Gladbeck Butendorf
Meilensteine
Ansprechpartner
Bilanz nach acht Jahren Programmlaufzeit

In Butendorf hat sich in den letzten acht Jahren viel getan: Das Gesamtbild des Stadtteils ist freundlicher, grüner, kind-, jugend- und bürgergerechter, kooperativer und familienfreundlicher geworden, sowohl in baulicher wie auch im sozialer Hinsicht. Auch das Image des Stadtteils hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Zum Beispiel ist es heute für die Bewohnerinnen und Bewohner der Waldenburger Straße kein Stigma mehr dort zu wohnen. Überhaupt leben die meisten Menschen gerne in Butendorf. Viele Neubürger sind in den letzten Jahren in neue Einfamilienhausgebiete im Stadtteil gezogen. Das Zusammenleben der unterschiedlichen neuen und alten Siedlergemeinschaften wird derzeit an einigen Stellen noch eingeübt.

Im Hinblick auf wichtige Ziele des Butendorfer Stadtteilprojekts,

  • die Beteiligung von Bewohnerinnen und Bewohnern
  • die Zusammenarbeit der Akteure
  • die Integration von Migrantinnen und Migranten
  • die Verteilungen von Verantwortung auf verschiedene Akteure im Stadtteil
  • Menschen in Beschäftigung zu bringen und
  • selbsttragende Strukturen zu schaffen,

konnten viele wichtige Schritte unternommen und zahlreiche Projekte erfolgreich bearbeitet werden (siehe Chronologie sowie Dokumentation „Stadtteilprojekt Gladbeck-Butendorf“ unten im Bereich Materialien). Ein Beispiel: Über 300 Personen – größtenteils aus dem Stadtteil – konnten in den die Baumaßnahmen begleitenden Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen an der Stadtteilerneuerung mitarbeiten und sich auf den ersten Arbeitsmarkt vorbereiten. Herausragende bauliche Projekte sind der Bau eines Jugend-/Stadtteilzentrums in Holzmodul-Bauweise als nachhaltiges Angebot der Stadtteiljugendhilfe und der Bau des Stadtteilparks inklusive einer Sport- und Skateranlage. Hier findet nun jährlich das Stadtteilparkfest statt, ein guter Indikator für die zwar langsam aber stetig wachsende Identifikation der BewohnerInnen mit dem Stadtteil: Über 40 Vereine, Verbände und Einrichtungen aus dem Stadtteil führen das Stadtteilparkfest durch – auch im Jahr 2005 nach Beendigung der Butendorfer Programmlaufzeit. Und die Besucherzahl wächst stetig. Zurzeit werden die letzten Baumaßnahmen zu Ende geführt. Gleichwohl darf der Stadtteil nach Auslaufen des Programms Soziale Stadt nicht aus den Augen verloren werden.

Am 31.12.2004 endete für den Stadtteil Gladbeck-Butendorf die offizielle Projektlaufzeit im Landesprogramm Soziale Stadt NRW.

Gebietscharakter und Ausgangslage
Blick auf Butendorf mit Moschee Blick auf Butendorf mit Moschee

Der Stadtteil Butendorf liegt südöstlich der Gladbecker Innenstadt. Auf einer Fläche von ca. 280 ha wohnen heute rund 11.300 Menschen. Butendorf ist ein sehr heterogener Stadtteil. Er wird überwiegend durch Bergarbeitersiedlungen, aber auch durch unterschiedliche Wohnformen der Nachkriegszeit geprägt. Butendorf ist von der Innenstadt und vom südlich angrenzenden Stadtteil Brauck durch große Verkehrsbänder (Autobahn A 2 und Bundesstraße B 224) abgeschnitten.

Bei Aufnahme des Stadtteils in das NRW-Landesprogramm Soziale Stadt bestand erheblicher Handlungsbedarf in (städte-)baulicher und sozialer Hinsicht:

  • Altlastenverunreinigte Industriebrache der ehemaligen Schachtanlage Graf Moltke I/II
  • Trennwirkung durch Verkehrsbänder
  • Modernisierungsbedarf und Wohnumfeldmängel
  • Größte Notwohnungssiedlung der Stadt Gladbeck
  • Defizite an Freiflächen für Spiel- und Sportaktivitäten
  • Fehlende Jugendhilfeangebote
  • Schlechte Versorgung mit Einzelhandel und Dienstleistungen

Die Sozialstruktur des Stadtteils wird durch einen überdurchschnittlich hohen Anteil an ausländischen Bewohnerinnen und Bewohnern geprägt. Butendorf ist darüber hinaus der einwohnerjüngste Stadtteil Gladbecks.

Potenziale und Handlungsansätze
Neues soziales Leben an der Waldenburger Straße Neues soziales Leben an der Waldenburger Straße

Das Integrierte Handlungskonzept verknüpfte verschiedene kommunale Handlungsfelder zu möglichst ganzheitlichen Maßnahmenbündeln. Potenziale und Chancen lagen dabei vor allem in der Mitwirkungsbereitschaft und dem Engagement vieler unterschiedlicher Akteure aus dem Stadtteil und der Stadt Gladbeck.

