Grenzen aufheben


 Herne Horsthausen
Meilensteine
Ansprechpartner

Bilanz nach 5 Jahren Programmlaufzeit

Im Rahmen des Landesprogramms Soziale Stadt NRW wurden in Horsthausen Spielplätze und der Schulhof einer Grundschule umgestaltet, flächendeckende Verkehrsberuhigungsmaßnahmen umgesetzt, Gebäudefassaden und Hofbereiche privater Eigentümer gestaltet und die Begegnungsstätte Horsthausen als zentrale Einrichtung im Stadtteil aufgebaut. Hier wurden zahlreiche sozial-integrative Maßnahmen durchgeführt und Beratungen zu unterschiedlichen Themen angeboten. Die Begegnungsstätte wird weiterhin von der Arbeiterwohlfahrt und den Falken betrieben, die für viele Zielgruppen Angebote im sozial-integrativen Bereich unterbreiten. Die Projektlenkungsgruppe, die mit Aufnahme des Gebietes in das Förderprogramm Soziale Stadt NRW gegründet wurde, tagt als Projektgruppe mit verändertem Aufgabenspektrum auch nach der Förderphase weiterhin viermal im Jahr in der Begegnungsstätte.

Daneben ist in Horsthausen mit Hilfe von Finanzmitteln der Stadt, des Landes und der EU ein Wohnhaus zu einem „Zentrum zur Förderung von Selbstständigkeit" umgebaut worden. Hier können Existenzgründer in der ersten Startphase ihres Unternehmens zu günstigen Bedingungen Büroräume anmieten.

Ebenfalls mit Mitteln der Stadt, des Landes und der EU wurde ein Beschäftigungsprojekt in Horsthausen durchgeführt, das dem Stadtteil heute noch zu Gute kommt. Arbeitslose Jugendliche haben einen ausrangierten Hafenschlepper restauriert und zu einem Ausflugsschiff umgebaut.

Seit dem 01.01.2002 befindet sich Herne-Horsthausen formell nicht mehr im NRW-Landesprogramm Soziale Stadt NRW.

Gebietscharakter und Ausgangslage

Der Stadtteil Horsthausen
Der Stadtteil Horsthausen liegt am nordöstlichen Stadtrand von Herne und zählt rund 3.400 Einwohner. Er wird von der Autobahn A 42 im Süden, dem Rhein-Herne-Kanal im Norden, der Horsthauser Straße im Westen und einer Kleingartenanlage im Osten umgeben.

Der etwa 33 ha große Stadtteil entstand um die Jahrhundertwende als Bergarbeitersiedlung ('Feldherrenviertel') der Zeche Friedrich der Große. Seine stadträumlichen Qualitäten, vor allem die geschlossene Bauweise entlang platanenbestandener Straßen mit detailreichen Fassaden, litten in der Nachkriegszeit wesentlich durch die unsicheren Perspektiven von Bergbau und Stahlindustrie. Notwendige Instandhaltungs- und Erneuerungsinvestitionen unterblieben, die Wohnbedingungen verschlechterten sich, das Image des Gebietes sank. Es setzte eine Fluktuation zu Gunsten ausländischer und einkommensschwacher Haushalte ein.


Der
Stadtteil
Horsthausen
(Foto:
Hans-Dieter
Fischer)













Potenziale und Handlungsansätze

1994 beschloss der Rat der Stadt Herne ein Wohnumfeldprogramm für Horsthausen, das die Wechselverhältnisse zwischen baulichen und sozialen Problemen im Stadtteil berücksichtigte. 1997 wurde Horsthausen in das Landesprogramm
Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf (heute Soziale Stadt NRW) aufgenommen.
Eine vorbereitende Untersuchung aus dem Jahr 1991 attestierte dem Stadtteil ein enormes Entwicklungspotenzial. Dieses begründete sich sowohl in der ansprechenden Siedlungsstruktur und der Lage am Rhein-Herne-Kanal als auch in der aktiven Bewohnerschaft. Auch die Mitarbeit der örtlichen Grundschule mit ihrem Ansatz, sich dem Stadtteil gegenüber zu öffnen, soziale Gruppen zu integrieren und bei der Vernetzung mitzuwirken, war relevant.

