Ratingen West
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Seit dem 01.01.2007 befindet sich Ratingen West formell nicht mehr im NRW-Landesprogramm Soziale Stadt NRW.

Nach mehr als zehnjähriger Zugehörigkeit ist der Stadtteil Ratingen West im Jahr 2007 aus dem Förderprogramm „Soziale Stadt“ genommen worden. Erteilte Zuwendungsbescheide konnten noch für einzelne fortdauernde Maßnahmen eingesetzt werden; die letzten Mittel fließen bis Ende des Jahres 2010 in die Sprachförderung. Insgesamt wurden im Programmzeitraum rund 2,8 Mio € eingesetzt, davon entfällt etwas über die Hälfte auf die Landesförderung.

Ebenfalls 2007 wurde das Büro für Stadtteilarbeit eingerichtet, das seitdem gemeinsam mit Vertretern der Polizei und einem Streetworker die Aufgaben im Rahmen von Integration und Prävention im Stadtteil wahrnimmt. Bereits im ersten Jahr konnte ein Rückgang um 50 % der Auffälligkeiten verbucht werden. Die Stadtteilkoordinatorin lädt bis heute etwa vier- bis sechsmal im Jahr zum gemeinsamen Treffen ein. In dieser Hinsicht konnten die Strukturen verstetigt werden. Punktuell wird auch versucht, über den Stadtteil hinaus die Erfahrungen auf das gesamte Stadtgebiet auszuweiten.

Durch die Soziale Stadt konnten Förderzugänge über die ESF-Bundesprogramme Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier (BIWAQ) und Stärken vor Ort genutzt werden, um eine Stärkung der entsprechenden Zielgruppen beizubehalten. Die Koordination dieser Programme erfolgt in erster Linie über die Sozialen Verbände und Vereine, aber auch die LEG und Stadt Ratingen engagieren sich weiterhin mit jährlichen 50.000 € im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung für den Stadtteil Ratingen West.

Die Stadtteilarbeit hat erreicht, dass der Stadtteil positiv im Gespräch ist. Davon konnten auch die Schulen partizipieren, die heute belegt und beliebt sind. Das MUS-E-Projekt hat innerhalb der Kommunalpolitik eine hohe Priorität erlangt, so dass zwei Schulen weiterhin über städtische Gelder gefördert werden. Die „Zelt Zeit“, ein ehemals schulisches Projekt, wird mittlerweile jedes Jahr zu Pfingsten gefeiert. Es finanziert sich vorwiegend über ortsansässige Firmen und Unternehmen. Weiterhin hat die Stadtteilarbeit erreicht, dass die Wohnzufriedenheit im Stadtteil stark gewachsen ist Viele Bewohner wollen ins Himmelshaus ziehen. Darüber hinaus konnte der Leerstand sowohl bei den Wohnungen als auch bei den Geschäften durch die Stadtteilarbeit weiter reduziert werden und stellt heute im Stadtteil kein Problem mehr dar.

Gebietscharakter und Ausgangslage

Ratingen West steht für Gegensätze: Als der jüngste Stadtteil einer der ältesten Siedlungen Deutschlands hat er keine eigene Geschichte in einer Stadt, die von Brauchtum geprägt ist. Nach dem damaligen städtebaulichen Leitbild „Urbanität durch Dichte“ wurden in den 1960er und 1970er im Zuge eines bundesweiten städtebaulichen Wettbewerbs 7.700 Wohneinheiten auf knapp 130 ha und damit Wohnungen für über 20.000 Menschen gebaut. In räumlicher Nähe befinden sich heute Gewerbegebiete, die in erster Linie Arbeitsplätze in Dienstleistungsbereich und Handel anbieten. Von vier Hauptverkehrsstraßen umgeben und durch eine Eisenbahnlinie von der knapp drei Kilometer entfernten Innenstadt abgeschnitten, wird der Stadtteil in erster Linie durch seinen großen und zugleich heterogenen Wohnungsbestand geprägt.

