Recklinghausen Süd/Grullbad
Meilensteine
Ansprechpartner
Bilanz

Zusammenfassend betrachtet hat die Arbeit im Plangebiet Recklinghausen Süd/Grullbad kleinere und größere Neuerungen mit positiver Wirkung verankert. Viele neue Strukturen wurden aufgebaut, das Gebiet städtebaulich aufgewertet und in der Folge die Lebensqualität nachhaltig angehoben. Sowohl Verwaltung, Politik aber insbesondere die Süder und Grullbader Bürger sind heute für die Entwicklungen in ihren Stadtteilen sensibilisiert. Bürgerinformations- und Beteiligungsverfahren in den unterschiedlichen Handlungsfeldern haben dafür gesorgt, den Blick auf den Recklinghäuser Süden zu schärfen, den Stadtteilbewohnern die Möglichkeiten der eigenen Mitgestaltung aufzuzeigen und die Eigenverantwortung für das persönliche Lebensumfeld zu wecken.

Gezielte Multiplikatorenschulungen – beispielsweise im Bereich des naturwissenschaftlichen Arbeitens in Tageseinrichtungen für Kinder und Grundschulen – sind ein Baustein der Verstetigung und haben für die Weitergabe und den Verbleib erworbener Kenntnisse im Projektgebiet gesorgt. Patenschaftsmodelle für Spielplätze oder den renaturierten Bärenbach schieben den Motor der Mitverantwortung schon bei den „kleinen Bewohnern“ an und Gemeinschaftsveranstaltungen wie z.B. das Lichterfest sind zu einem festen Bestandteil im Plangebiet geworden, die eigenständig von lokalen Institutionen durchgeführt werden.

Durch die Etablierung des Runden Tisches für Arbeit Süd/Grullbad hat sich auch die Aufmerksamkeit auf das Plangebiet und gezielte Zusammenarbeit arbeitsmarktpolitischer Träger erhöht. Davon profitieren nicht nur bestimmte benachteiligte Zielgruppen des Arbeitsmarktes, sondern das gesamte Stadtteilerneuerungsgebiet.

Allerdings muss sich das Projektgebiet auch weiterhin mit stadtteilschwächenden Entwicklungen auseinandersetzen: Die Erosion der Kirchengemeinden und damit das Verschwinden wichtiger Ansprechpartner, die nicht zufrieden stellende Situation der Bochumer Straße mit hohem Leerstand von Geschäftslokalen und dem Sanierungsstau von Wohnungen aber insbesondere die weiterhin unterstützungswürdige Situation vieler Familien sowie das nach wie vor angeschlagene Image fordern weiteren Einsatz aller im Stadtteil Engagierten.

Gebietscharakter und Ausgangslage
Hohes Verkehrsaufkommen und städtebauliche Mängel Hohes Verkehrsaufkommen und städtebauliche Mängel

Süd und Grullbad sind zwei aneinandergrenzende Stadtteile im Süden Recklinghausens an der Stadtgrenze zu Herne. Die Bochumer Straße – Hauptversorgungsbereich mit hohem Verkehrsaufkommen – teilt das Gebiet in Nord-Süd-Richtung. Das Plangebiet „Süd/Grullbad“ wird durch Bundesautobahnen im Westen (A 43) und im Norden (A 2), die Emscher im Süden und durch einen offenen Entwässerungsgraben (mit Südpark und Südbad) im Osten umschlossen. In dem durch Bergbau geprägten und stark verdichteten Gebiet leben auf rund 5,5 km2 ca. 20.500 Einwohner. Kennzeichnend sind ferner ein hoher Anteil gewerblicher Flächen sowie ein sehr geringer Freiflächenanteil. Seit 2003 ist die „Südstadt“ ein Programmgebiet des Landesprogramms „Soziale Stadt NRW“.

Kinder im Quartier Kinder im Quartier

Neben städtebaulichen Mängeln weisen die Stadtteile auch soziale Probleme auf: In Recklinghausen Süd liegt der Anteil der allein erziehenden Haushalte deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtstadt: fast 40 Prozent dieser Gruppe sind auf Transferleistungen angewiesen.

Die Höhe der Personen mit Bezug von Transferleistungen und die Arbeitslosenquote sind in beiden Stadtteilen im gesamtstädtischen Vergleich ebenfalls deutlich höher. Für die Situation der Minderjährigen ist der Bezug von Transferleistungen und Jugendarbeitslosigkeit kennzeichnend. Ebenfalls über dem Stadtdurchschnitt liegt der Anteil der Ausländer, für Grullbad gilt dies insbesondere (siehe sozio-demographische Daten).

