Solingen Fuhr
Meilensteine
Ansprechpartner


Gebietscharakter und Ausgangslage

Mit dem Begriff "Fuhr" verbinden die meisten Bewohnerinnen und Bewohner eine mehrgeschossige Wohnanlage aus den 70er Jahren, die am Rande des historisch gewachsenen Stadtteils Wald im nördlichen Stadtgebiet erbaut wurde.

Hier leben überwiegend ausländische Einwohner und zahlreiche Spätaussiedlerfamilien. Die Fluktuation in der Bewohnerschaft ist hoch. Eine Integration der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen hatte nicht stattgefunden, wachsende Anonymität sowie mangelnde nachbarschaftliche Kontakte führten immer stärker zu Konflikten, die über das engere Wohngebiet hinaus spürbar wurden.

Pavillonbau Pavillonbau

Um eine langfristig tragfähige Aufwertung der Wohnsiedlung "Fuhr" zu erwirken, schließt das Programmgebiet daher auch den südlich angrenzenden Bereich, zwei geplante Neubaugebiete und die Großwohnsiedlung "Hegelring" mit ein.

Das gesamte Gebiet "Fuhr" umfasst eine Fläche von ca. 75 ha mit rund 5.000 Einwohnern. In diesem erweiterten Bereich fehlten Angebote für stadtteilbezogene Aktivitäten, insbesondere mangelte es an Räumlichkeiten für Jugendliche.

Potenziale und Handlungsansätze

Nach dem Solinger Brandanschlag im Mai 1993 entwickelte der Arbeitskreis Fuhr ein Konzept zur Lösung der Probleme, das zu einem integrierten Handlungsprogramm ausgearbeitet wurde (September 1994). Dies setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen:

  • Verfestigung und Stärkung eines Netzwerkes mit allen im Stadtteil tätigen Akteuren.
  • Bereitstellung geeigneter Räumlichkeiten für unterschiedliche Angebote und Veranstaltungen im Stadtteil und deren Vernetzung.
  • Entwicklung von Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen in Kooperation mit den im Stadtteil ansässigen Trägern zur Verbesserung der Arbeitsplatzsituation.
  • Verbesserung der Erziehungs- und Ausbildungsangebote in Schule, Kindergarten und der Jugendarbeit.

Angesichts der geplanten Neubaugebiete für rund 2.000 Menschen in direkter Nachbarschaft sind dabei Strategien zur Konfliktvermeidung zwischen Alt- und Neubewohnern erforderlich.

Zu Beginn der Arbeit in der Fuhr konnte u.a. auf folgende Potenziale zurückgegriffen werden:

  • Selbst organisierte Strukturen der Gemeinwesenarbeit als wichtige Voraussetzung für eine integrierte Stadterneuerung,
  • vorhandene Abstands- bzw. Innenhofflächen, die Spielraum für eine Aufwertung und Ergänzung der Bebauung und des Wohnumfeldes boten und
  • engagierte Bewohnerinnen und Bewohner.

Organisation und Lokale Partner

In enger Abstimmung mit der Verwaltungsspitze wird die Federführung für das Handlungskonzept von der Stadtentwicklung im Büro des Oberbürgermeisters wahrgenommen.

Zentrales Gremium ist der Arbeitskreis Fuhr: Kindertagesstätte, Nachbarschaftsschule, ev. Kirchengemeinde, Grundschule Westersburg, Stadtteilwerkstatt Fuhr der Ittertal gGmbH, Familienbildungsstätte, Regionale Arbeitsstelle zur Förderung ausländischer Kinder und Jugendlicher RAA, Comeniusschule, Polizei, LEG, SVV, Stadtverwaltung/Stadtentwicklung Solingen (monatliche Treffen seit Herbst 1993).

Weitere Akteure sind:

  • Fuhrgemeinschaft e.V. - Bürgerverein (1976 gegründet)
  • Runder Tisch mit Bürgerinnen und Bürgern zu allen Themen im Stadtteil, insbesondere zu Planungsvorhaben
  • Bezirksvertretung Wald
  • Der "Rat für Sicherheit und gutes Miteinander" - Ende 1999 von Bewohnerinnen und Bewohnern auf Initiative eines Mitarbeiters der Fuhrgemeinschaft und Polizei Wald gegründet.

 

Chronologie der Erneuerung – Meilensteine und Projektbeispiele
1994
Ratsbeschluss zum Handlungsprogramm
seit 1995
Regelmäßiges Erscheinen der Stadtteilzeitung "Fuhr aktuell"

Runder Tisch in der Fuhr

Mitte 1995
Aufstellung eines Containers an der Hartmannstraße mit Angeboten für Kinder und Jugendliche
Juli 1995
Aufbau der Stadtteilwerkstatt in einem ehemaligen Güterbahnhof im Stadtteil Fuhr
seit 1996
Konsequente Umsetzung aller baulichen Maßnahmen durch die Stadtteilwerkstatt Fuhr
Mitte 1996
Bau des Stadtteilpavillons / Nutzung des Pavillons für Veranstaltungen und Angebote
Mitte 1996
Zweiradtreff Zweiradtreff
Aufbau des Zweiradtreffs an der Schelerstraße/Jaspersstraße
seit 1996
Zahlreiche soziale und kulturelle Angebote und Aktivitäten im Stadtteil (Freizeitangebote, Anti Aggressions-Trainings, Hilfen zum Übergang Schule und Beruf, diverse Kurse)
1996/97
Umgestaltung eines Innenhofs des Baublocks Schelerstraße
1997
Beteiligungswerkstatt und "Streifzüge für Mädchen"
1998
Einrichtung des Musikkellers in der LEG Siedlung

