Eschweiler Ost
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Zwischen Eschweiler und Weisweiler, unweit des Braunkohlekraftwerks, liegt der Stadtteil Eschweiler Ost. Er hat sich historisch aus dem Umfeld zweier Bergarbeitersiedlungen entwickelt. Schon seit seiner Entstehung bzw. Planung war der Stadtteil Eschweiler Ost ein klassisches Arbeiterviertel und Wohnort bestimmter Bevölkerungsgruppen.

Eschweiler Ost hat rd. 2.500 Einwohner und wird geteilt durch die L 223, die parallel zur Autobahn A 4 das Stadtgebiet von West nach Ost durchquert. Nördlich der L 223 – Dürener Straße – liegen überwiegend Wohngebiete und Infrastruktureinrichtungen. In geringem Umfang setzen sich die Wohngebiete südlich der Dürener Straße fort, werden aber Richtung Ortsausgang abgelöst durch ein großes Gewerbegebiet.

Vor der Anerkennung als Gebiet der Sozialen Stadt hatte sich die Funktion von Eschweiler Ost als Wohnstandort einkommensschwächerer Bevölkerungsgruppen verfestigt, so dass hier, auch mit zunehmender Vernachlässigung der Bausubstanz und zunehmendem Anteil problematischer, schlecht integrierter Bevölkerungsgruppen, der soziale Brennpunkt der Stadt Eschweiler entstanden war. Der Stadtteil und seine Bewohner hatten zu diesem Zeitpunkt ein ausgeprägtes Negativimage.

Folgende Merkmale belegten eindeutig die soziale und räumliche Benachteiligung:

  • überdurchschnittlicher Anteil an
     
    • sozial schwächeren Bevölkerungsschichten
    • Arbeitslosen und arbeitslosen Jugendlichen
    • Kindern und Jugendlichen
    • Senioren
    • Migranten
  • einseitige Sozialstruktur
  • unterdurchschnittliche Haushaltseinkommen
  • soziale Spannungen
  • Vandalismus
  • starke räumliche Konzentration öffentlich geförderter Wohnungen
  • schlechte Bausubstanz
  • ungepflegte Außenanlagen ohne Gebrauchs- und Erlebniswert
  • schlechter Straßenzustand
  • fehlende Gestaltungs- und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum
  • fehlende geeignete Aufenthaltsflächen für Kinder und Jugendliche
  • fehlende Treffpunkte für Jung und Alt

Das Untersuchungsgebiet umfasst 107 ha, das Fördergebiet ist begrenzt auf 32 ha.

Potenziale und Handlungsansätze

Neben seinen Problemen verfügt der Stadtteil Eschweiler Ost über eine Fülle von Potenzialen in unterschiedlichen Bereichen:

  • z. T. intakte gewachsene Bewohnerstruktur und Familienzugehörigkeit
  • vorhandene Infrastruktur (Kirche, Ganztagsgrundschule, AWO-Familienzentrum, Städtischer Kindergarten, Sportplätze)
  • Gewerbegebiet mit rd. 40 Betrieben als potenzielle Arbeitgeber vor Ort
  • überdurchschnittliches Angebot an Gütern des täglichen Bedarfs, da fast alle bekannten Discounter und Supermärkte sowie ein großer Baumarkt im Gewerbegebiet ansässig sind.
  • fußläufige Entfernung zur Innenstadt 10-15 Minuten
  • z. T. ruhige Wohnstraßen
  • die bewaldete Haldenböschung im Norden und die inzwischen renaturierte Indeaue im Süden als siedlungsnahe Grün- und Erholungsbereiche
  • die denkmalgeschützte ehemalige Bergarbeitersiedlung um den Eduard-Mörike-Platz einschließlich der zugehörigen Straßenräume und privaten Grünflächen mit hoher städtebaulicher, gestalterischer und ökologischer Qualität
  • hervorragende überörtliche Verkehrsanbindung über die im Zuge der Ortsumgehung Weisweiler und des Ausbaus der A 4 entstandene neue Autobahnanschlussstelle Eschweiler Ost.