Das 'Handlungskonzept für die Stadtteilerneuerung mit ganzheitlichem, so-zialintegrativem Ansatz' von Mai 1997 benannte folgende Themenfelder:
  • Aufbau einer Begegnungsstätte als zentrale Einrichtung im Stadtteil - mit Angeboten für Kinder, Jugendliche, Senioren, Arbeitslose und weitere Gruppen des Stadtteils. Sie wurde 1997 eröffnet und erlangte schnell entscheidende Integrationsfunktion. Wichtige Angebote waren Sprachkurse, Bewerbungstraining, Beratungsangebote zur Jugendberufshilfe und regelmäßige Bürger- und Arbeitslosenberatung. Feste Einrichtung waren auch die diversen Café-Angebote: Frauen-Café, türkische Teestube, Mädchen-, Senioren- und Spiele-Café.
  • Einrichtung eines Stadtteilbüros als Anlauf- und Beratungsstelle für die Bürger und zur Steuerung der Arbeit im Quartier. Hier konnten z. B. Anträge für Zuschüsse zur Fassadenrenovierung abgegeben und Anregungen zu baulichen Maßnahmen gemacht werden. Selbst die Möglichkeit, Abfallsäcke für den grünen Punkt zu erhalten, brachte Bürger und Stadtteilteam in Kontakt. Ferner wurde Raum für temporäre Büronutzung geschaffen, der z.B. bei der Durchführung des INTEGRA-Projektes intensiv genutzt wurde.
  • Spielplatzsanierung - Besonderer Wert wurde auf die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen gelegt.
  • Schulhofgestaltung
  • Verkehrsberuhigung
  • Gestaltung privater Haus- und Hofflächen
Die neue Begegnungsstätte
Weitere Projektbausteine waren der Aufbau eines Spielezentrums und Einsatz des Spielbusses, Auseinandersetzung mit der Stadtteilhistorie, Einrichtung von Sprachkursen für türkische Frauen, Arbeitslosenprojekte, interkulturelle Projekte sowie Stärkung des lokalen Handwerks und Handels. Die Projekte wurden im intensiven Dialog mit den Bewohnern des Quartiers und in Zusammenarbeit mit der Schule und anderen Einrichtungen im Quartier umgesetzt. Städtebauliche Maßnahmen wurden grundsätzlich mit örtlichen Beschäftigungs- und Qualifizierungsinitiativen verknüpft.
Die neue
Begegnungs-
stätte
(Foto:
Wolfgang
Grubert)










Organisation und Lokale Partner

Die Projektlenkungsgruppe
Das täglich geöffnete Stadtteilbüro war kontinuierlich mit dem Stadtteilkoordinator, dessen Mitarbeiterin und dem Vertreter eines externen Büros besetzt, der die intensive Bürgerbeteiligung konzipierte, durchführte und an den daraus resultierenden Planungsvorschlägen beteiligt war.
Eine
Projektlenkungsgruppe (PLG) tagte in 1/2 jährlichem Turnus. Sie war mit den wichtigsten Akteuren der Stadtteilerneu- erung besetzt: Vertreter des Ausländer- beirats, freie Träger, Gemeinnützige Beschäftigungsgesellschaft, Handwerk, Moscheeverein, Ortspolitik, Planungsamt und Schulen diskutierten und befürworteten alle stadtteilbezogenen Projektideen aus Bevölkerung und Verwaltung, bevor förmliche Beschlüsse gefasst wurden.
Das Planungsamt war mit dem Stadtteilbüro und der PLG eng verzahnt und stellte die Verbindung zu den anderen Fachbereichen der
Stadtverwaltung her.
Bürgerversammlungen wurden im Vorfeld zu konkreten Maßnahmeplanungen durchgeführt.
Der
Arbeitskreis Begegnungsstätte, dem die Träger der Begegnungsstätte (AWO, Falken) und das Stadtteilbüro angehörten, koordinierte das Programm der Begegnungsstätte.
Außerhalb dieser Einrichtungen kam der
aufsuchenden Bürgerbeteiligung große Bedeutung zu. Ein Team des beauftragten Büros positionierte sich in den Straßenabschnitten, die umgebaut werden sollten mit einem mobilen Planungsstand, dem "Bollerwagen". So konnten die Anregungen und Bedenken der Bürger direkt vor Ort anhand von Plänen und Erläuterungen aufgegriffen werden.

