Köln Mülheim
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Gebietscharakter und Ausgangslage
Programmgebiet MÜLHEIM 2020 (Klick zum vergrößern) Programmgebiet MÜLHEIM 2020 (Klick zum vergrößern)

Der Stadtteil Mülheim im rechtsrheinischen Teil der Stadt Köln ist ein durch starke wirtschaftliche Umbrüche und soziokulturelle Problemlagen gemischt-strukturierter Wohn- und Arbeiterstadtteil. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg war Mülheim ein bedeutender Industriestandort, dominiert durch die ansässigen Firmen Felten & Guilleaume / Carlswerk, Böcking, KHD (heute Deutz AG) und den Mülheimer Hafen. So fand die Entwicklung des Otto-Motors ebenso in Mülheim statt wie die der Wuppertaler Schwebebahn. In dieser Zeit arbeiteten viele Kölnerinnen und Kölner in Mülheim.

Seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts findet ein anhaltender Prozess des Arbeitsplatzabbaus und der Schließung zahlreicher dieser den Stadtteil so lange prägenden Industriebetriebe statt. Übrig bleiben neben vielen Industrie- und Brachflächen momentan vor allem soziale Probleme. Denn die soziokulturelle Entwicklung des Stadtteils hängt unmittelbar mit dem wirtschaftlichen Strukturwandel zusammen. Daher sind Arbeitslosigkeit, Sozialhilfebedürftigkeit und Armut in Köln-Mülheim stärker ausgeprägt als im Durchschnitt der Stadt Köln.

Das Programmgebiet wird von einer zunehmenden sozialen Verinselung geprägt. Einige wenige Viertel im Süden entwickeln sich besser als die Gesamtstadt, andere Viertel fallen deutlich hinter den städtischen Durchschnitt zurück. In den Vierteln mit einer schwächeren Sozialstruktur wohnen besonders viele Kinder.

Der Trend zur Verinselung wird durch den industriellen Strukturwandel und aktuelle wohn- und städtebauliche Entwicklungen verstärkt, so dass teilweise harte räumliche Grenzen entstehen – sowohl zwischen gut und schlecht verdienenden Bevölkerungsteilen als auch zwischen der alteingesessenen deutschstämmigen Bevölkerung und der Einwohnerschaft mit Migrationshintergrund.

Den beschriebenen Problemen trug die Stadt Köln bereits in den 1980er Jahren Rechnung: Teile von Mülheim wurde als Sanierungsgebiet ausgewiesen, um den städtebaulichen Herausforderungen und der ökonomischen wie sozialen Schieflage im Stadtteil zu begegnen. Von 1986 bis 2008 konnte in Mülheim-Nord und Mülheim-Süd eine Stabilisierung der Wohnsituation durch Investitionen in einer Gesamthöhe von über 120 Mio. € in weiten Teilen sichergestellt werden. 2001 wurde Mülheim als Erweiterungsgebiet des Stadtteils Kalk in das Landesprogramm „Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf – Soziale Stadt NRW“ aufgenommen. Mit dem Auslaufen des „Kalk-Programms“ 2002 wurde seitdem Mülheim als Programmgebiet fokussiert, wo seit 2003 sozio-kulturelle Maßnahmen die Sanierungstätigkeiten ergänzen.

Das Programmgebiet setzte sich zunächst aus den Stadtteilen Mülheim und Buchforst zusammen. Dort wohnen 46.011 Einwohnerinnen und Einwohner. Mit der Anerkennung des Integrierten Handlungskonzeptes „MÜLHEIM 2020 Wege öffnen – Übergänge schaffen – zusammen wachsen“ im Jahr 2008 vergrößert sich das Programmgebiet um den Stadtteil Buchheim und somit auch die Einwohnerzahl um 8.845 auf 54.856.

Potenziale und Handlungsansätze

Mit dem Auslaufen des „Kalk-Programms“ im Jahr 2002 wurde seitdem Mülheim als Programmgebiet fokussiert. Von den aus dem Kalk-Programm übernommenen Handlungsschwerpunkten

  • Wiederaufbau der Wirtschafts- und Beschäftigungsbasis
  • Stabilisierung und Ergänzung der Wohnungsfunktion und
  • Verdichtung des sozial-kulturellen Netzwerkes

wurde in Mülheim bisher insbesondere die soziokulturelle Stabilisierung forciert.