Das grundsätzliche Ziel des Integrierten Handlungskonzeptes, die „nachhaltige und umfassende Verbesserung der Lebensbedingungen im Stadtteil“, sollte durch die Weiterführung und Stärkung vorhandener und bewährter Maßnahmen und Initiativen mit dem Ziel der langfristigen Bestandssicherung und die Ergänzung neuer Projekte eingeleitet werden. Dabei sollte der Stadtteil seine bisherige Funktion als Wohnstandort mit traditionell gemischter Bebauungs- und Bevölkerungsstruktur, mit einem überdurchschnittlichen Anteil an Mietwohnungen und einem hohen Anteil an öffentlich geförderten Wohnungen auch weiterhin erfüllen. Er sollte auch zukünftig als geeigneter Wohnstandort für die einkommensschwächere Bevölkerung dienen.

Grundvoraussetzung für den dauerhaften Erfolg aller Maßnahmen und Aktivitäten war von Beginn an die Sanierung und Aufwertung der damals noch städtischen 23 Wohngebäude mit 177 Wohnungen in der Maas-, Weser- und Oststraße, verbunden mit einer Stabilisierung der Bewohnerstruktur.

Weitere Handlungsschwerpunkte des Integrierten Handlungskonzeptes waren:

  • der Bau einer vom Stadtteil getragenen Begegnungsstätte mit großem Veranstaltungsraum, als zentraler Treffpunkt im Stadtteil und neuer Standort für die städtische Spiel- und Lernstube
  • die Umgestaltung von Straßen und Wohnumfeldverbesserung
  • die Umgestaltung des Schulhofes der Eduard-Mörike-Schule
  • der Bau eines Spiel- und Begegnungsraums für alle Generationen

Organisation und Lokale Partner
Stadtteilspaziergang Stadtteilspaziergang

Das von der Stadt Eschweiler erarbeitete Integrierte Handlungskonzept ist von Beginn an auf Fortschreibung angelegt worden, um dem initiierten Stadtteilentwicklungsprozess Rechnung tragen zu können. Eine verwaltungsinterne dezernatsübergreifende Projektgruppe, die sich zusammensetzt aus den Ämtern Stadtplanung, Liegenschaften, Sozialamt und Jugendamt wurde vom Stadtrat mit der Umsetzung und Fortschreibung des Integrierten Handlungskonzeptes und der Durchführung und Koordination der Einzelmaßnahmen beauftragt.

Die Organisation des Erneuerungsprozesses wurde von einer verwaltungsinternen Projektverantwortlichen übernommen. Dafür sollte eine direkt der Verwaltungsleitung zugeordnete Stabsstelle eingerichtet werden, um diese so mit den erforderlichen Kompetenzen zur ressortübergreifenden Koordination auszustatten. Diese Aufgabe wurde vom Planungsamt übernommen. Als Stellvertreter wurden gleichrangig Sozial- und Jugendamt benannt, die diese Vertretung je nach Aufgabenschwerpunkt übernehmen sollten.

Die Aufgaben der ‚Wohnquartiersbezogenen Aktivierung und des Aufbaus von Bewohnerorganisationen‘ und der ‚Aktivierung von Institutionen, Vereinen und Gewerbe‘ wurden von externen Auftragnehmern übernommen. Dabei wurde bewusst auf die Einrichtung eines Stadtteilbüros verzichtet und die Zugänge zu den Stadtteilakteuren aktiv betrieben.