Potenziale und Handlungsansätze
Beteiligungsverfahren am Neumarkt Beteiligungsverfahren am Neumarkt

Das integrierte Handlungskonzept für Süd/Grullbad zielt darauf ab, das Gebiet als Stadtteil zu stärken bzw. die vorhandenen Strukturen zu stabilisieren und zu verbessern: Freizeit-, Bildungs- und Kulturangebote, Zusammenleben in den Quartieren, Wohnumfeldverbesserung und Versorgungseinrichtungen sind die allgemeinen Schwerpunkte. Potenziale, die dies ermöglichen, finden sich im sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich sowie in den baulichen und räumlichen Gegebenheiten:

  • Aktive Bürgerinnen und Bürger & Organisationen
    Soziales Forum Süd (Netzwerk aus Kirchen, Schulen, Kindergärten, Wohlfahrtsverbänden, caritativen Einrichtungen), Stadtteilmütter, Initiative Süd e.V., Süder Werbe- und Interessengemeinschaft, Lebenshilfe e.V., Politik, (Sport-) Vereine und andere
  • Kulturelle Vielfalt
    Jugendzentrum Südpol, Jugendcafé time out, Umspannwerk (Route der Industriekultur), diverse Kulturvereine, Schützenverein, Künstlernetzwerk (Atelier – Das Gelbe Haus, Kunstpraxis), Wochenmarkt
  • Ein attraktives Quartier
    Bürgerbüro Süd, Stadtteilbücherei, Südbad (Frei- & Hallenbad), Kindergärten, 4 Grundschulen, weiterführende Schulen (Theodor-Heuss-Gymnasium, Käthe-Kollwitz-Gesamtschule), Förderschule Albert-Schweitzer-Schule, Berufskolleg der Ruhrkohle Bildung, ein breites Einzelhandels- und Dienstleistungsangebot, Elisabeth-Krankenhaus, Veranstaltungshaus „Bürgerhaus Süd“, Seniorenzentrum Grullbad und Haus Reginalda, Südpark, Kanalnähe, gute ÖPNV - Anbindung Richtung Innenstadt und Herne, historischer Gebäudebestand - besonders entlang der Bochumer Straße, Marktplatz „Am Neumarkt“, Kleingartenanlagen

Diese Potenziale werden seit Beginn der Arbeit aktiv in das Erneuerungskonzept eingebunden. Wesentliche Ansatzpunkte sind neben der Verbesserung der Aufenthaltsqualität insbesondere die Unterstützung von Familien und Alleinerziehenden sowie die Förderung der Gruppe „Kinder und Jugendlicher“.

Die Ziele und Aktivitäten teilen sich in vier Handlungsfelder (Übersicht):

  • Handlungsfeld A: Bürgermitwirkung, Stadtteilleben
  • Handlungsfeld B: Lokale Wirtschaft, Qualifizierung und Beschäftigung
  • Handlungsfeld C: Zusammenleben, Integration, soz. Infrastruktur
  • Handlungsfeld D: Städtebau, Wohnen, Wohnumfeldverbesserung

Organisation und Lokale Partner

Das Stadtteilprojekt beruht im Wesentlichen auf drei organisatorischen Pfeilern: der Lenkungsgruppe, der Projektgruppe und dem Projektbüro.

Die Lenkungsgruppe setzt sich aus Stadtteilakteuren und Vertretern der Politik zusammen, Herr Bürgermeister Pantförder hat den Vorsitz. Die Lenkungsgruppe legt die Prioritäten im Erneuerungsprozess fest und unterstützt mit den zur Verfügung stehenden Pauschalmitteln kleinere Projekte und Aktivitäten in den Stadtteilen. Die Lenkungsgruppenmitglieder informieren andere Akteure über die Chancen des Erneuerungsprozesses und mobilisieren die Bewohner zur Mitarbeit.

Die Projektgruppe besteht aus Mitgliedern der städtischen Verwaltung. Sie berät die Lenkungsgruppe fachlich und gewährleistet u. a. den internen Austausch und die Koordination von Maßnahmen im Plangebiet. Gemeinsam mit dem „Projektbüro“ werden Projekte entwickelt, umgesetzt und evaluiert.

Das Projektbüro koordiniert das Stadtteilprojekt vor Ort und bearbeitet gemeinsam mit Bewohnerschaft, Politik und Stadtverwaltung die Ziele des Integrierten Handlungskonzeptes. Kooperationen zwischen unterschiedlichen Akteuren werden angeregt und Netzwerke in Form von Runden Tischen aufgebaut. Die Projektleitung und finanzielle Abwicklung erfolgt durch den Sachgebietsleiter im Fachbereich für Bürgermeister-, Rechts- und Ratsangelegenheiten.