Für den Programmstadtteil Mülheim existierte kein eigenständiges Integriertes Handlungskonzept. Dieses wurde in 2008 / 2009 unter dem Titel „MÜLHEIM 2020 Wege öffnen – Übergänge schaffen – zusammen wachsen“ erarbeitet. Nach einer umfassenden Sozial- und Wirtschaftsanalyse des Programmgebietes formuliert dieses als zentrale Handlungsfelder:

  • Lokale Ökonomie
  • Bildung und
  • Städtebau.

Abgeleitet wurden diese Schwerpunkte aus den Erkenntnissen der bisherigen Arbeit. Nach wie vor sind große Defizite im Bereich der schulischen Bildung, der Berufsaus- und der Weiterbildung im Stadtteil vorhanden. Die Arbeitslosenquote ist vergleichsweise hoch. Ebenso gibt es überdurchschnittlich viele Bedarfsgemeinschaften, die auf Transferleistungen angewiesen sind. Besonders schlecht stellt sich die wirtschaftliche Lage der Migrantinnen und Migranten im Stadtteil dar.

Das Programm MÜLHEIM 2020 prüft daher, welche Chancen und Problemlösungen sich angesichts der industriellen Vergangenheit und Gegenwart des Stadtteils und den damit verbundenen Potenzialflächen, der Lage des Stadtteils am Rhein oder der aktuellen Situation der Geschäftsstraßen ergeben. Um einen erfolgreichen Weg zu beschreiten, baut MÜLHEIM 2020 auf den bisherigen und laufenden Projekten und Maßnahmen auf und bezieht zukünftige Planungen mit ein.

Organisation und Lokale Partner

In Köln ist das Stadtteilmanagement nicht institutionalisiert, sondern in der Verwaltung beim Amt für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Köln angesiedelt. Es dient als Projektkoordination vor Ort, als Vermittlung zwischen Politik, Verwaltung, den lokalen Akteuren und der Programmgebietsbewohnerschaft sowie zur Verzahnung der Handlungsfelder der integrierten Stadteilentwicklung, um damit die geforderte zügige Umsetzung, Weiterentwicklung und letztendlich den Erfolg der Fördermaßnahmen sicher zu stellen.

Die Aufgaben des Stadtbereichsmanagements liegen insbesondere in der

  • Öffentlichkeitsarbeit, Bürgerinformation und der Organisation von zielgruppen- und projektadäquaten Beteiligungsverfahren zur Begleitung der investiven und nicht-investiven Fördermaßnahmen,
  • Defizitanalyse und Bedarfsermittlung im Dialog mit lokalen Projektträgern, Bewohnern und Politik,
  • Beratung und Begleitung von lokalen Projektträgern, von der Antragstellung über das Berichtswesen bis hin zur laufenden Wirksamkeitskontrolle,
  • Initiierung von ergänzenden Projekten sowie
  • Initiierung und ggf. Moderation von themenbezogenen Konferenzen und Arbeitskreisen zur Sicherstellung des Dialogs zwischen Bürgerschaft, Bezirkspolitik, Trägernetzwerken und Fachverwaltung.

Ein wichtiger bezirklicher Partner sind die Mülheimer Bürgerdienste. Dieser Arbeitskreis ist ein Zusammenschluss von über 90 Einrichtungen und Institutionen aus den Bereichen Arbeit, Beratung, Bildung, Freizeit, Betreuung und Wohnen. Eine Versammlung mit dem Ziel des Informationsaustausches und der Koordination gemeinsamer Projekte (z.B. Markt der Möglichkeiten) findet ca. alle drei Monate statt. Um den weiteren Dialog zu sichern, werden auch Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung zu den Treffen eingeladen.

Daneben sind die Sozialraumkoordinatorinnen für Mülheim Nord und Keupstraße sowie für Buchforst wichtige lokale Partnerinnen. Diese organisieren regelmäßige Stadtteilkonferenzen, an denen das Stadtteilmanagement teilnimmt und somit ein ständiger Austausch gewährleistet wird.