 

Chronologie der Erneuerung – Meilensteine und Projektbeispiele
Juli 1999
Antrag auf Aufnahme in das Handlungsprogramm des Landes „Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf“ mit dem „1. Baustein zum Integrierten Handlungskonzept Eschweiler Ost“
Mai 2001
Sozialverträgliche Modernisierungsstrategie für die städtischen Wohnhäuser in der Maas-, Weser- und Oststraße
Sept 2002
Grundsatzentscheidung des Stadtrates zur Fortführung des Integrierten Handlungskonzeptes Eschweiler Ost und zur Instandsetzung und Modernisierung des städtischen Wohnungsbestandes
Dez 2002
Grundförderantrag zur Aufnahme des Stadtteils in das Programm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – Die soziale Stadt“
Jan 2004
Start des Programms „Lokales Kapital für soziale Zwecke“; in insgesamt 5 Förderperioden werden bis Juni 2008 34 Mikroprojekte gefördert.
März 2004
Eschweiler Ost wird als ‚Stadtteil mit besonderem Entwicklungsbedarf – die Soziale Stadt‘ anerkannt und mit Mitteln für investive Maßnahmen in das Stadterneuerungsprogramm 2004 eingestellt.

Der Stadtrat fällt den einstimmigen Beschluss über die ‚Prozessstruktur Eschweiler Ost‘. Auf dieser Grundlage wird eine verwaltungsinterne, dezernatsübergreifenden Projektgruppe gegründet und mit der Durchführung des Integrierten Handlungskonzeptes beauftragt.

Juli 2004
Startveranstaltung und Beginn der Arbeit im Stadtteil mit
  • der wohnquartiersbezogenen Aktivierung und dem Aufbau von Bewohnerorganisationen und
  • der Aktivierung der Institutionen, der Vereine und der Gewerbebetriebe
März 2005
Gründung der Interessengemeinschaft Bergmannssiedlung und der Interessengemeinschaft Weser-, Ost-, Maas- und Moselstraße (WOMM)
April 2005
Beginn des Entwicklungsprozesses zu einem Trägerkonzept im ‚Arbeitskreis Bürgerbegegnungsstätte‘
Juli 2005 – Feb 2007
Bauarbeiten zur Modernisierung der 8 Wohnhäuser mit 60 Wohnungen in der Weser- und Oststraße, 1. Bauabschnitt. Fertigstellung mit jetzt 48 Wohnungen.
Okt 2005
Gründung des ehrenamtlichen Dolmetscherteams
Jan 2006
Zukunftswerkstatt Eschweiler Ost, daraus entwickeln sich
  • der AK Kinder und Jugendliche
  • der AK Beschäftigungsförderung
  • der AK Vereine
März 2006
Beginn des breiten Beteiligungsprozesses zur Nutzung und Umgestaltung der Freiflächen im Stadtteil
Mai 2006
Beginn mit Kanal- und Straßenbau in der denkmalgeschützten Siedlung um den Eduard-Mörike-Platz
Juni 2006
1. Siedlerfest der IG Bergmannssiedlung auf dem Eduard-Mörike-Platz

Leitfaden für Multiplikatoren in Eschweiler Ost: Deutsch lernen in Eschweiler

Aug 2006
Einweihung des Schulerweiterungsbaus zum Betrieb der offenen Ganztagsschule an der Eduard-Mörike-Schule
Okt 2006 – Dez 2009
Bauarbeiten zur Modernisierung von 11 Wohnhäusern mit 90 Wohnungen in der Maasstraße, 2. Bauabschnitt. Fertigstellung mit jetzt 78 Wohnungen.
Nov 2006
Gründung des Unternehmerforums Eschweiler Ost
Dez 2006
Erster Spatenstich zum Bau der Bürgerbegegnungsstätte

Erstes Adventstreffen auf dem Eduard-Mörike-Platz

Mai 2007
Gründungsversammlung des Trägervereins „Bürgerbegegnungsstätte Eschweiler Ost e.V.
Juni 2007
2. Siedlerfest auf dem Eduard-Mörike-Platz mit Einweihung des Straßenumbaus in der Bergmannssiedlung

Straßenfest der IG WOMM unter Beteiligung der Strukturfördergesellschaft Eschweiler, Wohnungsverwalter und Sponsoren

Sept 2007 – Juni 2008
Umgestaltung des Schulhofs der Eduard-Mörike-Schule
Okt 2007
Einweihungsfest der IG WOMM für den neuen Spielplatz in der Weserstraße