Von Anfang an setzte das Integrierte Handlungskonzept auf drei Maßnahmenschwerpunkte:

  • Die bauliche und soziale Erneuerung der Notwohnungssiedlung Waldenburger Straße (Bauen, Beschäftigung und Qualifizierung, Sozialarbeit)
  • Der Aufbau eines Stadtteilbüros(Vernetzung, Kooperation, Interessenvertretung)
  • Der Bau eines Stadtteilparks (Bauen, Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, Beschäftigung und Qualifizierung)

Organisation und Lokale Partner

Motor für die integrierte Stadtteilerneuerung war das Stadtteilbüro, zunächst untergebracht in der Notwohnungssiedlung, später in der vom Abriss bedrohten Bergarbeitersiedlung Phönixstraße. Die kommunale Federführung lag beim Planungsamt der Stadt Gladbeck. Eine dezernats- und ämterübergreifende Projektsteuerungsgruppe bereitete anstehende Projekte und Maßnahmen vor und führte innerhalb der Verwaltung den Dialog direkt mit dem Verwaltungsvorstand. Die darauf aufbauende Beteiligung der politischen Gremien erfolgte im Rahmen einer uneingeschränkten positiven Begleitung und Unterstützung durch die Entscheidungsträger. Weitere wichtige Akteure der Stadtteilentwicklung waren:

  • Projektbezogene Foren "Sport im Stadtteil" und "Jugendeinrichtung"
  • Polizei
  • Stadtsportbund (SSV)
  • Katholische und evangelische Kirche
  • Wohnungsunternehmen
  • 3 Moscheevereine: Aleviten, Ditib, Milli Görüs
  • Elterninitiativen für Spielplatzprojekte
  • Netzwerk Multiplikatorinnen (bestehend aus ev. und kath. Kirche, 3 Moscheevereine, Ausländische Frauen und Junge Ausländer-AFujA e.V. (bis 2002), Mädchenzentrum, Gleichstellungsbeauftragte, Ausländerbeirat, RAA)
  • AWO als Trägerin des Freiwilligen Sozialen Trainingsjahres (FSTJ) sowie daran teilnehmende Jugendliche
  • Sozialdienst katholischer Frauen (SkF)
  • Initiative "Stadtteilparkfest" mit über 40 Akteuren
  • Schulen im Stadtteil
  • Kindergärten im Stadtteil
  • Kinderschutzbund
  • Selbstorganisierte Jugendliche (Skater, Graffiti-Maler)

Akteursgeflecht im Rahmen der vier Eckpunkte des integrierten Handlungskonzeptes Akteursgeflecht im Rahmen der vier Eckpunkte des integrierten Handlungskonzeptes

 

Chronologie der Erneuerung – Meilensteine und Projektbeispiele
Januar 1996
Aufnahme in das Landesprogramm Soziale Stadt NRW
Mai 1996
Verabschiedung des Integrierten Handlungskonzepts der Stadt Gladbeck für Butendorf
Juli 1996
Nach dem Umbau - Häuser der ehemaligen Notwohnsiedlung Nach dem Umbau - Häuser der ehemaligen Notwohnsiedlung
Übernahme der ehemals vom Jugendamt betreuten sozialpädagogischen Betreuungseinrichtung als Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbetreuungsstelle in das Programm.

Beginn des Umbaus der Notwohnsiedlung Waldenburger Straße, bestehend aus insgesamt 8 Häusern, in 4 Bauabschnitten. Gesamtfertigstellung im März 2002: dort leben nun 39 Familien mit 53 Kindern, der Anteil der deutschen und Migrantenfamilien liegt bei 45% zu 55%