Umgestaltung des zweiten Innenhofes des Baublocks Schelerstraße

Erfolgreiche Beteiligung des Fuhrprojektes am Landeswettbewerb "Nachhaltige Stadtentwicklung 1998"

seit 1998
Zusätzliche Kurse der Familienbildungsstätte für Frauen im Pavillon: Nähen, Fitness, Gesprächskreis für türkische Frauen
Mitte 1998
Gründung der Dienstleistungsagentur Fuhr (DIVA) als Bestandteil der Stadtteilwerkstatt Fuhr der Ittertal gGmbH (Projektbeschreibung)
1999/ 2000
Spielplatzeröffnung Spielplatzeröffnung
Neubau des öffentlichen Spielplatzes Jaspersstraße
2000/01
Sozialkulturelles Stadtteilmanagement mit den Schwerpunkten: Einrichtung Fuhrcafé, Intensivierung der Kooperation mit Wohnungsbaugesellschaften, Wahl von Haussprechern, Mieterrat, positive Nachbarschaftsentwicklung
seit 2001
Herrichtung der Jugendallee Vogelsang

Regionale 2006: Projektentwicklung zum Gemeinschaftsprojekt "Soziale Stadt" für die vier Solinger Stadtteile Fuhr, Hasseldelle, Zietenstraße und Nordstadt zusammen mit Remscheider und Wuppertaler Stadtteilen

2002
Erstellung einer Dokumentation des Fuhrprojektes (kann bei der Stadt Solingen bezogen werden)

Beschäftigungsprojekt AQUARIS: Entstanden aus einer ehemaligen Arbeitsbeschaffungsmaßnahme des Arbeitsamtes ist die Maßnahme AQUARIS seit 2002 zuerst über die kommunale Beschäftigungsförderung, dann über eine regelmäßige Förderung durch die ARGE Solingen der Stadtteilarbeit und dem Quartiersmanagement der Fuhrgemeinschaft angebunden. Pragmatische Zielrichtung der Maßnahme mit 15 Teilnehmerinnen/Teilnehmern ist die Unterstützung verschiedenster Vorhaben und Aktionen im Einzugsgebiet (Netzwerk) und die Bereitstellung niedrigschwelliger Dienstleistungen im sozialen Bereich.

2004
Erstmalige Durchführung des Kinderkulturfestivals Fuhr

Seit 2004 hat der Arbeitskreis Erziehung/Bildung gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen und der ehrenamtlichen Unterstützung aus der Bürgerschaft zwei große Veranstaltungen zum Thema „Kinder- und Jugendkultur“ durchgeführt.

2006
Revue der Talente Revue der Talente
05.Mai bis 31.Oktober 2006: Präsentationshalbjahr der Regionale 2006

Im Rahmen der Regionale 2006 wurde die "Soziale Stadt" als regionales Verbundprojekt weitergeführt mit dem Ziel, Innovationen und Impulse für insgesamt zehn benachteiligte Stadtteile in der Region zu entwickeln.

So fanden in allen Stadtteilen Mitmachaktionen zur Wohnumfeldverbesserung und im Bereich dezentraler Kulturentwicklung statt. Ein Highlight im Präsentationsjahr 2006 war die Bühnenshow „Revue der Talente“, bei der Gruppen und Einzelakteure ihren Stadtteil bei einem Auftritt unter der Müngstener Brücke repräsentierten.

Mitte 2010
Eröffnung Trassencafé
Perspektiven

Seit dem 01.01.2007 befindet sich Solingen Fuhr formell nicht mehr im NRW-Landesprogramm Soziale Stadt NRW.

Im Rahmen der Bundes-Modellmittel „Soziale Stadt“ wurde für die Fuhr noch eine Anschlussfinanzierung für das Projekt „Trassencafé“ bewilligt. Im Rahmen der Wiederbelebung der Korkenziehertrasse soll im Siedlungsgebiet Fuhr in unmittelbarer Nähe zur Trasse sowohl ein bürgernahes Dienstleistungskonzept als auch eine niedrigschwellige Beschäftigungsmöglichkeit für Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen entwickelt werden. Ein ca. 20 Meter langer Reisezugwaggon wurde bereits an der Korkenziehertrasse aufgestellt; aktuell erfolgt die Renovierung und Umbau des Waggons für gastronomische Nutzung plus Gastraum im Waggoninneren. Vorerst ist eine reine Nutzung als Kioskbetrieb geplant, langfristig soll aber eine Vollgastronomie mit Biergarten entstehen. Viele Sponsoren tragen zur Realisierung bei. Die Eröffnung ist für Mitte 2010 geplant.

 

Materialien zum Download

HaZiFu Leseprobe (PDF 4,8 MB)



 Ansprechpartner

Markus Lütke Lordemann
Ressort 5 – Stadtentwicklungsplanung / Sanierung Schloß Burg
Postfach 10 01 65
42648 Solingen

Fon: +49 (0)2 12 / 2 90-2625
Fax: +49 (0)2 12 / 2 90-2169

E-Mail:
m.luetke-lordemann@solingen.de

Website:
www.solingen.de

Stand: März 2010

nach oben zurück zur Übersicht der Stadtteilprofile