Grenzen aufheben


 Detmold Herberhausen
Meilensteine
Ansprechpartner


Gebietscharakter und Ausgangslage

Der Stadtteil Herberhausen wurde als Quartier für die britische Rhein-Armee in den 60er Jahren errichtet. Die zwei- bis achtgeschossigen Gebäude wurden bis vor wenigen Jahren fast ausschließlich von Militärangehörigen bewohnt. Nach Abzug der britischen Streitkräfte im Jahr 1993 haben sich im Viertel nach und nach Neubewohner angesiedelt. Insbesondere russische Aussiedler erwarben zum Verkauf angebotene Wohnungen – vielfach mit großer Verschuldung.

Insgesamt umfasst Herberhausen eine Fläche von rund 17 ha mit 820 Wohnungen. Die isolierte Lage am nördlichen Stadtrand wurde durch die Öffnung des ehemaligen Kasernengeländes mit Straßenanschluss zur Innenstadt überwunden. Erheblicher Handlungsbedarf besteht dennoch im Bereich der öffentlichen und privaten Infrastruktur.

Inzwischen leben in Herberhausen etwas mehr als 2000 Bewohner. Ein großer Teil der Siedlung steht leer. Die Bevölkerung besteht zu 92 % aus Migranten (ca. 62 % Aussiedler, ca. 20 % Kurden, 7 % einheimische Deutsche u. ca. 10 % andere Nationalitäten). Die Fluktuation ist sehr groß. Auffallend sind die hohen Anteile an Kindern und Jugendlichen (etwa die Hälfte der Bewohner ist jünger als 25 Jahre), an Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern. Als soziale Effekte sind steigende Gewaltbereitschaft, Drogenkonsum und eine Zunahme der Kleinkriminalität zu beobachten.


Jugendliche in ihrem Wohngebiet

Jugendliche
in ihrem
Wohngebiet






Potenziale und Handlungsansätze

Die konzeptionelle und praktische Arbeit im Stadtteil profitiert von den hohen Synergieeffekten der beteiligten Akteure und der Bewohner. Das gemeinwesenorientierte Stadtteilkonzept von Februar 1997 basiert auf vier Pfeilern:
  • Aufbau eines Stadtteilbüros
  • Durchführung von Bürgerbeteiligungsverfahren
  • Umsetzung sozialer Infrastrukturmaßnahmen und
  • Unterstützung von Eigeninitiativen und Selbsthilfeprojekten.
Backhaus kurdischer Frauen
Daneben spielen die Einrichtung eines Stadtteilzentrums mit Begegnungsstätte, der Neubau eines Jugendzentrums, arbeitsmarktpolitische Projekte und die Imageverbesserung eine wichtige Rolle. Das Programmgebiet wurde von ursprünglich Hakedahl im Jahr 2001 in Herberhausen umbenannt.
Weitere Bausteine sind: Zusammenarbeit mit Schulen, Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche, Sozialberatung für Schuldner und Drogenberatung durch Streetworker.
Ein
Backhaus
kurdischer
Frauen





Organisation und Lokale Partner

Die Koordination des Gesamtprozesses untersteht dem städtischen Jugendamt. Vor Ort wurde frühzeitig ein Stadtteilbüro eingerichtet. Das "Sozialkulturelle Stadtteilmanagement" – ein Modellprogramm des Sozialministeriums – war hier ein wichtiges Standbein. Es gibt weitere zentrale Gremien: Den Basiskreis Herberhausen (Zusammenschluss aller vor Ort beschäftigten Vertreter freier Träger und kommunaler Einrichtungen),
die AG Stadtteilprogramm Herberhausen (fachbereichsübergreifende stadtinterne Arbeitsgruppe) und den Runden Tisch (ein Zusammenschluss aller vor Ort tätigen Institutionen und Einrichtungen, Politiker aller Fraktionen und engagierter Bewohner). Weitere Akteure sind:
  • Steuerungsgruppe Herberhausen: Arbeitsgruppe aller Projekte, die im Rittergut Herberhausen aktiv sind mit Politikern aller Fraktionen
  • Bürgerverein Herberhausen (Nachbarschaftsförderung, Freiflächenprojekt)
  • Haus der Kirche (Vorschulförderung, Hausaufgabenhilfe, Frauenförderung) und Evangelische Freie Gemeinde (Jugendarbeit)
  • AWO (Kindergarten)
  • Beschäftigungsträger Euwatec in dem Bereich Metall- und Holzbau vor Ort
  • Grundschule Hakedahl (MUS-E Projekt, Aktionen)
  • Drogenberatung e.V. Lippe (Streetwork)
  • Hakedahler Sportverein (8 Sportgruppen)
  • Stadt Detmold (Kinder- und Jugendtreff, Stadtteilbüro) und Arbeitsamt Detmold (Beratung)
  • Volkshochschule Detmold (Informations- und Bildungsangebote)
  • Netzwerk Lippe gGmbH (Beratung im Bereich B&Q)
  • Polizei (Beratung, Streetball-Turniere, Sport)
  • Mobile Jugendarbeit (Streetwork, Beratung, Freizeitangebote)