Bauliche und soziale Probleme zeigen sich vor allem in den 9-15-geschossigen Hochhäusern, in den kleineren und überschaubaren Mietshäusern und Eigenheimen hingegen ist der Wohnwert höher. Zwischen diesen Eigenheimen und den Hochhäusern verläuft der „Haarbach“, der mehr als nur eine naturräumliche Barriere darstellt. Symbolisch markiert er die unterschiedlichen Lebens- und Wohnverhältnisse diesseits und jenseits der „Grenze“.

In sozialer Hinsicht weist Ratingen West im Vergleich zur Gesamtstadt den höchsten Anteil an ausländischer Bevölkerung bzw. Bewohnern und Bewohnerinnen mit Migrationshintergrund auf. Daneben leben im Gebiet viele allein erziehende Mütter und kinderreiche Familien. Ratingen West ist ein junges Quartier; fast ein Viertel der Bevölkerung ist jünger als 18 Jahre. Die Zahl der Sozialhilfeempfänger und Arbeitslosen nimmt zu, von Erwerbslosigkeit sind insbesondere Jugendliche betroffen. Der Stadtteil leidet zusätzlich unter einer geringen Identifikation der Bewohner mit ihrem Wohnstandort sowie unter der Stigmatisierung durch eine negative Außenwahrnehmung.

Potenziale und Handlungsansätze

Ratingen West verfügt über ein gut ausgebautes und differenziertes Schulversorgungssystem, durch das alle Schulformen vertreten sind: Neben drei Grundschulen und einer Sonderschule für Geistigbehinderte gibt es eine Realschule, eine integrierte Gesamtschule und ein Gymnasium.

Zwischen Schulen und Stadtteil bestehen vielfältige Beziehungen und Wechselwirkungen. Die Schulen wirken als integraler Bestandteil der städtischen Infrastruktur unmittelbar in den Alltag der Familien ein. Umgekehrt machen Ethnien- und Religionsvielfalt, Langzeitarbeitslosigkeit, Armut, familiäre Erziehungsstile und verschiedene Bildungsinteressen, gesellschaftliche Isolation von Alleinerziehenden oder von Familien in Notlagen nicht vor den Schultüren halt. Die Schulen bieten institutionelle Möglichkeiten hieraus resultierende Konflikte und Defizite aufzufangen und die soziale Lebenssituation der Bewohner zu verbessern.

Weiteres Potenzial des Stadtteils ist neben der multikulturellen Mischung der verschiedensten Menschen, Persönlichkeiten und Gruppen vor allem die Bereitschaft der Bewohner aktiv an der Verbesserung ihrer Lebenssituation mitzuwirken. Bürgerschaftliches Engagement zeigte sich bereits, als im Jahr 1993 die Feier zum 25. Geburtstag des Stadtteils anstand: Zum ersten Mal kam eine Gruppe interessierter und engagierter Bewohnerinnen und Bewohner zusammen, um eine Festschrift herauszugeben. Die damals Aktiven sind auch heute noch bereit, Ideen zur Verbesserung des Zusammenlebens zu entwickeln und diese in Form von Projekten umzusetzen.

Organisation und Lokale Partner

Erfahrungen in der Zusammenarbeit zwischen Stadt, Wohnungsunternehmen und Schulen im Stadtteil führten dazu, dass kulturelle Veranstaltungen im Stadtteil gemeinsam initiiert und mit großem Erfolg durchgeführt wurden.

Auf diesen Kontakten aufbauend haben die Akteure gemeinsam Ziele für das gesamte Spektrum des Stadtteillebens formuliert und in einem Handlungskonzept (Westpol) festgeschrieben. Im Jahr 1999 wurde eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Landesentwicklungsgesellschaft NRW (LEG NRW), den Schulen im Stadtteil und der Stadt Ratingen unterzeichnet, wodurch Projekte in einer Größenordnung von 50.000 € möglich werden.