Im Rahmen der Umsetzung des Programms MÜLHEIM 2020 werden diese Strukturen weitergeführt. Das Stadtteilmanagement wird im Zuge dessen der neu geschaffenen Vor-Ort-Einrichtung, dem Mülheimer Bildungsbüro, zugeordnet. Es bildet eine Scharnierfunktion zwischen den im Programm MÜLHEIM 2020 dargestellten und den davon unabhängig im Stadtteil umgesetzten Projekten und sorgt für die Nutzung von Synergien und die Vermeidung von Doppelungen. Das Stadtteilmanagement bindet bestehende Initiativen und Netzwerke in die Zielperspektive von MÜLHEIM 2020 ein und sorgt für den Aufbau ergänzender Netzwerke. Es arbeitet eng mit den Sozialraumkoordinatorinnen und Vor-Ort-Einrichtungen zusammen.

Neu eingerichtet werden die Foren Wirtschaft und Bildung. Sie dienen dem fachlichen Austausch innerhalb der Handlungsfelder lokale Ökonomie und Bildung. Hier werden Fachvertreter (z.B. der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer, der Projektträger, der Fachämter, der Schulen und der Wirtschaft) zusammenkommen, um sich über Projektsynergien und die detaillierten Zielausrichtungen der Einzelprojekte auszutauschen. Es handelt sich dabei um projektbegleitende Fachgremien.

Der Veedelsbeirat begleitet die Programmumsetzung, berät die Bezirksvertretung Mülheim und die Fachausschüsse des Rates in allen das Programm MÜLHEIM 2020 betreffenden Entscheidungen und stellt die Einbindung der Akteure vor Ort sicher. Er ist mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Akteuren aus dem Programmgebiet besetzt. Eine offene Bürgerfragestunde garantiert die Einbindung der Bewohnerschaft. Der Vorsitz und die Sitzungsleitung liegen beim Bezirksbürgermeister.

 

Chronologie der Erneuerung

Der Programmstadtteil Mülheim wurde 2001 als Gebietserweiterung des Programmstadtteils Köln-Kalk in das Förderprogramm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die Soziale Stadt NRW“ aufgenommen.

2003 wurde die erste Stufe des Mülheim-Programms bewilligt. Als Meilensteinprojekte gelten:

  • JobRAPID, ein trägerübergreifendes Projekt zur Arbeits- und Beschäftigungsförderung
    JobRAPID richtet sich an besonders benachteiligte Menschen in Köln-Mülheim, die sich bisher einem Zugang zum Arbeitsmarkt verschließen oder diesen alleine nicht finden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen durch praktische, individuell ausgerichtete Arbeitserfahrungen und Praktika in Verbindung mit einer engen sozialen Betreuung erste Schritte zurück in die Arbeitswelt machen, um so dauerhaft dem Arbeitsmarkt wieder zugeführt werden zu können. Das Projekt wurde von der Christlichen Sozialhilfe Köln e.V. durchgeführt und endete im November 2009. [mehr ...]

Stadtteilzentrum Buchforst Stadtteilzentrum Buchforst

  • Aufbau und Einrichtung eines Stadtteilbüros zur Entwicklung der sozialen Infrastruktur in Köln-Buchforst
    Das Stadtteilbüro wird seit 2003 gefördert und hat sich im Laufe der Jahre zu einer festen Einrichtung in Köln-Buchforst etabliert. Es wird durch den Runden Tisch Buchforst e. V. betrieben. Die Einrichtung richtet sich an die Zielgruppe der Buchforster Bewohnerinnen und Bewohner aller Altersgruppen, insbesondere aber an Kinder und Jugendliche, junge Frauen, Alleinerziehende, Senioren und Menschen mit geringem Einkommen. Es dient der Weiterentwicklung von bestehenden und neuen Angeboten für diese Zielgruppen, der Förderung und der Integration der unterschiedlichen Bewohnergruppen in das Stadteilleben bzw. die Stadtteilkultur. [mehr ...]

  • Movens (Motivation, Sensibilisierung und Vermittlung von Jugendlichen (insbesondere mit Migrationshintergrund) in Praktikum, Ausbildung und Beruf)
    Das Projekt hat das Ziel, Jugendliche bei der beruflichen Orientierung und bei der Suche nach Praktikums- sowie Ausbildungsplätzen zu unterstützen. Jugendliche und junge Erwachsene haben die Möglichkeit ihre Interessen, Stärken, Fähigkeiten und Fertigkeiten an Hand von theaterpädagogischen und allgemeinbildenden Maßnahmen bzw. Kursen zu reflektieren und ihre Defizite zu beheben. Das Projekt wird von der Netzwerk-Interkultureller Sozialer Service gGmbH Köln (Netzwerk-ISS) durchgeführt und endet Ende August 2010. [mehr ...]

