Gelsenkirchen Bismarck / Schalke-Nord
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Bilanz nach 12 Jahren Programmlaufzeit

Von 1995 bis 2004 wurde das Stadtteilprogramm Bismarck / Schalke-Nord mit Bundes-, Landes- und städtischen Mitteln gefördert. Bis Ende 2007 wurden auf dem ehemaligen Bergbaugelände Consolidation die Projekte und die Flächenaufbereitung abgeschlossen. Damit ist ein für die beiden Stadtteile sehr erfolgreicher Zwischenstand der Stadterneuerung erreicht, der neue Impulse für eine Zeit nach der Montanindustrie gebracht hat. Die sinnvoll fortzuführenden sozialen Projekte arbeiten nach Auslaufen der öffentlichen Förderung in neuer Trägerschaft weiter. Dazu wurden in einem mehrjährigen öffentlichen Diskussionsprozess neue Träger für die Projekte gefunden bzw. neue gemeinnützige Vereine gegründet.

Seit dem 01.01.2006 befindet sich Gelsenkirchen Bismarck / Schalke-Nord formell nicht mehr im NRW-Landesprogramm Soziale Stadt NRW.

Gebietscharakter und Ausgangslage

Die beiden Gelsenkirchener Stadtteile Bismarck und Schalke-Nord verdanken ihre Entstehungsgeschichte dem Bergbau und der Stahlindustrie. In dem rd. 650 ha großen Programmgebiet leben rd. 19.500 Menschen. Das Gebiet liegt im Stadtbezirk Mitte an der Stadtgrenze zu Herne.

Die Krise der Montanindustrie prägt das Gebiet. Die stufenweise Stilllegung des Bergwerkes Consolidation bis 1995 führte zum Verlust von rd. 4.000 Arbeitsplätzen und hinterließ eine 25 ha große Industriebrache. Den Wohnhäusern in der Umgebung des ehemaligen Bergwerkes und an der Haupterschließung Bismarckstraße war zu Programmbeginn die jahrelang unterlassene Instandhaltung anzusehen.

Die Teilung des Stadtteils in West- Ost-Richtung durch die Autobahn A 42 und eine parallel verlaufende Bahnlinie sowie die viel befahrene Nord-Süd-Verkehrsachse B 227 (= Bismarckstraße) entlang des Consol-Geländes wirken als Barrieren im Gebiet.

Die Bevölkerung weist die typischen sozialstrukturellen Merkmale auf, die in altindustriellen Quartieren anzutreffen sind (wie z.B. hohe Arbeitslosigkeit, hoher Ausländeranteil, geringe Bildungsbeteiligung). Dabei bestanden zu Programmbeginn jedoch kaum Angebote der sozialen und kulturellen Infrastruktur, die z.B. auf hohe Anteile Nichtdeutscher oder Alleinerziehender hätten eingehen können. Die Arbeitslosenzahl ist trotz zahlreicher Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekten aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Lage weiterhin sehr hoch. Der Ausländeranteil ist gesunken, was auch an Einbürgerungen vor allem türkischer Familien liegt.

Potenziale und Handlungsansätze

Seit Anfang 1995 wurde das Handlungskonzept für das Stadtteilprogramm schrittweise entwickelt und umgesetzt. Als zentrale Entwicklungspotenziale für den Stadtteil kristallisierten sich dabei heraus:

  • die Wiedernutzung des Bergwerksgeländes Consolidation, um eine neue, für alle zugängliche Mitte des Stadtteils Bismarck zu schaffen
  • der Bau und Betrieb der Evangelischen Gesamtschule, die mit ihren zahlreichen Innovationen und der Öffnung für die Stadtteilbewohner ein Hoffnungsträger ist.

Um diese beiden Leitprojekte ranken sich viele bauliche und soziale Projekte, die mit einem möglichst hohen Grad von Beschäftigung und Qualifizierung durchgeführt wurden. Die zukünftigen Nutzer und Nachbarn werden weitgehend an der Planung beteiligt; stadtteilbezogene Partizipation und Vernetzung stiften Identifikation.