 Chronologie der Erneuerung – Meilensteine und Projektbeispiele

Sept 1997


Aufnahme in das integrierte Handlungsprogramm für Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf unter dem Namen Detmold-Hakedahl. Das Stadtteilbüro beginnt mit der Arbeit.


seit 1997


Bildungs- und Kulturnetzwerk: In Kooperation mit der VHS-Detmold 2mal jährlich umfangreiche Fortbildungsprogramme.


in 1998


Ankauf und Ausbau von Flächen für Spiel- und Sportanlagen:
Skateranlage, Basketballspielfeld, Spielanlagen für jüngere Kinder und Bolzplatz werden eröffnet.





Die Drogenberatung e.V. Lippe setzt das Konzept Drogenstreetwork erfolgreich um.





Foto

Freiflächenprojekt mit 60 Familien: Gemeinsame Bewirtschaftung einer großen Freifläche und Pflege der öffentlichen Spielflächen.






Kooperation Beschäftigungsförderung: Stadtteilprojekt mit Arbeitsamt, Netzwerk Lippe gGmbH und 4 B&Q-Trägern - ca. 300 Maßnahmeteilnehmer im Rahmen der Bauprojekte


seit Dez 1998


Ankauf eines alten Rittergutes, Umbau zum Stadtteilzentrum mit:
  • Jugendzentrum
  • Beratungseinrichtung
  • Werkstätten der Beschäftigungsträger
  • Stadtteilbüro


in 1999

Ankauf und Ausbau von Flächen für ein Rad- und Fußwegenetz





Ankauf und Ausbau von Flächen für einen kleinen Stadtplatz





Konzept Sportförderung: Soziale Träger im Stadtteil gründen mit Bewohnern einen Sportverein. Viele Sportgruppen nehmen ihre Arbeit auf.


seit 1999


Sozialkulturelles Stadtteilmanagement und Arbeit mit
Jugendlichen: Vermittlung bei Krisen, Betreuung, Projekte.


Ende 2000


Jugendzentrum im Gutsgebäude wird eröffnet


in 2001


Umbenennung des Stadtteils in Detmold-Herberhausen nach dem gleichnamigen Rittergut


Nov 2002


Eröffnung des Stadtteilbüros auf dem Rittergut


Sept 2002


Aufnahme ins Förderprogramm „Kompetenz und Qualifikation“ (kuq)


seit 2003


Intensive Jugendsozialarbeit und Streetwork vor Ort


seit Sept 2003


Aufnahme ins Förderprogramm „Lokales Kapital für soziale Zwecke“ (LOS)


Okt 2003


Eröffnung Haus der Kirche Herberhausen im Herrenhaus




Rittergut Herberhausen
Perspektiven

Das umgebaute Rittergut war beim Tag des Denkmals 2005 eine viel beachtete Attraktion. Die Veranstaltung rief insgesamt großes Interesse bei Fachpublikum und Bewohnern hervor, die die ausgeführten Arbeiten an den historischen Gebäuden begutachteten.

Ein weiteres denkmalgeschütztes Gebäude wurde von einer Fachwerkstatt erworben, die das Torhaus wieder in den Zustand der ehemaligen Nutzung zurückversetzen wird. Das große Fachwerkhaus, der ehemalige „Kuhstall“ wurde in das Konzept des „Haus des Denkmals“ aufgenommen. Die Bauarbeiten sind in vollem Gange.

Die Kontaktstelle der Drogenberatung hat vor Ort kein Büro mehr, der Mitarbeiter der Drogenberatung ist aber als Streetworker im Stadtteil präsent. Er arbeitet eng vernetzt mit der Mobilen Jugendarbeit der Stadt Detmold und des Kinderschutzbundes zusammen. Die präventiven Angebote wurden ausgeweitet.

Durch die Förderprogramme kuq und LOS werden weiterhin eine Vielzahl von Projekten der sozialen Arbeit ermöglicht und neue Impulse in den Stadtteil gebracht. Der Basiskreis Herberhausen koordiniert die Entwicklung der sozialen Arbeit. Das Rittergut erfüllt inzwischen seine Funktion als Stadtteilzentrum.

Seit dem 01.01.2005 befindet sich Detmold Herberhausen formell nicht mehr im NRW-Landesprogramm Soziale Stadt NRW.
Das
Rittergut
Herberhausen
























 Ansprechpartner

Stefan Fenneker
Stadt Detmold
Koordinierungsstelle Integration
Marktplatz 5
32756 Detmold

Tel.: 05231 977-340
Fax: 05231 977-8340

E-Mail: s.fenneker@detmold.de



Stand: November 2005
Stefan Fenneker Stadtteilmanagement Herberhausen


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