  • Hallo Nachbar, danke schön!
    Das Projekt zur Förderung von Bürgerengagement für mehr Sauberkeit, Lebensqualität und Wirtschaftskraft im Umfeld des Marktplatzes und Bürgerparks Berliner Straße – Hallo Nachbar, danke schön! – wird federführend vom Amt für Umwelt- und Verbraucherschutz des Stadt Köln durchgeführt. Ziel dabei ist es, die Identifikation mit dem Lebensumfeld zu stärken, das Verantwortungsbewusstsein der Bewohnerinnen und Bewohner zu wecken, Methoden und Notwendigkeit der Müllvermeidung und -beseitigung verständlich zu machen, die Eigeninitiative der Bewohnerschaft für die Pflege ihrer unmittelbaren Umgebung zu aktivieren und den Straßenmüll und die Verschmutzung zu reduzieren. Die Zielgruppe bildet dabei die Bewohnerschaft des ausgewählten Projektgebietes, insbesondere Kinder und türkischstämmige Bürgerinnen und Bürger. [mehr ...]

Perspektiven

Das Integrierte Handlungskonzept zeigt unter dem Titel „MÜLHEIM 2020 Wege öffnen – Übergänge schaffen – zusammen wachsen“ Möglichkeiten auf für eine strukturelle Verbesserung der Programmgebiete Mülheim, Buchforst und neu hinzugekommen auch für den Stadtteil Buchheim. Ziel ist es, eine bessere wirtschaftliche und soziale Zukunftsperspektive für das Programmgebiet zu entwickeln. Bis voraussichtlich 2014 soll sich der neue Wachstumspfad soweit stabilisiert haben, dass die relevanten Strukturen im Stadtteil neu ausgerichtet sind und aus eigener Kraft den Weg – im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung – weiter gehen können. Zusätzliche Förderprojekte sollten dann Schritt für Schritt unnötig werden.

Entwicklung ehemaliger Industrie- und Gewerbebereiche zu Standorten der Kreativwirtschaft (hier ehemals NKT-Cabels) Entwicklung ehemaliger Industrie- und Gewerbebereiche zu Standorten der Kreativwirtschaft (hier ehemals NKT-Cabels)

Das Programm MÜLHEIM 2020 beinhaltet ca. 40 Einzelprojekte, für die Finanzmittel in Höhe von ca. 40 Mio. € kalkuliert wurden. Die Kofinanzierung für das Programm MÜLHEIM 2020 übernimmt bei einem überwiegenden Teil der Projekte die Stadt Köln. Es ist jedoch gelungen, auch andere Partnerinnen und Partner wie die Arbeitsgemeinschaft Köln (ARGE) und die Bundesagentur für Arbeit in die Finanzierung mit einzubeziehen. Dies ist erfreulich, weil damit wichtige Akteure aus dem Stadtgebiet mit eingebunden werden, deren Netzwerke und ihre imagewirksame Unterstützung für den Erfolg von MÜLHEIM 2020 und die Initiierung einer Aufbruchstimmung im Programmgebiet grundlegend sind.

Das Ziel des Programms MÜLHEIM 2020 liegt auch darin, die Projektumsetzung durch einen aktivierenden Prozess zur Konsens- und Imageentwicklung in Form eines neuen „Mülheim-Gefühls“ zu unterstützen. Als Ergebnis eines gemeinsamen Imageentwicklungsprozesses mit den Akteuren vor Ort unterstützt diese Entwicklung das wirtschaftliche Wachstum des Programmgebiets, die innere soziale Zufriedenheit und das Interesse der Kölnerinnen und Kölner und der Region am Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsstandort Mülheim. Die Internationalität des Stadtteils ist ein Potential und sollte positiv in die Imagebildung mit einbezogen werden.

 



 Ansprechpartner

Stadt Köln

Amt für Stadtentwicklung und Statistik
Stadthaus Deutz - Westgebäude
Willy-Brandt-Platz 2
50679 Köln

Tel.: 0221 221-22267
Fax: 0221 221-21900
E-Mail: stadtentwicklung.statistik@stadt-koeln.de

Stand: August 2010
Stephanie Dormann, Stadt Köln

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