Organisationsstruktur Herne Horsthausen

Organisationsstrukturen

Stadt Herne, Planungsamt
Dezember 2002


Weitere lokale Partner im Stadtteil waren:

  • Arbeiterwohlfahrt
  • Die Falken
  • Grundschule Diedrichstraße
  • Hauptschule Jürgens Hof
  • Interessengemeinschaft Horsthausen von 1998 bis 2001
  • Kindergärten
  • Projektlenkungsgruppe: Vertreter verschiedener politischer Gremien, Stadtämter und Institutionen
  • Seniorengruppen
  • Sportvereine
  • Stadtteilbüro Horsthausen
  • Stadtteilhistoriengruppe
  • Stadtteilladen der evangelischen Kirchengemeinde Zion bis 1999













Die
Projekt-
lenkungs-
gruppe tagt
(Foto:
Wolfgang
Grubert)



 Chronologie der Erneuerung – Meilensteine und Projektbeispiele

Dez 1991


Der Rat der Stadt Herne erklärt den Bereich Herne-Horsthausen zum förmlichen Sanierungsgebiet und beauftragt die Verwaltung mit der Erarbeitung eines Wohnumfeldverbesserungsprogramms.


Sept 1995

Gestaltung der Außenanlage des evangelischen Kindergartens


Juli 1996


Einweihung des neu angelegten Spielplatzes an der Gneisenaustraße



Nov 1996


Anlage eines Bolzplatzes an der Horsthauser Straße


Nov 1996


Beginn der flächendeckenden Verkehrsberuhigung im Stadtteil durch den verkehrsberuhigenden Ausbau der Blücherstraße zur Erhöhung der Verkehrssicherheit, Lärmreduzierung und zur Unterbindung von Schleichverkehren


Mai 1997


Der Rat der Stadt Herne beschließt für Horsthausen das 'Handlungskonzept für die Stadtteilerneuerung mit ganzheitlichem, sozialintegrativem Ansatz; offizielle Aufnahme in das Landesprogramm 'Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf'


Seit Mai 1997


Ganztagsbetreuung an der Grundschule Diedrichstraße


Seit Mai 1997


Kinder- und Jugendarbeit in der Begegnungsstätte durch 'Die Falken'


Juni 1997


Feierliche Eröffnung der Begegnungsstätte Horsthausen im ehemaligen Küchengebäude an der Grundschule Diedrichstraße


Sept 1997


Eröffnung des Stadteilbüros Horsthausen


Okt 1998 - Aug 2000


2-jähriges INTEGRA-Projekt: Umbau und Restauration eines ausrangierten Hafenschleppers zu einem 'Jugendschiff'


März 1999


Gründung der Interessengemeinschaft Horsthausen


Mai 1999


Präsentation der Stadtteilhistorie 'Unser Horsthausen'


Sept 1999


Eröffnung des neugestalteten Schulhofs der Grundschule Diedrichstraße


Feb 2003


Fertigstellung des 1. Bauabschnitts der Verkehrsberuhigung im Quartier


April 2003


Die Stadt Herne schließt mit der Herner Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft und der Gemeinnützigen Beschäftigungsgesellschaft Herne den Vertrag zur Errichtung und zum Betrieb eines "Zentrums zur Förderung von Selbstständigkeit" an der Horsthauser Straße.