Organisation und Lokale Partner

Das Referat Stadtplanung ist federführend für den Erneuerungsprozess zuständig. Durch das Stadtteilbüro vor Ort wurde das Stadtteilprogramm umgesetzt und fortgeschrieben.

Zentrales Stadtteilgremium ist der Arbeitskreis Bismarck/Schalke-Nord, ein Stadtteilforum mit Vertretern der Institutionen, Vereine und Träger der Sozialarbeit sowie Politikern. Dieser Arbeitskreis wird auch nach Abschluss der Förderung im neu gegründeten Präventionsrat Bismarck / Schalke-Nord fortgesetzt.

Weitere Kooperationspartner sind:

Kooperation auf Stadtteilebene (ILS NRW 2005) Kooperation auf Stadtteilebene (ILS NRW 2005)

 

Chronologie der Erneuerung – Meilensteine und Projektbeispiele
1994
Aufnahme des Gebietes Bismarck/ Schalke-Nord in das Landesprogramm
seit 1995
Beginn des Stadtteilprogramms mit der Einrichtung des Stadtteilbüros in der ehemaligen Schule an der Paulstraße und Umnutzung zum Projektehaus

vielfältige Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen mit jährlich 100-150 Teilnehmern; u.a. seit 1998 im Bereich Gebäudereinigung/ Hotel- und Gaststättengewerbe (GeHoGa)

zahlreiche Bau- und Umbaumaßnahmen mit Bewohnerbeteiligung: Spielplatzprogramm, Schulhofumgestaltung, Fassadenprogramm für private Hauseigentümer, Verkehrsberuhigung, Baumscheibensanierung

Projekte der Jugendverwaltung: "Miteinander in Bismarck", "Offener Treff im Stadtteil" (Öffnung von Tageseinrichtungen für Kinder als Nachbarschaftszentren) und "Familie in der Schule"

1996/1997
IBA-Projekt "Einfach und selber bauen" mit 28 Selbsthilfe-Häusern
seit 1996
"JULIUS B." Projekt für Jugendliche und zur Vernetzung der Vereinsaktivitäten
1997 - 2002
Umbau des denkmalgeschützten Fachwerkensembles Lahrshof zu Gesundheitshaus, Kindertagesstätte, Jugendberatungsstelle und Öffnung als Stadtteilpark
1997 - 2004
IBA-Projekt "Evangelische Gesamtschule" als multikulturelle und ökologische Stadtteilschule (die 6 Klassenhäuser wurden jährlich mit Beteiligung der SchülerInnen geplant)
seit 1997
Sprachförderung in Tageseinrichtungen für Kinder und Grundschulen für Kinder aus Migrantenfamilien (Projektbeschreibung)
1998 - 2000
Umbau der städtischen Notwohnungsunterkunft Adamshof zu regulären Sozialwohnungen, ergänzt um ein deutsch-namibisches Wandbild im Rahmen von „mural global“
seit 1998
Büro für Wirtschaftsentwicklung (BfW) zur Unterstützung des lokalen Gewerbes und Einzelhandels. Einrichtung des „Business Brunch“ als Kontaktmöglichkeit für die örtlichen Unternehmer, „Jungunternehmerstammtisch“ für Existenzgründer, jährlicher „Handwerkermarkt“ an der Ev. Gesamtschule und weitere Aktivitäten
1999
Die Begegnungsstätte Haverkamp Die Begegnungsstätte Haverkamp
Bau und Eröffnung der "Begegnungsstätte Haverkamp" (in ökologischer Holzbauweise) und Initiierung des Nachbarschaftsprojektes "Lebendiger Haverkamp"

Eröffnung des „Nachbarschaftstreffs in Schalke-Nord“, Soziale Arbeit/ Quartiersmanagement vor Ort

