Monheim am Rhein - Berliner Viertel
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Bilanz nach 10 Jahren Programmlaufzeit

Zwischen 1995 und 2005 wurden im Berliner Viertel verschiedene bauliche und so genannte nicht-investive Projekte aus dem Sozial- und Jugendbereich sowie der Beschäftigung und Qualifizierung realisiert. Nach Abschluss der baulichen Maßnahmen wurde in der Verstetigungsphase bis 2009 das Stadtteilmanagement zunächst unter dem Dach von Marke Monheim e.V. durchgeführt. Die LEG Wohnen Köln unterstützte den Prozess bis 2007. Das Gesichts des Quartiers wurde in der Förderperiode insbesondere durch die Umgestaltung des öffentlichen und privaten Wohnumfeldes (7 Bauabschnitte, Mietergärten, Spielplätze, öffentliche Plätze und Flächen) umfassend verändert. Die LEG Wohnen hat in der Folge umfangreich in den Wohnungsbestand (20 Mio. Programm: Bäder, Küchen etc.) investiert. Darüber hinaus wurde der Einzelhandelsstandort Ernst-Reuter-Platz durch die Ansiedlung SB-Warenhauses, den Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses gestärkt. In der Folge hat sich auch die Einzelhändlergemeinschaft mit der Gründung eines formalen Zusammenschlusses (in 2009) besser aufgestellt. Insgesamt konnte die Negativentwicklung seit Mitte der 1980er Jahre gebremst werden. Der Wohnstandort hat eine nachhaltige Perspektive erhalten. Viele Probleme insbesondere im sozialen Bereich bleiben aber bestehen, die Bewohnerstruktur ist auch weiterhin schwierig, daher hat ein Fortbestand der entwickelten Strukturen eine große Bedeutung. Die Imagearbeit ist eine Daueraufgabe.

Mit dem Verkauf der landeseigenen LEG Wohnen haben sich die Rahmenbedingungen für die weitere Quartiersentwicklung deutlich verändert. Wurde der bisherige Erneuerungsprozess u.a. auch durch erhebliche eigene Investitionen des Wohnungseigentümers in den Gebäudebestand voran gebracht, kann dieses Engagement zukünftig nicht mehr vorausgesetzt werden. Zudem bieten die Bewirtschaftungsgrundsätze des neuen Eigentümers offenkundig weniger Spielräume für integrierte Quartiersentwicklungsstrategien.

Gebietscharakter und Ausgangslage
Wohnhäuser mit Abstandsgrün Wohnhäuser mit Abstandsgrün

Das Berliner Viertel ist eine typische Großwohnsiedlung der 1960er und 1970er Jahre mit einer Fläche von ca. 45 ha und rund 11.000 Einwohnern (25 % der Gesamtbevölkerung der Stadt Monheim am Rhein). Mit Ausnahme einiger Hochhäuser überwiegen Häuser mit drei bis vier Geschossen. Der relativ grüne Stadtteil ist zu Fuß vom nordwestlich angrenzenden Stadtzentrum von Monheim erreichbar und von diesem lediglich durch eine Verkehrsstraße getrennt.

Die Bevölkerungsstruktur hat sich in der Vergangenheit stark gewandelt. Seit Mitte der 1980er Jahre verließen einkommensstärkere Haushalte zunehmend das Berliner Viertel. Die neu Hinzuziehenden waren zum einen zunehmend Migranten-Familien. Zum anderen hat im Zuge der Fort- und Zuzüge auch der Anteil der Haushalte stark zugenommen, die Sozialhilfe, Arbeitslosenunterstützung oder andere staatliche Transferleistungen erhalten. Hierdurch hat sich auch der Bedarf an sozialen Angeboten im Stadtteil erhöht. Der Mitte der 1990er Jahre erfolgreich begonnene Erneuerungsansatz konnte zu einer stärkeren Bindung der Menschen an ihr Quartier beitragen. Dennoch liegt in der Stärkung der Akzeptanz des Stadtteils durch die Bewohner sowie in der Verbesserung des Stadtteilimages bei Außenstehenden weiterhin eine wichtige Aufgabe.

Potenziale und Handlungsansätze

Die räumlichen Potenziale des Berliner Viertels liegen neben der starken Durchgrünung in seiner zentralen Lage und der Nähe zum Rhein.

Neu gestalteter Vorplatz Neu gestalteter Vorplatz

Die einvernehmliche Unterstützung aus Politik und Verwaltung für die Erneuerung dieses Stadtviertels sowie die Mitwirkung des Wohnungseigentümers sind Voraussetzung für die bisher erreichten positiven Veränderungen.

Erste Ansätze zur Aufwertung des Berliner Viertels sind bereits im "Nachbesserungskonzept" von April 1991 enthalten. Das daraus entwickelte integrierte Handlungs- und Finanzierungskonzept von Mai 1995 setzte Schwerpunkte u.a. im Bereich der Wohnungswirtschaft, der Wohnumfeldverbesserung und der Festigung sozialer Bindungen über spezielle Angebote für Initiativen und Gruppen des Stadtteils. Durch eine intensive Beteiligung der Bewohner an den Wohnumfeldplanungen, einen Bewohnertreff und ein gezieltes Stadtteilmarketing sollen das Zusammenleben und die Identifikation mit dem Wohnquartier gefördert werden. Weitere Bausteine sind die Stärkung der ökonomischen Basis, Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen und die Gesundheitsförderung.