Sept 1996
Einrichtung des Stadtteilbüros in der Notwohnsiedlung Waldenburger Straße 4
März 1997
Neueröffnung des zweigruppigen Kindergartens "Oase" im EG des Hauses Waldenburger Straße 2
Juli 1997 – Aug 2002
Aufbau des 4 ha großen Stadtteilparks Butendorf (Park, Skateranlage, Streetballfeld, Spielplätze, u. a.) mit Beschäftigung und Qualifizierung und intensiver Bürgerbeteiligung.
1995 - Mai 1998
Bau eines türkisch-islamischen Kulturzentrums durch DITIB
seit 1997
Skateanlage im Stadtteilpark an der Horster Straße Skateanlage im Stadtteilpark an der Horster Straße
Jährliches Stadtteilparkfest mit über 40 Akteuren
1998
Wohnumfeldmaßnahme Glatzer Straße Wohnumfeldmaßnahme Glatzer Straße
Mädchen- und Frauentreff (Sprachkurse, Freizeitangebote, Theatergruppe) Einrichtung einer Hausaufgabenhilfe an der Waldenburger Straße
1999 - 2004
Wohnumfeldverbesserungsmaßnahmen Glückaufstraße und Glatzer Straße und Ausführung des Haus- und Hofflächenprogramms
Mitte 1999 – 2004
Sitz- und Spielschlange unter der Autobahnbrücke A2 am Spielplatz Nattkamp Sitz- und Spielschlange unter der Autobahnbrücke A2 am Spielplatz Nattkamp
Schulhofumgestaltungen; Spielplatzgestaltungen mit Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen (B&Q)
Sept 1999 – April 2003
Das neue Jugendzentrum CARO an der Schachtstraße Das neue Jugendzentrum CARO an der Schachtstraße
Bau eines Jugend- und Stadtteilzentrums durch einen Beschäftigungsträger (B&Q)
2000 - 2003
Modernisiertes Haus an der Phönixstraße Modernisiertes Haus an der Phönixstraße
Ringen um die Bergarbeitersiedlung Phönixstraße mit städtebaulicher Rahmenplanung und Unterstützung einer Quartiersarchitektin: Geplant war ein mieterorientiertes Übernahmemodell. Dieses scheiterte an der Mitwirkungs-bereitschaft der BewohnerInnen. Nach fast vollständigem Leerzug drohte der Abriss. 2008 hat ein Bauträger die Siedlung von der Deutschen Annington erworben. Er renoviert und vermarktet die Siedlung erfolgreich.
2002
Städtebauliche Rahmenplanung für den Bereich der „Kleinen Mitte – Butendorf“ mit dem Ziel der Verbesserung der Stadtteilnahversorgung
Juli 2002
Wandmalprojekt "mural global" durch Farbfieber e.V.: "Schau mal übern Tellerrand"
Okt 2002
"1. Interkultureller Friedenstag" in Gladbeck, gemeinsamer Gebetstag der kath. u. ev. Kirche und der drei islamischen Kulturvereine (wird fortgeführt)
Dez 2002
Umzug des Stadtteilbüros zur Phönixstraße 41
2003
Gründung eines interreligiösen Gesprächkreises mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern der fünf Religionsgemeinden und Islamischen Kulturvereine
März 2003
1. Seminar "Islam in Gladbeck, mehr Wissen = Alltagskonflikten neu begegnen", in Kooperation mit Polizei und Ausländerbeirat (Basis- und Aufbauseminare 2x jährlich)
2004 – 2005
Grünvernetzung im Stadtteil – vom Stadtteilpark zur Jugendeinrichtung
2005 – 2006
Mädchenspielplatz „Reise zur Sonneninsel“ am Jugendzentrum CARO Mädchenspielplatz „Reise zur Sonneninsel“ am Jugendzentrum CARO
Bau eines Mädchenspielplatzes auf dem ehemaligen Zechengelände
2006 – 2007
Abschluss der Bauarbeiten im Stadtteilpark-Süd nach Entwicklung des Neubaugebietes
2004 / 2005
Ende der Förderung, Umzug des Stadtteilbüros in den Stadtteil Brauck mit weiterer Betreuung des Stadtteils Butendorfs (AK, AG und Veranstaltungen)
2007
Fertigstellung der letzten Spielbereiche im Stadtteilpark
2010
Beispiel einer Parcoursstation – Hügel mit Rails Beispiel einer Parcoursstation – Hügel mit Rails
Bau des Spielplatzes Diepenbrockstraße für Parcoursläufer in direktem Umfeld der nunmehr geretteten und fast vollständig renovierten Siedlung Phönixstraße
Bilanz und Perspektiven
Fest zur Einweihung des Wandbildes Fest zur Einweihung des Wandbildes

Das Stadtteilbüro ist weiter nach Süden gezogen und hat im Stadtteil Brauck seine Arbeit aufgenommen. Hier hatte man seit Jahren mit großem Interesse die Stadtteilerneuerung in Butendorf verfolgt und zum Schluss eindringlich gefordert, in Brauck die Arbeit der Sozialen Stadt weiter zu führen. Dankenswerterweise wurde der Stadtteil Brauck in der Zwischenzeit als Folgestadtteil in das Programm aufgenommen. Dennoch bestehen über das Stadtteilbüro Brauck auch heute noch vielfältige Kontakte und Netzwerkstrukturen zu Butendorf. So beteiligt sich das Stadtteilbüro Brauck in der Übergangsphase weiterhin an der Arbeit des Runden Tisches Butendorf und an verschiedenen Veranstaltungen.

Die Welt am Sonntag schreibt in einem Artikel vom 16. Mai 2004 über die Arbeit des Stadtteilprojektes Butendorf, dass sich die „Frischzellenkur“ im Stadtteil gelohnt hat. So sehen es auch alle am Prozess Beteiligten. In der Rückschau war die Arbeit des Stadtteilprojektes Butendorf ein gelungenes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement in der Stadt Gladbeck.

 

Materialien zum Download

Abschlussdokumentation Stadtteilprojekt Gladbeck-Butendorf (PDF 1,7 MB)


Stand: Stand: Februar 2010
Carola Paß-Claßen, Projektleitung
Petra Appelhoff, Stadtteilbüro Brauck

nach oben zurück zur Übersicht der Stadtteilprofile