 

Chronologie der Erneuerung – Meilensteine und Projektbeispiele
1999 - 2000
Zukunftswerkstatt, Gründung der Bürgerinitiative Süd – heute Initiative Süd e.V. Ergebnis als Grundlage für den Entwurf des Integrierten Handlungskonzepts 2002
2003
Aufnahme in das Landesprogramm „Soziale Stadt NRW“

Eröffnung des Projektbüros und der Stadtteil VHS

Beginn „Mobile Spielplatzbetreuung“ (saisonal Mai - Okt)

Befragung von 149 Unternehmen in Süd und Grullbad: Schwerpunkte u. a. „Unternehmensstrukturen“, „Ausbildungs- & Praktikumsangebote“, „Kenntnisse über die Süder Werbe- und Interessengemeinschaft (SWIG)“

2004
Sanierte Fassaden Sanierte Fassaden
Start des Fassadenprogramms

Beginn der Geschichtswerkstatt, Erzählcafé

MUS-E Start an zwei Grundschulen

Zukunftswerkstatt im Stadtteil Grullbad mit 38 Bewohnern zu den Themen „Verkehr“ und „Problemlagen an öffentlichen Plätzen“

Besuch Regierungspräsident

Installation „Gedenkstein Soolbad“ in Grullbad – dieser erinnert an die alte „Soolquelle Grull“ aus dem Jahre 1847. Leider begann die Quelle

Beteiligungsverfahren „Blaues Klassenzimmer“

Erste Ausgabe der Stadtteilzeitung „Druckfrisch“

Süder Vollversammlung – jährlich stattfindende offene Bewohnerversammlung

Festakt zum 100 jährigen Stadtteiljubiläum, Ausstellungseröffnung „BruchStücke“: Der Stadtteil Bruch wurde am 01.10.1904 in Recklinghausen Süd umbenannt

2005
Gute Stimmung bei der Eröffnung des Projektbüros Gute Stimmung bei der Eröffnung des Projektbüros
Eröffnung des Projektbüros am neuen Standort „Am Neumarkt“

Besuch Minister Vesper

Zieldiskussion „Stadtteilprojekt 2010“

Ausstellung „Soziale Stadt NRW“ am örtlichen Gymnasium und Integration der Thematik in den Unterricht der Jahrgangsstufe 9 und der fünften Klasse

Projektstart „Interkulturelle Erziehung“ (2005-2007)

Beteiligungsverfahren „Stadt macht Platz – NRW macht Plätze“

Beginn erster Beteiligungsverfahren zu Schulhofumgestaltungen

Ausstellung: Visionen zum Neumarkt von Schülern

Weltkindertag – „Wenn ich König/in in Süd wäre, dann...“

Grullbad in Bewegung – Stadtteilfest mit zahlreichen Vereinen und Einrichtungen

2006
Einweihung des Schulhofs Friedrich von Forell

Einweihung des Blauen Klassenzimmers

Bustouren in andere Stadtteile der Sozialen Stadt

2007
Konzeption eines aktuellen und historischen Stadtteilrundgangs

MUSE Tag aller 3 Schulen

Musicalveranstaltungen für Süder Schulen zum Thema Gesunde Ernährung

2008
Umbau des Stadthafens

Aufbau Runder Tisch Arbeit für Süd

Kultureller Vermittler für drei Jahre

Einweihung des Schulhofs Marienschule

Experimentieren im Stadtteil für Grundschulen und Tageseinrichtungen

Einweihung des neuen Spielplatzes Dr. Isbruch Straße und der Jugendecke in Grullbad

2009
Ausweitung des Familiennetzwerks II

Abschluss der Schulhofumgestaltung Albert Schweitzer Schule

Frauen mit Zuwanderungsgeschichte im Stadtteil stärken (3 J.)

Migrationsausstellung 150 Jahre Migration in der Südstadt

Aufbau von Bachpatenschaften, Bärenbachforscher

2. MUSE Tag aller 3 Schulen

Eröffnung des Jugendcliquentreffs (Südpol)

2010
Ideenwettbewerb zum Thema Image und Identifikation

Projekte zum Thema Interkulturelle Öffnung und interkultureller Dialog

2006-2010: 5 Jahre Projekt der Süder Grundschulen: Malen zur Musik Fotoprojekt mit der FH Dortmund, Emschergenossenschaft „Welten am Fluss“

Materialien zum Download

Materialien finden sie auf der Website der Stadt Recklinghausen



 Ansprechpartner

Koordination

Stadt Recklinghausen
Ulrich Fricke
BM-Büro, Abteilung Zentrales Projekt- und Fördermittelmanagement
Rathausplatz 3/4
45657 Recklinghausen

Fon: +49 (0) 23 61 / 50 - 25 67
Fax: +49 (0) 23 61 / 50 - 15 62

E-Mail: ulrich.fricke@recklinghausen.de


Stand: November 2014

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