Auch wenn es bisher nicht gelungen ist, eine feste Struktur – bspw. in Form eines Vereins – zu etablieren, so ist das Interesse der Bewohner und Bewohnerinnen durchaus vorhanden, gemeinsam etwas für den Stadtteil zu tun.

 

Chronologie der Erneuerung – Meilensteine und Projektbeispiele
1991
Das Infra West Kulturbüro wird als Koordinierungsstelle für die Öffnungsaktivitäten der Schulen gegründet
Juli 1995
Erstes Gespräch beim Ministerium für Stadtentwicklung und Verkehr
Nov 1995
Ratsbeschluss und Antrag zur Aufnahme in das Handlungsprogramm Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf
Feb 1996
Aufnahme in das Handlungsprogramm
Juli 1996
1. Förderantrag u. a. zur Errichtung einer Begegnungsstätte
Sept 1996
Beginn des Modellversuchs der Bund-Länder-Kommission Kooperation von Schule und Kommune: Ein Modellversuch zur Schul- und Stadtentwicklung in Ratingen West
Herbst 1996
1. Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Platz in Ratingen West, Bildung des AK Westpol und mehrerer themenbezogener AGs
Pfingsten 1998
Auf Initiative von Schulen findet die erste „Zelt Zeit“ statt: Präsentation des Stadtteils, Kleinkunst aus dem Stadtteil und große Stars präsentiert von Infra West. Die „Zelt Zeit“ findet mittlerweile jedes Jahr zu Pfingsten statt
seit 1999
Kooperationsvereinbarung INFRA West
1999/2000
Das Einkaufszentrum im Herzen des Stadtteils wird mit hochwertigen Materialien umgestaltet, ein Café eröffnet, sowie ein Aldisupermarkt mit Parkdeck an das EKZ angebunden

Plätze, Eingangsbereiche und Hausdurchgänge der mittleren Wohnscheibe werden neu gestaltet

Sommer 2001
„Oase Ratingen West“: Die beabsichtigte Aufführung der Drei-Groschen-Oper wird von den Brecht-Erben nicht gestattet. Die „Oase“ ist eine Aufführung von 180 Bewohnern des Stadtteiles in einem leer stehenden Supermarkt.
2001
Umgestaltung aller Schulhöfe in Ratingen West nach Planungen der Schüler, Lehrer und Eltern
Sommer 2002
Im Rahmen der EUROGA will West die längste Tafel durch den Stadtteil bieten. Mehr als 2000 Teilnehmer feierten mit Familie, Freunden und Nachbarn den Sommer. Seither in jedem Jahr ...
seit Nov 2004
Aufnahme in das Programm LOS, Initiativen erfahren dadurch eine stärkere Vernetzung und eine neue Ausrichtung hinsichtlich der Beteiligung von Bewohnern mit Migrationshintergrund und von Arbeitsmarktprojekten
Resümee

Die Ergebnisse der Stadtteilerneuerung zeigen, wie viel durch integrierte partnerschaftliche Zusammenarbeit bewegt und erreicht werden kann. Die Wohnungsunternehmen bekennen sich zum Standort Ratingen West und investieren in Umbau und hochwertige Materialien. Die Bewohner haben vor ihrer Haustür Angebote, die sie nutzen und so das Geschehen im Stadtteil mitgestalten können.

Ratingen West hat durch zahlreiche Projekte auf sich aufmerksam gemacht und ist selbst aktiv für ein besseres Außenimage eingetreten.

 



 Ansprechpartner

Koordination

Stadt Ratingen
Der Bürgermeister
Vera Segreff
Amt 61.11
Minoritenstraße 3
40878 Ratingen

Fon: +49 (0)2102 / 550 6110
Fax: +49 (0)2102 / 550 9104
E-Mail:
vera.segreff@ratingen.de

Website:
http://www.ratingen.de

Stand: Mai 2010
Vera Segreff, Stadt Ratingen

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