Organisation und Lokale Partner

Das Stadtteilforum ist als Zusammenschluss aller Akteure vor Ort das zentrale Gremium im Stadterneuerungskontext: Kirchliche und gemeinnützige Träger, Schulen, Kulturinitiative Berliner Viertel/ Eventmanagement, Wohnungseigentümer, Politik und Verwaltung agieren gemeinsam unter diesem Dach. Weitere Akteure:

  • Jour-fixe; monatliche Koordinierungsrunde mit Vertreterinnen und Vertretern der städtischen Fachverwaltung und der LEG NRW
  • Stadtteilbüro Berliner Viertel: bis 2005 als extern beauftragte Stadtteilmanager Planungsbüro BASTA + PLANUNGSGRUPPE STADTBÜRO, danach Stadtteilmanagement unter dem Dach von Marke Monheim e.V. bis ???
  • LEG NRW (Mieterzentrum Monheim) als Haupteigentümerin der Wohnungsbestände
  • Mieterbeirat der LEG NRW
  • Beschäftigungs- und Qualifizierungsträger (Fa. ÖkoBau gGmbH)
  • Ausländerbeirat
  • Einzelhändlerschaft am Ernst-Reuter-Platz
  • Multikultureller Verein Vielfalt e.V.

Einzelhändler am Ernst-Reuter-Platz (Quelle: Frank Dora) Einzelhändler am Ernst-Reuter-Platz (Quelle: Frank Dora)

 

Chronologie der Erneuerung – Meilensteine und Projektbeispiele
1995
Eröffnung des Stadtteilbüros, Einsetzung des extern beauftragten Stadtteilmanagements
1995 - 2001
Herausgabe der Stadtteilzeitung "Süd-Gazette" (vierteljährlich)
seit 1995
Zahlreiche Wohnumfeldverbesserungsmaßnahmen mit intensiver Beteiligung der Bewohner: Neugestaltung öffentlicher Flächen, u.a. Heinrich-Zille-Platz, Umfeld Kulturzentrum, Ernst-Reuter-Platz/ Friedrichstraße; Neugestaltung privater Freiflächen der LEG/ Anlage von Mietergärten; Schulgeländegestaltungen
1996
Erarbeitung eines Abfallwirtschaftskonzeptes
seit 1996
"Tage der Vielfalt" mit zahlreichen interkulturellen Aktivitäten und Veranstaltungen

Entwicklung und Durchführung von Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekten (Garten- und Landschaftsbau, Kompostierung, Wohnumfeldpflege, Stadtteilcafé)

1997
Das Stadtteilcafe (Quelle: Joachim Bastan) Das Stadtteilcafe (Quelle: Joachim Bastan)
Einrichtung eines Stadtteilcafés: Anlaufstelle, Ort für gemeinschaftliche Aktivitäten/ kulturelle Veranstaltungen

Einzelhandelskonzept: Revitalisierung des Einkaufszentrums Ernst-Reuter-Platz/ Friedrichstraße

Fotowettbewerb "Das Berliner Viertel, ein Stadtteil mit vielen Gesichtern"

seit 1997
Übermittagbetreuung von Kindern, Ganztagsbetreuung in Grundschulen
seit 1998
Kulturinitiative Berliner Viertel zur Belebung stadtteilkultureller Aktivitäten; ab 2001 Fortführung als Eventmanagement

Fun Fete - Sport, Spiel, Spaß, Kultur am Ernst-Reuter-Platz; jährliche Fortführung - Event mit stadtweiter Bedeutung

1999
Nach langer Diskussion: Ratsbeschluss zur Fortschreibung des Handlungs- und Finanzierungskonzeptes

Auf Grundlage einer Zwischenbilanz: Entwicklung neuer Ziele und Projekte sowie Hinweise zur Umsetzung

Einführung der betreuten Kompostierung (Kompostierung der Küchenabfälle zur Reduzierung der Restmüllmengen)

seit 1999
Housing-Projekt - Projekt zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit mit der Zielgruppe junge Erwachsene
2000
Weiterentwicklung des Stadtteilcafés, u.a. betriebswirtschaftliches Gutachten
seit 2000
Entwicklung und Umsetzung eines Belegungs- und Quartiersmanagements (Projektbeschreibung)
2001
Einrichtung eines Spiel- und Aktionsmobils

Intensivierung des Housing-Projektes im Rahmen des Projektes zur Wohnraumsicherung (Bleibe!)

2002
Start des Rucksackprojektes: Förderung der Zweisprachigkeit in den Kindergärten unter Einbezug der Eltern

Start des neuen Modellprojektes MoKi (Monheimer Kinder) als präventiver Hilfeansatz gegen Armut für Familien und Kinder

2003
Start des Freiwilligen Sozialen Trainingsjahres (FSTJ) für die Zielgruppe Jugendliche im Übergang von der Schule in den Beruf
2005
Ansiedlung eines SB-Warenhauses am Ernst-Reuter-Platz

Übergang des Stadtteilmanagements auf Marke Monheim e.V.

2007
Neubau des Wohn- und Geschäftshauses am Ernst-Reuter-Platz und Umzug des Stadtteilcafés in die neuen Räumlichkeiten
2009
Projekt „Gemeinsam handeln am E-R-P“
2010
Fertigstellung der letzten größeren, öffentlichen Baumaßnahme zur Umgestaltung der Brandenburger Allee
Materialien zum Download

Mietergärten Monheim (PDF 1,1 MB)


Stand: April 2010

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