Dortmund Nordstadt
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Gebietscharakter und Ausgangslage
Blick auf die Nordstadt (im Vordergrund die Dortmunder City) Blick auf die Nordstadt (im Vordergrund die Dortmunder City)

Der Name ist Programm: Die Dortmunder „Nordstadt“ ist mehr als nur ein Stadtteil – denn die Größe des innenstadtnahen und hoch verdichteten Altbauquartiers ist vergleichbar mit der einer Kleinstadt. Die Fakten: 1.442 ha Gesamtfläche, davon 300 ha Wohnfläche – 54. 992 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 31.12.2013). Die drei Quartiere Hafen, Nordmarkt und Borsigplatz schaffen Struktur, benannt nach den sie prägenden Räumen.

Entstanden ist die Nordstadt im Rahmen der Entwicklung des Hafens, der Stahlindustrie und des Bergbaus als Industrievorstadt Dortmunds in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Familienzusammenführungen seit den 1970er Jahren, vermehrte Zahlen von Asylbewerbern in den 1980er Jahren, Aus- und Übersiedlerzuzüge und Kriegsflüchtlinge in den 1990er Jahren und die aktuelle Armutszuwanderung aus Südosteuropa lassen die Geschichte der Menschen in der Nordstadt zu einer Geschichte der Zuwanderung, der Sozialisation und der Integration werden. Parallel zu diesen Zuzügen wurden in den anderen Stadtbezirken Dortmunds Wohngebiete mit Sozialwohnungen und Einfamilienhäusern für die deutschen Facharbeiter gebaut. Dies beschleunigte den Wandlungsprozess in der Nordstadt, da die freigewordenen Wohnungen verstärkt durch Zuwanderer wiederbesetzt wurden.

Übersichtskarte der Gebietsabgrenzungen Soziale Stadt – Dortmund Nordstadt (Klick zum vergrößern) Übersichtskarte der Gebietsabgrenzungen Soziale Stadt – Dortmund Nordstadt (Klick zum vergrößern)

Die Nordstadt ist in vielfältiger Hinsicht ein Stadtteil mit hohem Handlungsbedarf auch aufgrund der jüngeren industriellen Vergangenheit der Region (Abbau von Bergbau, Stahlindustrie und weiterer Industriebranchen). Verglichen mit der Gesamtstadt ist die Nordstadt trotz vielfältiger Anstrengungen noch immer gekennzeichnet durch hohe Arbeitslosigkeit (insbesondere von jungen Menschen mit Migrationshintergrund), ein hohes Armuts- und niedriges Bildungsniveau, eine noch auszugleichende Branchenverteilung sowie ein zu verbesserndes Image. Die Arbeitslosenquoten sind dabei immer rund doppelt so hoch wie im städtischen Gesamtdurchschnitt.

Bereits zwischen 1986 und 1995 wurden verschiedene Themen durch das städtebauliche Nordstadt-Programm bearbeitet, ab 1991 ergänzt durch das sozial-pädagogische und das schulische Nordstadt-Programm.

Potenziale und Handlungsansätze
Quartier Hafen Quartier Hafen

1996 beschloss der Rat der Stadt Dortmund das erste integrierte Handlungskonzept für die Dortmunder Nordstadt. Ziel war es, die bereits durchgeführten überwiegend städtebaulichen Verbesserungen abzusichern und weiterhin erforderliche Maßnahmen fortzuentwickeln und stärker zu vernetzen. Projekte mit den Schwerpunkten Wohnen (Wohnungen/Wohnumfeld) und Arbeit (Ausbildung/Beschäftigung/Lokale Ökonomie) sollten die sozialen, ökonomischen, strukturellen und städtebaulichen Verhältnisse stabilisieren und verbessern. Vor allem galt es, die zahlreichen Potenziale der Nordstadt zu nutzen, wie Frei- und Freizeitflächen, Interkulturalität und die dichte Infrastruktur.

Um diese Ziele zu erreichen, wurden verschiedene Einzelprojekte in den Handlungsfeldern Städtebau, Lokale Ökonomie, Schule, Gesundheit, Beschäftigung und Qualifizierung, Public-Private-Partnership, Image und Soziale Infrastruktur durchgeführt. Die Realisierung dieser Ziele erfolgte hauptsächlich durch die Projekte der EU-Gemeinschaftsinitiative URBAN II von 2000 bis 2008.

Sportler im Hoeschpark Sportler im Hoeschpark

Viele Projekte die durch URBAN II durchgeführt wurden, konnten auch langfristig in eine Nachhaltigkeit überführt werden. In einigen Zusammenhängen wurde jedoch noch nicht abschließend die strukturelle Nachhaltigkeit etabliert. Auf der Basis dieser Ergebnisse wurde in 2008 für die Stabilisierung der Ergebnisse des URBAN II –Prozesses ein weiterführender Antrag auf Förderung aus dem EU-Ziel 2 geförderten Landesprogramm "Soziale Stadt NRW" gestellt.

