Stadt“
Apr 2010
Erste Meilensteine: Eröffnung des Stadtteilbüros und Beginn der Umsetzung von drei Projekten aus dem Handlungskonzept im sozialen Bereich. Beginn umfangreicher Umsetzungsplanungen zu verschiedenen Projekten aus dem Handlungskonzept.
Perspektiven

Das Projekt Soziale Stadt Hervest wurde im Sommer 2009 begonnen. Viele Projekte befinden sich in der konkreten Umsetzungsplanung. Es zeichnet sich ein großes Interesse bei Akteuren, Unternehmen und Bewohnern ab.

Zeche (Quelle: Stadt Dorsten) Zeche (Quelle: Stadt Dorsten)

Ein Schwerpunkt zu Beginn des Projekts ist die Errichtung eines neuen Jugendzentrums für den gesamten Stadtteil mit Außengelände, Einbindung in die Infrastruktur und unter konkreten Beteiligungsschritten. Ein besonders großes Entwicklungspotenzial bietet die Aktivierung von Zechen- und Industrieflächen, auf denen die privat getragene Instandsetzung teilweise schon begonnen hat.

Die Naturnähe und die starke Durchgrünung des Stadtteils sind eine hervorragende Ausgangslage für neue ökologische und grünplanerische Akzente.

Die umfassende Kommunikation des Projekts bereits zum Zeitpunkt der Konzepterstellung erleichtert nun die Aktivierung der Kooperationen.

 



 Ansprechpartner

Koordination

Stadt Dorsten
Umwelt- und Planungsamt
Bernd Lehmann
Halterner Straße 5
46284 Dorsten

Fon: +49 (0)2362 664956
Fax: +49 (0)2362 665761

bernd.lehmann@dorsten.de
www.dorsten.de

Stadtteilbüro

Stadtteilbüro Hervest
Joachim Thiehoff
Im Harsewinkel 26
46284 Dorsten

Fon: +49 (0)2362 999 4412
Fax: +49 (0)2362 999 4420

stadtteilbuero.hervest@lwl.org
www.hervest.info

Stand: Juli 2010
Autoren: Volker Deutsch, Stadt Dorsten; Joachim Thiehoff, Stadtteilbüro Hervest

nach oben zurück zur Übersicht der Stadtteilprofile