1999 - 2000
Bau der ersten Solarsiedlung des Ruhrgebietes mit 72 Häusern im Rahmen des Programms „50 Solarsiedlungen in NRW“
1999 - 2004
Sanierung und ökologische Umgestaltung von 8 Kinderspielplätzen
seit 1999
Umbau der denkmalgeschützten Bestandsgebäude des ehemaligen Bergwerks Consolidation zu verschiedenen stadtteiloffenen Nutzungen und Öffnung des Geländes für die Bewohner (Projektbeschreibung)
2000
Gründung des Dachvereins der im Gebiet arbeitenden Vereine und Institutionen "Forum 2000 Gelsenkirchen Bismarck/ Schalke-Nord“ (über 30 Vereine)
2001
Gut besucht: das Consol-Theater Gut besucht: das Consol-Theater
Eröffnung des „Consol-Theaters“, v. a. für Kinder u. Jugendliche, aber auch für Erwachsene und Eröffnung eines Einkaufszentrums auf dem Consol-Gelände (Projektbeschreibung)
2003
Eröffnung des „Internationalen Migrantenzentrums“ in Trägerschaft der AWO im umgebauten, denkmalgeschützten Schulgebäude Paulstraße

Fertigstellung des ConsolParks, der das Gelände für die Bewohner öffnet und durch einen Fuß- und Radweg auf der ehemaligen Zechenbahntrasse an das regionale Wegenetz anbindet

Fertigstellung des Bürgergartens Schalke-Nord, einer Spiel- und Freifläche für das Quartier

2004
Die Stadtteilakteure feiern die 10jährige Förderung des Stadtteilprogramms mit einer Veranstaltungsreihe „danke schön ... und wir machen weiter“
2005
Das Musikprobenzentrum auf dem Consolgelände Das Musikprobenzentrum auf dem Consolgelände
Eröffnung des Musikprobenzentrums „Consol 4“ mit 40 Räumen für Bands

Das Fördergerüst von Consol Schacht 9 wurde durch die Stiftung Industriedenkmalpflege restauriert. In den beiden Maschinenhäusern wurde eine Geschichts- und Kulturwerkstatt sowie die Sammlung des Bergbaukünstlers Reinhold Thiel eröffnet.

2006
Die „Bürgerplatzparty“ und der Weihnachtsmarkt finden als selbstorganisierte Feste der Bewohner des Gebietes zum 11. Mal statt
Perspektiven
Theater bringt Jugendliche in Aktion Theater bringt Jugendliche in Aktion

Zur Wiedernutzung des rd. 80 ha großen ehemaligen Kraftwerksgeländes „Graf Bismarck“ wurde das Programmgebiet 2003 erweitert. Mit der LEG wird das Gebiet auf Grundlage eines im Rahmen der IBA durchgeführten Wettbewerbs zu einem neuen Wohn- und Dienstleistungsstandort entwickelt.

Das absehbare Ende der Förderung in 2004 bedeutete nicht das Ende der Stadtteilarbeit. Die Strukturen zur Weiterführung der Arbeit auch ohne öffentliche Mittel wurden in den vergangenen Jahren gemeinsam ausgearbeitet. In zwei Perspektivwerkstätten wurden entsprechende Strategien und Konzepte zur Verstetigung vorbereitet, die sich ab 2005 bewähren. Bis Ende 2007 hat das Stadtteilbüro die begonnenen Entwicklungen weiter unterstützt.

 

Materialien zum Download

Projektdokumentation Bismarcker Business Brunch (PDF 265 KB)

Abschlussdokumentation Büro für Wirtschaftsentwicklung Gelsenkirchen Bismarck/ Schalke-Nord (PDF 1,8 MB)

Begegnungsstätte Haverkamp (PDF 1,4 MB)

Programmgebiet (PDF 601 KB)

Abschlussbericht des Büros für Wirtschaftsentwicklung (PDF 1,7 MB)

Verstetigung in Bismarck/Schalke-Nord (PDF 33 KB)



 Ansprechpartner

Koordination

Stadt Gelsenkirchen
Referat Stadtplanung 61/3
Janine Feldmann
45875 Gelsenkirchen

Telefon: +49 (0)2 09 / 1 69-4124
E-Mail: janine.feldmann@gelsenkirchen.de
Website: www.stadterneuerung.gelsenkirchen.de

Stand: März 2010
Irmgard Schiller

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