Organisation und Lokale Partner

Für eine soziale Stabilisierung wurden die vorhandenen Strukturen gefestigt, der nachbarschaftliche Zusammenhalt gestärkt, die endogenen Potenziale der Wirtschaft und Gemeinschaft aktiviert und das Erscheinungsbild und die Stadtgestalt verbessert. Dies erfolgte vor allem über eine aktive Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner.

Das Depot: Zentrum für Kunst, Kultur, Handwerk und Nachbarschaft Das Depot: Zentrum für Kunst, Kultur, Handwerk und Nachbarschaft

Vor Ort wurden zahlreiche Stadtteileinrichtungen und -gruppen neben den Bewohnern am Erneuerungsprozess beteiligt, wie Politik, Akteure und auch Stadtverwaltung. Daneben unterstützten kirchliche Träger, Kirchengemeinden, Schulen und Moscheen die Arbeit im Stadtteil. Selbsthilfegruppen, freie Träger und Vereine sind ebenfalls Träger von stadtteilwirksamen Maßnahmen.

Eine äußerst wichtige Ergänzung der Organisationsstruktur ist das Quartiersmanagement (QM) in der Nordstadt. Die Quartiersmanager und -managerinnen wurden zunächst über URBAN II finanziert, von 2011 bis 2014 aus kommunalen Mitteln (www.nordstadt-qm.de). Durch das QM erfolgte eine Vernetzung und Profilbildung für die drei Quartiere der Nordstadt. Davon profitierte auch die Umsetzung des integrierten Handlungskonzeptes "Soziale Stadt - Dortmund Nordstadt".

 

Perspektiven

Seit 2009 erhält die Nordstadt durch eine deutliche Steigerung im Zuzug von Menschen aus den EU-Osterweiterungsgebieten einen erheblichen Rückschlag in ihrer Entwicklung, begleitet von einer negativen medialen Berichterstattung. Von der durch die Weltwirtschaftskrise verursachte Arbeitslosigkeit war die Nordstadt wie gewohnt doppelt so stark betroffen, wie der städtische Durchschnitt.

Neu gestaltete Fassade in der Nordstadt Neu gestaltete Fassade in der Nordstadt

Aus diesem Gesamtzusammenhang hatte die Stadt Dortmund 2010 ein Konzept für die Nordstadt („Lebenswerte Nordstadt“) entwickelt, welches alle Aktivitäten der Kommune zu den unterschiedlichsten Bereichen zusammenfasst. Es soll dazu dienen, durch eine strukturierte, integrierte Herangehensweise den aktuellen Problemlagen der Nordstadt zu begegnen, diese zu vermindern und einen Interessensausgleich in der Bewohnerschaft herzustellen. Das Konzeptergebnis beruht auf der Beteiligung von Politik, Verwaltung, Polizei, Bewohnern und Akteuren im Stadtteil, die insbesondere in der Nordstadt intensiv vernetzt sind. Das Konzept beinhaltet weit mehr als 500 Beteiligungen von Personen, die sich gemeinsam für eine „Lebenswerte Nordstadt“ einsetzen. Ein Schwerpunkt diese Konzeptes ist die Umsetzung des Programms „Soziale Stadt NRW - Dortmund Nordstadt

Die einzelnen Teilmaßnahmen dieses Programms konnten nach Erteilung des förderunschädlichen Maßnahmebeginns im Mai 2011 vorbereitet werden und im September 2011 starten. Es wurden die Weiterleitungen an Dritte vorbereitet oder die erforderlichen Ausschreibungen begonnen, sodass auch in 2011 zum Teil schon erste Erfolge erzielt werden konnten. Im weiteren Verlauf haben sich die Projekte erfolgreich im Stadtteil etabliert. (Mehr dazu: nordstadt.dortmund.de) Die Erreichung der Nachhaltigkeit ist eines der erklärten Ziele.

Der Absicht, zukünftig auch den ausfinanzierten Stadterneuerungsgebieten, die besonders von Zuwanderung betroffenen sind, einen erneuten Förderzugang zu eröffnen, wird die Stadt Dortmund mit einem Integrierten Handlungskonzept zur Förderung der Dortmunder Nordstadt mit städtebaulichem Schwerpunkt begegnen.

Dem Handlungskonzept der Landesregierung gegen Armut und soziale Ausgrenzung, „Starke Menschen = Starke Quartiere“, will Dortmund mit dieser Antragstellung folgen.

 

Materialien zum Download

Broschüre Stadterneuerung (2004) (PDF 3,4 MB)

Integriertes Handlungskonzept 2011-2014 (PDF 2,4 MB)

Übersicht der Einzelprojekte 2011–2014 (PDF 71 KB)



 Ansprechpartner

Koordination

Uta Wittig-Flick
Stadt Dortmund
Amt für Wohnen und Stadterneuerung
Abteilung Stadterneuerung und Quartiersentwicklung
Südwall 2-4
44122 Dortmund

Fon: +49 (0) 2 31 / 50 – 2 42 23
Fax: +49 (0) 2 31 / 50 – 2 39 87

E-Mail: uwittig-flick@stadtdo.de

Websites
nordstadt.dortmund.de
www.nordstadt-qm.de
www.echt-nordstadt.de


Stand: November 2014
Uta Wittig-Flick, Stadt Dortmund

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