Erster internationaler Frauenabend

Erster „Open Day“ im Gewerbegebiet Königsbenden mit dem Unternehmerforum Eschweiler Ost, den Interessengemeinschaften, dem Trägerverein Bürgerbegegnungsstätte, den Vereinen im Stadtteil und anderen Aktiven

ab Nov 2007
Regelmäßige Info-Blätter der Aktiven im Stadtteil
Januar 2008
Beginn der Bauarbeiten zum Vorplatz der Bürgerbegegnungsstätte (als Teil des Spiel- und Begegnungsraums – Baubeginn im Juli 2008)
Mai 2008
Bürgerbegegnungsstätte Bürgerbegegnungsstätte
Einweihung der Bürgerbegegnungsstätte – Nutzung durch den Trägerverein und die Städtische Spiel- und Lernstube
Juni 2008
Nachbarschaftlich organisiertes „Public Viewing“ der Spiele der Fußball-Europameisterschaft auf dem Eduard-Mörike-Platz

Beginn der Grundlagenermittlungen, Ausschreibungen und Planungen für das Modellprojekt ‚Einheitliche Fassadensanierung in der denkmalgeschützten Bergmannssiedlung‘

Aug 2008
Start des MUS-E-Projektes mit vier Klassen in drei Schuljahren an der Eduard-Mörike-Schule
Okt 2008
Zweiter „Open Day“
Nov 2008 – Nov 2009
Bauarbeiten zur Modernisierung von 4 Wohnhäusern mit 27 Wohnungen in der Maasstraße, 3. Bauabschnitt. Fertigstellung mit jetzt 24 Wohnungen
April 2009
Startveranstaltung zum Beginn der Ausführungsarbeiten am Modellprojekt ‚Einheitlichen Fassadensanierung in der denkmalgeschützten Bergmannssiedlung‘
Mai 2009
Einweihung des Spiel- und Begegnungsraums um die Bürgerbegegnungsstätte durch den Minister für Bauen und Verkehr des Landes NRW, Herrn Lutz Lienenkämper, Präsentation des Stadtteils und großes Stadtteilfest
Aug 2009
Stadtteilpräsentation zum Besuch des Bundesministers für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Herrn Wolfgang Tiefensee und seines Parlamentarischen Staatssekretärs, Herrn Achim Großmann
Sept 2009
Beginn der Arbeit des Stadtteilmanagements ‚Nachhaltigkeit‘
Nov 2009
Vorstellung des Modellprojekts „Einheitliche Fassadensanierung in der denkmalgeschützten Bergmannssiedlung“ durch IG und Stadt bei der Jubiläumsveranstaltung zum Programm „Soziale Stadt“ in Essen auf der Zeche Zollverein

Abschluss der Gerüstarbeiten zur Fassadensanierung und „Etappenfest“

Jan 2010
Großes Winterfest in der Bürgerbegegnungsstätte, organisiert vom Netzwerk Eschweiler Ost
Mai 2010
Großer MUS-E-Tag an der Eduard-Mörike-Schule
Juni 2010
Fertigstellung der Bauarbeiten zum Umbau der Eduard-Mörike-Straße

Fertigstellung und Abschlussfest zum Modellprojekt „Einheitliche Fassadensanierung in der denkmalgeschützten Bergmannssiedlung“.

Perspektiven

Im September 2010 beginnen die Bauarbeiten zur Umgestaltung der Maas-, Mosel- und Weserstraße.

Die Einzelprojekte der räumlichen Vernetzung werden in den nächsten drei Jahren umgesetzt.

Das Stadtteilmanagement ‚Nachhaltigkeit‘ arbeitet an der Verstetigung entstandener Strukturen und unterstützt zielgerichtet die Aktiven im Stadtteil.

 



 Ansprechpartner

Koordination

Projektleitung Soziale Stadt
Lisa Trienekens
Stadt Eschweiler
Planung und Entwicklung
Johannes-Rau-Platz 1
52249 Eschweiler

Fon: +49 (0) 2403 / 71-455
Fax: +49 (0) 2403 / 71-532
E-Mail: lisa.trienekens@eschweiler.de

Stand: Juni 2010
Lisa Trienekens

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