April 2003


Beginn des 2. Bauabschnitts der Verkehrsberuhigung im Quartier


Juni 2003


Einweihung des neu angelegten Spielplatzes mit Seilgarten an der Horsthauser Straße


Juli 2003


Dokumentation eines lebendigen Stadtteils


Stadtteilfest und Präsentation der Dokumentation "Stadtteilerneuerung Herne-Horsthausen".













Dokumentation eines lebendigen Stadtteils (Titelbild: Wolfgang Grubert)


2003


Schließung des Stadtteilbüros


Nov 2004


Fertigstellung des Gründerzentrums


2004


Realisierung des Projektes „Betreutes Wohnen“




Perspektiven

Der Seilgarten
Nach dem Ausscheiden Horsthausens aus dem Landesprogramm Soziale Stadt NRW am 31.12.2001 wurden letzte bauliche Maßnahmen zu Ende geführt und das Stadtteilbüro aufgelöst.
Die Projektlenkungsgruppe, die alle Maßnahmen in Horsthausen vorbereitet und begleitet hatte, wurde auf eine neue Basis gestellt. Während im Projektzeitraum hauptsächlich Maßnahmen aus dem Handlungsprogramm beraten und zur Vorlagereife in der Bezirksvertretung gebracht wurden, liegt der Schwerpunkt der Projektgruppe jetzt auf dem eigenständigen Initiieren und Entwickeln von Maßnahmen und Projekten aus dem Stadtteil heraus. Die Leitung der Projektgruppe liegt zu gleichen Teilen bei der Begegnungsstätte, der Gesellschaft zur Förderung der Integrationsarbeit in Herne e.V. (GFI) und der Zionsgemeinde.

Die Begegnungsstätte ist heute ein zentraler Ort des sozialen Lebens in Horsthausen. Neben den Angeboten der Träger (AWO, Die Falken) nutzt eine Vielzahl von festen Gruppen in regelmäßigem Turnus die Begegnungsstätte. Dies wird pro Jahr um ca. 40 einmalige Veranstaltungen von Gruppen, Vereinen, Parteien und Privatpersonen ergänzt.

Altengerechtes Wohnen in Horsthausen
Die Stärkung und Vernetzung Horsthauser Gruppen und Vereine sind im Rahmen unterschiedlichster Aktivitäten in der Begegnungsstätte angestoßen und vertieft worden. Neben Familien- und Patientenbesuchen werden auch Feste und Veranstaltungen organisiert und durchgeführt. Das Projekt "Betreutes Wohnen" ist seit 2004 realisiert und wird gut genutzt, alle Einheiten sind belegt.

Seit der Fertigstellung des Gründerzentrums im November 2004 konnten die Büroeinheiten an Existenzgründer und an die GFI vermietet werden. Der für das Gründerzentrum etablierte Beirat begleitet konstruktiv und kritisch die inhaltliche Ausrichtung des Hauses. In dem Gremium können Empfehlungen zu geplanten Vorhaben ausgesprochen und Projektvorschläge, die den sozial-integrativen Ansatz der Stadtteilarbeit fortführen, entwickelt werden.




















Der
Seilgarten
(Foto:
Wolfgang
Grubert)






















Altengerechtes Wohnen in Horsthausen



 Ansprechpartner

Koordination

Stadt Herne
Abteilung Stadterneuerung
Heike Lindemann

Fachbereich Stadtplanung
Rathausstraße 6
44649 Herne

Telefon: +49 2323 163381
Telefax: +49 2323 162704

E-Mail: heike.lindemann@herne.de



Stand: November 2006
Uwe Trillitzsch, Stadt Herne

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